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NPD / Rechtsextremisten / Neonazis
Braune "Volksfront" probt Brückenschlag zur CSU PDF Drucken E-Mail
ak   
25.01.2005
München. Die vor allem von der NPD betriebene Strategie einer rechtsextremen "Volksfront" findet derzeit viel Zuspruch am rechten Rand. Auf gemeinsamen Veranstaltungen treffen sich mittlerweile nicht nur Neonazi-Kameradschaften und NPD-Funktionäre: selbst CSU-Mitglieder werden als Redner bei "Volksfront"-Versammlungen annonciert.

In den vergangenen Jahren hatte das "Neujahrstreffen" des oberbayerischen Verbandes der rechten Kleinpartei "Deutsche Partei" (DP) wenig Aufsehen erregt. Dabei hatte diese Versammlung bereits Anfang 2004 in Fürstenfeldbruck als eine Art informelles Treffen quer über das rechtsextreme Spektrum gedient. Zum diesjährigen "Neujahrstreffen" am vergangenen Sonntag, das ab diesem Jahr ständig in München stattfinden soll, ließen die oberbayerischen Rechtsaußen gleich die Verbindung zur "Deutschen Partei" fallen. Das Treffen wurde als "parteiübergreifende Veranstaltung" eines Bündnisses "aller national-patriotischen und freiheitlichen Münchner Parteien und Gruppierungen" angekündigt.

Organisiert wurde das Treffen im "Hotel zur Post" in München-Pasing vom Münchner REP-Stadtratsmitglied Johann Weinfurtner und vom Kreisratsmitglied Wolfgang Bukow (DP). Als prominente Teilnehmer waren der rechtspopulistische Gastwirt Ewald Ehrl aus Cham (als "Andreas Hofer aus der Oberpfalz" tituliert, DP-Mitglied), Heilwig Holland (Bundesvorsitzender "Schutzbund für das deutsche Volk"), der geschichtsrevisionistische Autor Walter Post und der stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende Holger Apfel angekündigt. Darüber hinaus wurde der Historiker Thomas S. Fischer als "Mitglied der CSU und Deutschlandbewegung" annonciert. Wie die "Süddeutsche Zeitung" gestern berichtete, wurde der Ordnerdienst der Versammlung von der "Kameradschaft München" um den Neonazi Norman Bordin übernommen.

Fischer war bereits im vergangenen Jahr bei dem "Neujahrstreffen" aufgetreten. Seine Verflechtungen mit der rechtsextremen Szene sind vielfältig: so erscheint er neben Weinfurtner und Bukow als Mitherausgeber der Publikation "München Direkt" und er ist Mitglied bei der rechtsextremen Münchner Gruppe "Demokratie direkt", deren Veranstaltungen früher von dem als Rechtsterroristen angeklagten Martin Wiese besucht wurden. Darüber hinaus hatte Fischer als Autor für die rechtsextremen Publikationen "Nation & Europa" und "Junge Freiheit" geschrieben; als Referent wird er bei der "Gesellschaft für freie Publizistik" (GfP) geführt.

Fischers unverhohlene Aktivitäten in der extremen Rechten hatten bei seiner Partei, der CSU, Abgrenzungsbemühungen bewirkt, sobald seine Verquickung mit der braunen Szene bekannt wurde. Bereits im November 2003 hatte die CSU ein Parteiausschlussverfahren gegen Fischer angekündigt. Noch jetzt jedoch wurde Fischer bei der "Volksfront"-Versammlung als CSU-Mitglied angekündigt.

Auch auf anderem Gebiet zeigen rechtsextreme Einigungsbestrebungen Erfolg. Ab dem 30. Januar wollen Neonazis aus dem Umfeld von "Kameradschaften" eine gemeinsame Internetplattform "Nationales Infoportal Bayern" betreiben. An diesem Portal sind beteiligt: das "Aktionsbüro Süd", die Jungen Nationaldemokraten (JN) München, die freie Kameradschaft München, die "Kameradschaft Weiße Wölfe" (Landkreis Cham), die Gruppe NFD (NationaleFreundeDeutschland) und die Band "Edelweiß". Laut Mitteilung in einem rechtsextremen Forum hatte sich erst kürzlich die JN München wieder neu gegründet.