hintergrund
Auf verlorenem Posten: Aufklärerisches bei der Jungen Freiheit | Rechter Rand | |||
| Auf verlorenem Posten: Aufklärerisches bei der Jungen Freiheit |
|
|
|
| Stefan Kubon | |
| 16.05.2010 | |
|
Zumeist verbreitet die rechte Zeitung Junge Freiheit (JF) immer die gleichen reaktionären Botschaften. Ewiggestrige Zeitgenossen müssen bei der Lektüre des Blatts also kaum fürchten, durch progressive Ideen aufgeschreckt zu werden. Doch trotz aller ideologischen Gleichförmigkeit des rechten Blatts: Zumindest drei JF-Autoren sind in jüngerer Zeit aufgefallen, weil sie unter aufklärerischen Vorzeichen grundlegende Überzeugungen des reaktionären Weltbilds der JF attackiert haben.
Fangen wir mit Harald Harzheim an, denn zweifelsohne hat sich dieser Autor beim Angriff auf rechte Denkfiguren bislang am einsatzfreudigsten gezeigt. Während sich das JF-Milieu in der Regel darin gefällt, über die angebliche Faulheit und das vermeintliche Anspruchsdenken von Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern herzuziehen, scheint Harzheim es nicht nötig zu haben, sein Selbstwertgefühl auf Kosten derer zu steigern, die in der Hackordnung unserer Gesellschaft ganz unten stehen. Wenn Harzheim über die Sehnsucht des Menschen nach Ruhe und Entspannung reflektiert (JF vom 17. Juli 2009), dürfte das die wohlstandschauvinistische Leserschaft der JF wenig begeistern: "Aber warum sehnt sich der Mensch (…) nach dem Nichtstun? Pures 'Ausruhen' als Grund ist unzureichend. Das ginge auch im Schlaf. Nein, man möchte das Gefühl der Entspannung bewußt erleben, der Körper belohnt es nämlich mit Lustempfinden. Entspannen ist ein kleiner Rauschzustand - aber nur, wenn man zuvor hart beansprucht wurde. Deshalb ist der destruktive Neid zahlreicher Mittelständler und Großverdiener gegenüber Arbeitslosen wirklich Schwachsinn. Weil vorherige Arbeit fehlt, ist deren 'Ruhe' gerade keine endlose Lust des Entspannens, sondern qualvollste Leere. So betrachtet, ist der mickrige Hartz-IV-Satz - ohne Scherz! - sauer verdientes Geld!" Dass Harzheim seinen Text mit dem fürsorglichen Gebrauchshinweis "ohne Scherz!" ausstattet, macht deutlich, dass ihm sehr wohl bewusst ist, dass seine Gedanken für die meisten Leser der JF eine geradezu abenteuerliche geistige Horizonterweiterung sein dürften. Einsatz für soziale GerechtigkeitAllerdings belässt es Harzheim keineswegs bei dieser Provokation des rechten Milieus, denn einige Wochen später redet er im Rahmen einer Comic-Rezension (JF vom 28. August 2009) doch tatsächlich einer Revolutionsstimmung unter linken Vorzeichen das Wort: "Gerade jetzt, wo die Finanzkrise sich ein wenig erholt, irrationale Wachstumsphantasien wieder aufblühen und Kürzungen im Sozialbereich erneut diskussionswürdig werden, kann ein wenig Revolutionsstimmung nicht schaden: durch Erinnerung an Zeiten, wo man sich nicht alles gefallen ließ." Offensichtlich geht es Harzheim nicht nur darum, den Unterprivilegierten unserer Gesellschaft Mitgefühl zu zeigen. Vielmehr scheint er auch daran interessiert zu sein, dass die Menschen, die von der herrschenden Politik an den Rand gedrängt werden, ihre Würde verteidigen, denn er ermutigt sie zum Widerstand. Bedenkt man beispielsweise, dass der Unterschichten-Verspotter Thilo Sarrazin im Milieu der JF inzwischen zu einer regelrechten Ikone aufgebaut wurde, wird deutlich, dass Harzheims Äußerungen in diesem Umfeld in der Tat etwas sehr Untypisches sind. Selbst wenn Harzheim rechte Denker wie Ernst Jünger oder Carl Schmitt rezipiert, dürfte das bei der reaktionären Leserschaft der JF keine große Begeisterung auslösen. Harzheim lässt sich nämlich keineswegs dazu hinreißen, das destruktive politische Potential dieser Denker in zustimmender Weise zu verbreiten. Stattdessen nutzt er die lichten Momente der beiden konservativen Revolutionäre, um die Lage des Menschen in der modernen Welt begreiflich zu machen. So schreibt er im Rahmen eines Berichtes zu einer Berliner Ausstellung zur Tiefsee (JF vom 9. Oktober 2009): "Zwanzig Jahre später stand die Tiefsee symbolisch für die Überschwemmung des Menschen durch die Technik. Ernst Jünger begriff inmitten moderner Materialschlachten: 'Wir leben wie Wesen der Tiefsee ohne Kenntnis der ungeheuren Gewichte, die wir bewältigen' (Das Wäldchen 125). Carl Schmitt meinte sogar, daß 'wir Erdbodenkriecher durch die Flugzeuge um eine Dimension herabgedrückt werden und unser Erdboden sich dadurch, daß über ihm ein Luftverkehrsnetz gespannt ist, eigentlich in eine Art Meeresboden verwandelt'. Kurz: Der Mensch versinkt in einem Meer von Technisierung, die er selber schuf." Einsatz für die Freiheit des IndividuumsWährend Harzheims geistreiche Beschäftigung mit Jünger und Schmitt vielleicht noch von dem einen oder anderen JF-Leser toleriert werden dürfte, kann sein konsequentes Eintreten für die Freiheit des Individuums im Umfeld der JF nur tiefe Abneigung erzeugen. Schließlich ist dem Blatt seit jeher insbesondere daran gelegen, dass die individuelle Freiheit des Menschen dem kollektivistischen Machtanspruch der deutschen Nation geopfert wird. Harzheims engagierter Einsatz für das Individuum zeigt sich zum Beispiel, wenn er bei einer JF-Debatte zur Zukunft des Sozialstaats die Freiheit des Menschen gegen marktradikale Fanatiker verteidigt (JF vom 23. Oktober 2009): "Es geht um Freiheit von Abhängigkeit und seelischer Deformation. Ob der Sozialstaat oder das bedingungslose Grundeinkommen diese Freiheit am weitesten gewährleistet, ist ein anderes Thema. Bis hierhin gilt: Das Angebot der Wirtschaft, die globale Religion des 21. Jahrhunderts zu bilden, muß dankend zurückgewiesen werden." Wie wichtig es Harzheim ist, die Idee der individuellen Freiheit zu verbreiten, wird auch bei seiner Kritik an der Institution Schule deutlich. Im Rahmen eines Artikel, bei dem er auslotet, inwieweit es dem Menschen gelingen kann, sich im gegenwärtigen Informationszeitalter zurechtzufinden (JF vom 5. Februar 2010), spottet er: "Die Schule, seit ihrem Bestehen eine Mastanstalt für unreflektiertes Stopfen, sieht den Großteil ihrer Zombiezucht in der Datenflut versinken." Für das rechte Weltbild der JF sind solche Aussagen natürlich gänzlich inakzeptabel, denn dort fällt der Schule eine äußerst wichtige repressive Funktion zu: Soll sie doch den jungen Menschen für die autoritären Machtinteressen der deutschen Nation gefügig machen. Dementsprechend gilt im JF-Milieu zumeist das obrigkeitsstaatliche Schulwesen als vorbildlich, das in Deutschland im letzten Jahrhundert noch bis in die 60er und 70er Jahre herrschte. Kritik an InstitutionenAngesichts Harzheims vehementer Schulkritik ist es nur konsequent, dass er in einem anderen Artikel den konservativen Säulenheiligen Arnold Gehlen unter Beschuss nimmt. Gehlens Soziallehre, die insbesondere betont, dass der Mensch durch Institutionen Führung erfahren müsse, wird von Harzheim im Verlauf einer Rezension des Kinofilms "Agora" (JF vom 12. März 2010) kritisiert: "Die Konfrontation von Anpassung und Freigeistigem zeigt, daß die Definition des Menschen als 'Mängelwesen' (Arnold Gehlen), das der 'Entlastung' durch welt- und feindbildprägender 'Institutionen' bedarf - daß diese Definition ihn unter seine Möglichkeiten stellt. Nur wer die Zerreißprobe des abwägenden, unabhängigen Urteils erträgt, sich dafür zwischen alle Stühle setzt, schöpft das Potential seiner Spezie voll aus. Und das sind die wenigsten". Zum Teil scheinen diese Worte auch Harzheims Lage im ideologischen Spannungsfeld der Institution JF zu beschreiben. Denn bei der JF sitzt Harzheim mit seinen Ansichten in der Tat zwischen allen Stühlen. Sein kritisches Denken und sein Einsatz für die Freiheit des Individuums liegt quer zu den nationalistischen und autoritären Vorstellungen des Blatts. Dementsprechend scheint er ja auch einer der wenigen JF-Autoren zu sein, die darauf verzichten, Stimmung gegen klassische rechte Feindbilder (Ausländer, Minderheiten, sozial Schwache) zu machen. Bleibt die Frage, warum jemand wie Harzheim ausgerechnet für die JF schreibt. Das Interesse an Ernst Jünger und Carl Schmitt dürfe als Erklärung kaum ausreichend sein. Ökologisches DenkenKommen wir mit Volker Kempf zum zweiten der drei Autoren, die in jüngerer Zeit durch ihre Kritik an klassischen Dogmen des JF-Milieus aufgefallen sind. Auf den ersten Blick scheint es durchaus schlüssig, dass Kempf für das rechte Blatt zur Feder greift. Denn Kempf fühlt sich offenbar unter anderem dem weltanschaulichen Erbe des rechtskonservativen Ökologen Herbert Gruhl verpflichtet. So fungiert Kempf als Vorsitzender der Herbert-Gruhl-Gesellschaft (HGG) (JF vom 15. Januar 2010). Offensichtlich hofft Kempf darauf, dass seine ökologischen Gedanken im JF-Milieu auf fruchtbaren Boden fallen. Und in der Tat ist es ja nicht ganz abwegig, anzunehmen, dass die Bewahrung der Schöpfung im Interesse einer Zeitung sein könnte, die sich selbst als konservativ bezeichnet. Zu Ungunsten von Kempf sieht die Realität bei der JF jedoch so aus, dass das Blatt für die Ideen des Natur- und Umweltschutzes recht wenig übrig hat. Da es sich bei der JF insbesondere um ein wohlstandschauvinistisches Phänomen handelt, lässt sich ihr zentraler politischer Wille nämlich in der Formel "Mehr Macht und mehr Wohlstand für die deutsche Nation" zusammenfassen. Für Ökologie bleibt da wahrlich kaum Spielraum. Lob der niedrigen Geburtenrate in DeutschlandDabei ist es stets der demographische Faktor, den die JF als ein zentrales Instrument für einen Machtzuwachs der deutschen Nation erachtet. Der Ruf nach einer höheren Geburtenrate deutscher Frauen gehört zum Standardrepertoire der politischen Agitation der Zeitung. Und ausgerechnet diesen in Stein gemeißelten Lehrsatz des rechten Weltbilds der JF versucht Kempf zu sprengen (JF vom 10. April 2009): "Alles soll wachsen - die Wirtschaft, die Finanzen, die Geburtenzahlen. Dabei war schon das vielbeschworene Wirtschaftswachstum in Deutschland und noch mehr in den USA schuldenfinanziert. Denn alles hat seinen Preis, wenn man nachhelfen will. Das Wachstum der globalen Finanzwirtschaft quasi aus dem Nichts platzte wie eine Blase. Und wenn die Geburtenrate nicht wächst, dann ist das als eine Krise anzusehen - da sind sich fast alle einig. Dabei ist die Bevölkerungszahl in Deutschland in frühindustriellen Zeiten ähnlich explosionsartig gestiegen wie heute in Afrika. Wenn die Geburtenzahlen deutschlandweit unter dem Bestandserhalt von 2,1 Kindern pro Frau liegen, ist das eine Korrektur einer vorangegangenen Übertreibung." Kempfs Überlegungen zugunsten einer politischen Kultur des Maßhaltens und des Gleichgewichts mögen vernünftig sein. Gleichwohl dürften diese Überlegungen im JF-Milieu weitgehend wirkungslos verpuffen. Geht man hier doch überwiegend von folgender absurden Annahme aus: Deutschland ist ein von ausländischen Mächten ausgebeutetes Land, dem daher eigentlich noch viel mehr materieller Wohlstand zusteht. In diesem zwischen Wahn und Gier pendelnden Umfeld wird Kempf wohl kaum Gehör finden. Recht überraschend wirkt es auch, dass Kempf in diesem Umfeld für die ziemlich konsequente Tierschutzorganisation Peta wirbt (JF vom 27. März 2009). Vor allem wenn man bedenkt, dass die JF in ihrer Geschichte kaum den Eindruck vermittelt hat, sie wolle den Geschöpfen dieser Erde Grausamkeiten ersparen. So agitiert das Blatt noch immer gegen die Reste des bereits 1993 beschnittenen Grundrechts auf Asyl. Das Milieu der JF dürfte mehrheitlich keine Skrupel haben, Flüchtlinge auch in Folterstaaten abzuschieben. Und ausgerechnet in diesem Milieu macht sich Kempf dafür stark, unseren Mitgeschöpfen aus der Tierwelt mehr Mitgefühl zu zeigen. Kempfs Idealismus in allen Ehren, aber reichlich verwegen wirkt das schon. Bedeutung von ethnischen Aspekten bei sozialen KonfliktenKommen wir zu guter Letzt zu Silke Lührmann. Ebenso wie Harald Harzheim und Volker Kempf distanziert sie sich durch ihre Äußerungen von typischen rechten Dogmen. Während JF-Autoren zumeist davon überzeugt sind, dass soziale Konflikte vor allem dann entstehen, wenn Menschen unterschiedlicher Ethnien in einer Gesellschaft zusammenleben, scheint Lührmann dieser Sichtweise eher wenig abgewinnen zu können. Zum Beispiel weist sie auf einen Themenabend des Kulturfernsehsenders Arte hin, der sich mit der Jugendgewalt in Europa beschäftigt. Dabei stellt sie im Einvernehmen mit der Berichterstattung von Arte hinsichtlich der Lage in London fest (JF vom 6. Februar 2009): "Schnell eskaliert ein Streit; jemand ist zur falschen Zeit am falschen Ort; seltener, als man annehmen sollte, sind Alkohol und Drogen im Spiel. Auch wer meint, derartige Bluttaten seien kein Wunder in der vermeintlich multikulturellen Metropole - mehr Pulverfaß als Schmelztiegel -, ist auf der falschen Fährte. Denn zumeist entladen sich die Konflikte nicht entlang ethnischer Fronten, vielmehr kommt es darauf an, wer in welcher Straße wohnt und zu welcher Postleitzahl sie gehört." Zwar widerspricht diese Aussage eindeutig der Annahme, dass es in pluralistischen Gesellschaften vor allem multiethnische Aspekte sind, die Konflikte verursachen. Gleichwohl dürften Lührmanns Aufklärungsversuche im JF-Milieu kaum sonderlich erfolgreich sein. Ähnlich wie Volker Kempf und Harald Harzheim scheint auch Silke Lührmann recht wenig von der Idee eines ständigen Wirtschaftswachstum zu halten. Vor allem aufgrund ökologischer Erwägungen kommt Lührmann zu dem Schluss (JF vom 3. Juli 2009): "Jenseits kurzfristiger Kalkulation bis zum nächsten Wahltermin sind alle panischen Maßnahmen zur Wachstumsankurbelung (…) nicht nur wider-, sondern geradezu irrsinnig. Statt dessen müßte jetzt endlich die Gelegenheit genutzt werden, den Verzicht in die Wege zu leiten, solange er noch aus freier Entscheidung statt aus äußerer Notwendigkeit erfolgen kann." Schließlich ist noch erwähnenswert, dass Lührmann recht eindeutig ihre Sympathien für den US-Präsidenten Barack Obama und dessen Vision einer offenen und sozialen Gesellschaft bekundet (JF vom 30. Januar 2009): "Obamas Traum ist der bis heute unerfüllte des Martin Luther King von einer selbstverständlichen Solidarität zwischen allen Amerikanern unbesehen der Hautfarbe und des gesellschaftlichen Status, einer Besinnung auf Amerikas 'bessere Engel', auf den Wortlaut (nicht den von der Sklaverei besudelten Geist) seiner Unabhängigkeitserklärung." Wenn man bedenkt, wie stark sich die JF mit der reaktionären "Tea-Party-Bewegung" der USA identifiziert (JF vom 16. April 2010), deren gemeinsames Feindbild Obama ist, wird deutlich, wie exotisch Lührmanns weltanschauliche Position im JF-Milieu anmutet. Stellung der drei Autoren im Machtgefüge der JFObgleich die dargestellten Auffassungen von Harzheim, Kempf und Lührmann den vorherrschenden Dogmen des JF-Milieus deutlich widersprechen: Alle drei Autoren haben eine relativ enge Bindung an das rechte Blatt. Harzheim schreibt seit ein paar Jahren fast wöchentlich für den Kulturteil. Kempf arbeitet bereits seit den 90er Jahren für die JF. Seit etlichen Jahren schreibt er nahezu wöchentlich für das Blatt, wobei sein Steckenpferd insbesondere die Ökologie ist. Im Vergleich zu Harzheim und Kempf verfasst Lührmann wenig Beiträge. Verbunden ist sie der JF vor allem, weil sie für die Schlussredaktion arbeitet. Ihre ersten Artikel für das Blatt schrieb Lührmann in den 90er Jahren. Sie äußert sich zumeist zu kulturellen Themen. Trotz dieser relativ engen Bindung an die JF: Die Bedeutung dieser drei Autoren im ideologischen Machtgefüge der Zeitung ist äußerst gering. Daher werden die Leitartikel des Blatts in der Regel auch von anderen JF-Autoren geschrieben. Würden Leute wie Harzheim, Kempf oder Lührmann den Kurs der JF bestimmen, wäre die Zeitung wohl keine rechte Zeitung mehr. Tatsächlich lassen sich die dokumentierten Aussagen der drei Autoren schwerlich als "rechts" bezeichnen. Selbst das zum Ausdruck kommende ökologische Bewusstsein ist eher der linken Seite des politischen Spektrums zuzuordnen. Aufklärerisches im Stil Karl PoppersWürde der Aufklärer Karl Popper noch leben, hätte er wohl an so mancher Überlegung der drei Autoren seine Freude gehabt (Kritischer Rationalismus, Wahrnehmung der Überbevölkerung als globales Problem, Einsatz für eine offene Gesellschaft). Gleichwohl hat es etwas von einem Kampf auf einem verlorenem Posten, wenn die drei Autoren im JF-Milieu mit aufklärerischen Ideen reüssieren wollen. So gewinnt man bei der Lektüre der JF doch zumeist den Eindruck, dass es das vorrangige Ziel des Blatts ist, durch destruktive Mythen desintegrierend wirken zu wollen. Meines Erachtens orientiert sich die JF vor allem an einer pathologisch anmutenden Sichtweise, die man im mahnenden Gedenken an Popper auch in der Formel "Das ausgebeutete Deutschland und seine Feinde" zusammenfassen kann. Bleibt die Frage, warum die drei Autoren für die JF schreiben. Da die führenden Kräfte der JF gerne ihre angebliche antitotalitäre Ausrichtung betonen, könnte es zumindest sein, dass die drei Autoren annehmen, in dieser vermeintlichen Ausrichtung eine verbindende weltanschauliche Basis zu haben. Der antitotalitäre Konsens der JF ist freilich eine Chimäre, denn maßgebliche Kräfte des Blatts zerstören diesen trügerischen Konsens regelmäßig: Sie verherrlichen die Wehrmacht, die ja bekanntlich das zentrale Machtinstrument des totalitären NS-Staats war. Natürlich ist es auch möglich, dass die drei Autoren schlichtweg aus Pragmatismus für das Blatt schreiben. Mit anderen Worten: Weil sie - aus welchen Gründen auch immer - die Möglichkeit haben, dort zu veröffentlichen, veröffentlichen sie eben dort. Selbstverständlich kann man es kritisieren, dass die drei Autoren ihren Intellekt an die JF und ihr Umfeld verschwenden. Andererseits kann man dem Treiben der drei Autoren vielleicht auch etwas Positives abgewinnen. Denn zumindest erinnern sie jeden JF-Kritiker daran, dass man mitunter selbst in der Wüste einen Schluck Wasser finden kann, wenn man nur lange genug danach sucht. |