| Rechter Rand / Zeitgeschichte | |||
| Präventiver Hitler: Der "Führer" hatte keine Wahl |
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| Ulrich Peters | |
| 02.02.2010 | |
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Berlin. Ein Vortrag in einer "Gedenkbibliothek" sollte wieder einmal das historische Bild des Zweiten Weltkriegs umkrempeln. Neonazis wie CDU-Politiker hörten von einem russischen Autor, dass Hitler eigentlich nur einem unmittelbar bevorstehenden Angriff Stalins zuvorgekommen sei.
Mitten im Herzen Berlins und im Schatten der ältesten Kirche der Stadt gelegen, befindet sich am Nikolaikirchplatz 5-7 die "Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Stalinismus e.V.". Dieser Verein hat es sich seit nunmehr 20 Jahren zur Aufgabe gemacht, "die Ursachen und Folgen des Stalinismus … als eine umfassende wissenschaftliche Aufgabe und zugleich eine zentrale Herausforderung für den Wiedervereinigungsprozess Deutschlands" zu begreifen. Nach der Selbstdarstellung wird dies aber erschwert "durch erkennbare Tendenzen, die 'DDR' zu beschönigen". Die Dringlichkeit der Auseinandersetzung mit der "roten Diktatur" nehme noch zu vor dem Hintergrund der Tatsache, "dass eine neue Generation in Deutschland und im besonderen in den neuen Bundesländern heranwächst, die keine Erinnerung an den 'real existierenden Sozialismus' mehr hat oder ihn gar nicht erlebte". Um dies nicht vergessen zu machen, lädt die "Gedenkbibliothek" zweimal im Monat zu verschiedensten Veranstaltungen ein. Zu einer in der extrem rechten Wochenzeitung Junge Freiheit und bei der "Bundeszentrale für politische Bildung" beworbenen sowie vom Berliner "Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen" mitverantworteten Veranstaltung kamen am 26. Januar 2010 etwa 70 ZuhörerInnen im kleinen Veranstaltungsraum im Keller des Gebäudes zusammen. Ganz begeistert von soviel Andrang, ließ die Vereinsvorstandsvorsitzende Ursula Popiolek noch einige Stühle für das zumeist ältere Publikum heranschaffen, um im Anschluss den Abend einzuleiten. "Die Schuldfrage Stalins beim Ablauf des Zweiten Weltkrieges" und "die Ausbreitung des Revolutionsgedankens bis nach Amerika" sollte Thema des Vortrags sein. Der russische "Historiker" Dmitrij Chmelnizki geleitete nicht nur die Berliner CDU-Politikerin Vera Lengsfeld, sondern ebenso martialisch gekleidete und in Thor-Steinar-Jacken gehüllte Neonazis, Mitglieder des "Fürstentum Germania" und allerlei weitere selbsternannte "Historiker" durch den Abend. In seinem 45-minütigen Vortrag beschränkte sich Chmelnizki darauf, das von ihm zusammen mit Viktor Suworow herausgegebene Buch "Überfall auf Europa: Plante die Sowjetunion 1941 einen Angriffskrieg? Neun russische Historiker belasten Stalin" vorzustellen. Das Buch stützt sich im Wesentlichen auf die Arbeiten Suworows, der als einer der Hauptvertreter der "Präventivkriegsthese" gilt. Demnach konnte das nationalsozialistische Deutschland einem Angriff Stalins durch den Einmarsch in Russland zuvorkommen und trug dementsprechend an der Ausweitung der Kriegshandlungen gar keine Schuld. Diese Sichtweise ist eines der Hauptelemente der neonazistischen Szene, wenn es darum geht, in geschichtsrevisionistischer Absicht die Relativierung der Kriegsschuld Deutschlands zu betreiben. Somit ist es nicht verwunderlich, dass das Buch nicht nur in der "Gedenkbibliothek" einzusehen ist, sondern auch über den NPD-eigenen "DS-Versand" erworben werden kann.
Erschienen ist es im "Pour le Mèrite"-Verlag, einem Teil des Verlagswesens des Neonazis Dietmar Munier, der ebenfalls den bekannteren "Arndt-Verlag" betreibt und Anfang des Jahres die Doch das war an diesem Abend auch gar nicht notwendig. Das anwesende Publikum war sich einig und zeigte sich zufrieden mit dem abschließendem Fazit des Abends, das einer der Zuhörer so zusammenfasst: "Hitler hatte gar keine andere Wahl als den Krieg auszuweiten, da ein russischer Angriff unmittelbar bevorstand." Damit konnten die Anliegen Chmelnizkis und Suworows an diesem Abend nicht nur ausgetauscht, sondern auch vehement verteidigt werden. Suworow hatte seine Ansichten in einem Interview mit der extrem rechten Deutschen Militärzeitschrift wie folgt formuliert:
Auf kritische Nachfragen einzelner Anwesender, ob die vertretenen Thesen nicht eine Relativierung des Nationalsozialismus befördern, wähnte die vereinte Gemeinschaft im Saal die Frager sogleich als Mitglieder der KPdSU oder "Systempresse der Jungen Welt" bzw. "jungle world". Nicht nur die CDU-Politikerin Lengsfeld sieht hinter solchen Nachfragen eine Strategie, wie ihre zustimmend nickende Sitznachbarin andeutete, als Lengsfeld sie darüber aufklärt, dass solche Provokateure "im Raum verteilt sitzend genau diese Nachfragen stellen, um die Veranstaltung zu stören". Vielleicht hat sie doch einmal zu oft in der von ihrer Internetseite aus verlinkten Homepage des extrem rechten Publizisten und Verschwörungstheoretikers Udo Ulfkotte gelesen.
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