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Rechtsextremisten
"Schwarze Schar" mit rechtem Hintergrund PDF Drucken E-Mail
redok   
21.02.2010
Gägelow. Ein Motorradclub "Schwarze Schar", dessen Mitglieder sich zu ihrer "deutschen Herkunft" bekennen, hat in Nordwestmecklenburg ein Klubheim übernommen. Besitzer des Klubhauses ist seit wenigen Wochen ein Neonazi aus Wismar, der dort als Betreiber des "Totenkopf Versand" und des "Werwolf Shop" bekannt geworden war.

Bisher hatte in dem Klubhaus im Gewerbegebiet der Gemeinde Gägelow ein unverdächtiger Verein "Motor-Sport-Freunde Gägelow" seinen Sitz. Doch vor kurzem wurde das Gebäude verkauft, und die Motor-Sport-Freunde mussten ausziehen. Die Nachfolger geben dagegen ein anderes Bild ab: Der "Schwarze Schar MC Wismar" lässt seine Mitglieder zur "deutschen Herkunft" bekennen und leitet nach eigenen Angaben seinen Namen von einem Freikorps ab, das in der Zeit der Napoleonischen Kriege gekämpft habe. Diese Erklärung wird auf der Webseite des Klubs mit einigen Sätzen garniert, die allerdings aus dem Internet-Lexikon externer LinkWikipedia kopiert wurden.

Angesichts der etwas weit hergeholten Namensgebung wird bereits externer Linkder Hintergedanke geargwöhnt, dass "sich der Klubname mit einem verfassungsfeindlichen Kürzel darstellen lässt". Die Vergangenheit des Klubhaus-Besitzers Philip Schlaffer legt den Verdacht durchaus nahe, dass hier eine Mischszene aus Rockern und Rechtsextremen entstehen könnte.

Schlaffer hatte in Wismar mehrere gewerbliche Neonazi-Projekte betrieben, unter anderem den externer Link"Totenkopf Versand" und den "Werwolf Shop". Der "Werwolf Shop" war im Sommer 2006 bundesweit ins Blickfeld gerückt, als Neonazi-Schläger mit bereitgehaltenen Knüppeln aus dem Ladengeschaft auf eine Anti-Nazi-Demonstration zustürmten und von der Polizei mit gezogenenen Waffen davon abgehalten werden mussten.

Die Gewalttätigkeit und Brutalität der Szene um den "Werwolf Shop" wurde auch bei einem externer LinkMordprozess in Wismar deutlich. Sechs Angeklagte, darunter zwei ehemalige Angestellte des "Werwolf Shop", waren im Mai 2008 zu Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten in der Neujahrsnacht 2007 einen 30-Jährigen, der selbst zur Neonazi-Szene gehörte, brutal ermordet.

Ob Schlaffers neuer Start als "Schwarze Schar"-Führer von ähnlichen Erscheinungen begleitet sein wird, bleibt abzuwarten. Bisher war der Klub, der sich nach eigenen Angaben am 1. Dezember 2008 gegründet hatte, noch nicht durch eigene gewalttätige Aktivitäten aufgefallen. Dennoch hat das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern den Verein im Auge. Den Lübecker Nachrichten teilte das Ministerium mit: "Die Aktivitäten des Motorradclubs Schwarze Schar sind den Sicherheitsbehörden bekannt. Ihm gehören auch Personen an, die der rechtsextremistischen Szene zuzurechnen sind. Die Intention des Clubs ist noch unklar."

In der rechtsextremen Szene ist Schlaffer schon seit einiger Zeit umstritten; vorgeworfen wurde ihm verschiedentlich Geschäftemacherei mit der rechten Sache. Im - allerdings moderierten - Internet-Gästebuch der "Schwarzen Schar" finden sich derzeit keine eindeutigen Verbindungen zur rechtsextremen Szene, dafür aber ein freundlicher Gruß von regionalen "Bandidos". Damit könnte freilich Ärger etwas anderer Art vorprogrammiert sein, denn die "externer LinkBandidos" sind als international etablierter Motorradclub in Deutschland zur Zeit die ärgsten Konkurrenten der "externer LinkHells Angels". Die Konflikte zwischen beiden Klubs hatten sich erst vor einigen Tagen erneut zugespitzt, als in Berlin ein großer Teil der Bandidos mit etwa 70 Männern zu den Hells Angels übergetreten war und daraufhin ein "Rockerkrieg" befürchtet wurde.