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redok   
16.05.2010
Osterholz-Scharmbeck. Ein als "Friedensbotschaft" deklariertes Video haben rechte Verschwörungs-Esoteriker dem Kino-Kassenschlager "Avatar" nachempfunden und ins Internet gestellt. Der mit einigem Aufwand produzierte Film wurde im Rathaus der niedersächsischen Stadt Osterholz-Scharmbeck gedreht.

Vor einer Truppe junger Leute in militärischer Bekleidung lässt sich in dem Video ein mit einer Pistole bewaffneter Offizier in einer Art Einsatzbesprechung über die Lage auf dem Planeten aus, wo "mächtige Interessengruppen" der Bevölkerung Gefahren vorgaukeln würden. Diese Gefahren hätten sie allerdings selbst in die Welt gesetzt, um dadurch "Geld und Macht" zu erlangen. Dabei handele es sich um die "Illuminati". Durch die Glasfassade des Besprechungsraums sieht man außen Hubschrauber aufsteigen, deren Geknatter eine latent bedrohliche Geräuschkulisse schafft.

Als Autor, Regisseur, Musikkomponist und Offiziersdarsteller agiert ein Mann, der seit Jahren als rechter Esoteriker mit verschwörungstheoretischen und antisemitischen Einschlägen bekannt ist: externer LinkJo Conrad darf im eigenen Film das Kommando führen. Auf der Internetseite seines neuen Projekts bewusst.tv wird das Video mit den Worten vorgestellt: "In einer Szene ähnlich der in dem Film 'Avatar' richtet Jo Conrad eine Botschaft an die Hintergrundmächte der Welt." Sogar eine englischsprachige Version des Streifens hat Conrad produziert, die beim Videoportal youtube abrufbar ist.

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Einsatzbesprechung mit Pistole: Das Rathaus von Osterholz-Scharmbeck diente dem rechten Eso-Autor Jo Conrad als Kulisse

Als Tatort des planetarischen Briefings gegen die "Illuminaten" diente ausgerechnet das neue Rathaus der niedersächsischen Stadt Osterholz-Scharmbeck (2003 eingeweiht), das mit seiner Glas- und Stahl-Architektur offenbar gut in die szenische Vorstellung des Rechts-Esoterikers Conrad passte. Conrad ist selbst im Landkreis Osterholz geboren.

Nach Rauswurf beim Geheimkanal weiter im Geschäft

Ob diese "Botschaft an die Hintergrundmächte" mit ihrer wenig originellen Umsetzung als Spielszene bei der einschlägig interessierten Kundschaft ankommt, ist eher fraglich. Der größere Teil des Angebotes an Bewegtbildern auf der Internetseite wird allerdings von abgefilmten Gesprächen mit "Experten" und Eso-Gauklern gestellt. Da wird dann etwa über die "angebliche Vulkanasche" geplauscht oder über den Eso-Dauerbrenner "Gefahren des Elektrosmogs". Ein Gesprächspartner erzählt, wie er "im morphogenetischen Feld lesen" könne.

Doch nicht nur derartig übliche esoterische Themen werden behandelt. Zu Wort kommt beispielsweise ein "Pressesprecher des Zentralrats deutscher Staatsbürger", der mit Conrad "über juristische Fragen der BRD" spricht. Dieser "Zentralrat" ist im Bereich der selbst ernannten externer Link"Kommissarischen Reichsregierungen" angesiedelt und hält die Bundesrepublik Deutschland für ein "Verwaltungsorgan der Alliierten" oder auch ein "Besatzungsorgan in Selbstverwaltung der Alliierten". Als "Angehörige des Völkerrechtsubjekts Staat Deutsches Reich" sehen die "Zentralrats"-Aktiven ihre Aufgabe darin, "den Anspruch des Deutschen Rechts unseres Heimatstaates Deutsches Reich" zu vertreten.

Mit von der Partie bei bewusst.tv ist auch externer LinkMichael Vogt,  der vor allem durch seine Filmproduktion "Geheimakte Heß" bei der extremen Rechten zu einiger Beliebtheit kam. Im September 2007 hatte redok über die Teilnahme Vogts an dem "Rechtsaußen-Gipfel" in Straßburg berichtet. Vogts Aktivitäten führten Anfang November zu einer Debatte an der Universität Leipzig, wo er als Honorarprofessor wirkte. Vogt ließ dort zunächst seine Lehrtätigkeit ruhen und wurde kurz darauf vor die Tür gesetzt.

Seine Karriere externer Linksetzte Vogt zunächst beim Internet-Videoportal secret.tv fort, das vom antisemitischen Verschwörungsautor Jan van Helsing betrieben wurde. Dort war bereits Jo Conrad als Autor und Präsentator tätig. Beide mussten jedoch nach erheblichen Querelen das Helsing-Portal verlassen. Hintergrund für die Konflikte sollen auch die von öffentlicher Aufmerksamkeit begleiteten Aktivitäten von Conrad beim "Fürstentum Germania" gewesen sein, wo Conrad sich bald als eine der Hauptfiguren herausstellte. Nach dem Rauswurf bei secret.tv bauten Conrad und Vogt das eigene Projekt bewusst.tv auf.