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NPD
"Artfremdes Christentum" PDF Drucken E-Mail
redok   
18.05.2010
München. Mit einer harschen Polemik gegen die christliche Religion hat die bayerische NPD den Ökumenischen Kirchentag in München kommentiert. Damit fällt sie allerdings auch der eigenen Bundespartei in den Rücken, die sich in jüngerer Zeit mehrfach um Anschlussfähigkeit an christliche Kreise bemüht hatte.

Eine "lange Geschichte schmählicher Anpassung an Macht und Reichtum" sieht die Bayern-NPD im Christentum. Doch kaum jemals hätten sich christliche Geistliche "von den Mechanismen der Herrschaft derart vereinnahmen lassen, wie heute unter dem totalitären Kapitalismus, der uns in der Maske der liberalen, weltoffenen und toleranten Gesellschaft entgegentritt". Der Grund dafür sei "der gemeinsame geistige Nenner, der zwischen Christentum und Materialismus" bestehe: der Marxismus sei schließlich "säkularisiertes Christentum".

Christentum, Kommunismus und Kapitalismus würden gleichermaßen "in der Natur die Tendenz zur Vereinheitlichung" postulieren, die es tatsächlich jedoch nicht gebe, sondern eine "Tendenz zur Vielfalt, Abgrenzung und Arterhaltung". Das Christentum sei "artfremd"; nötig sei eine "Rückbesinnung auf Europas arteigene Religion". Darüber hinaus seien alle "'Buchreligionen' aus dem Orient" nur "Menschenwerk", das den Europäern gewissermaßen aufgezwungen wurde.

Damit stellt sich die bayerische NPD allerdings gegen Versuche, die Partei wieder ein wenig für Christen zu öffnen. Der seit einiger Zeit inaktive Arbeitskreis "Christen in der NPD" sollte laut Beschluss des Parteivorstandes wiederbelebt werden, wie das NPD-Organ Deutsche Stimme im April vermeldete. Allerdings würden dafür "noch Personalgespräche geführt", hatte es geheißen. Zuletzt war der Arbeitskreis vor Jahren vor allem in Verbindung mit dem ehemaligen NPD-Generalsekretär Peter Marx in Erscheinung getreten.

In einer "Argumentationshilfe für Nationalisten" zum Thema "Minarettbau in der BRD" hatte die Bundes-NPD im Februar den Parteifunktionär Stefan Lux zu Wort kommen lassen, der vom "Toleranzgedanken des Abendlandes" gesprochen und das "christlich-germanische Abendland" beschworen hatte. Auch das parteinahe "Bildungswerk für Heimat und nationale Identität" hatte im April bei einer Tagung im sächsischen Erzgebirge das "Abendland" im Blick, das "auf den Säulen der antiken Philosophie, des römischen Rechts, des europäischen Christentums und der Aufklärung" basiere, so der "Bildungswerk"-Vorsitzende Thorsten Thomsen. Schon im Sommer letzten Jahres hatte der saarländische NPD-Vorsitzende Frank Franz seinem Landesverband eine Parole verpasst, die er von der österreichischen FPÖ abgekupfert hatte: "Abendland in Christenhand". Dieser Slogan wird ansonsten in Deutschland vor allem von der als rechtspopulistisch auftretenden "PRO"-Gruppierung verwendet.