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Neonazis
Kameradschaften tauchen ab PDF Drucken E-Mail
redok   
30.08.2006
München / Berlin. Mehrere neonazistische Kameradschaften in Bayern und Brandenburg haben ihre Auflösung erklärt. Als Hintergrund werden drohende Verbote der Gruppen angenommen. Bereits verbotene Gruppen organisieren sich neu.

In einem Neonazi-Internetforum erklärte der führende Kopf des "Freien Widerstand Süd" (FW Süd), Hayo Klettenhofer, dieses Netzwerk von rechtsextremen Gruppen in Baden-Württemberg und Bayern habe sich "mit sofortiger Wirkung aufgelöst" und stelle "sämtliche Aktivitäten ein". Klettenhofer hatte den FW Süd erst vor einem Jahr zusammen mit Philipp Hasselbach aus der Taufe gehoben. Vor allem sogenannte "Autonome Nationalisten" sammelten sich in diesem süddeutschen Netzwerk lokaler Gruppen in München, Augsburg, Ulm, Schwabach, Heidenheim, Karlsruhe und Friedrichshafen.

Im Februar 2006 ließen sich Klettenhofer und Hasselbach in den bayerischen Landesvorstand der "Jungen Nationaldemokraten" (JN, Jugendorganisation der NPD) wählen; ihr Vertrauter Mike Nwaiser war bereits zuvor Bundesorganisationsleiter der JN geworden. Schon am 30.04. wurden Klettenhofer und Hasselbach jedoch wieder aus dem Landesvorstand geworfen, der von ihrem ehemaligen Mitstreiter und jetzigem Konkurrenten Norman Bordin übernommen wurde.

In der Ankündigung hieß es, man sei zu dem Schluss gekommen, "dass der Widerstand keine Namen und Organisationen braucht"; die Auflösung sei "ein Fort- und kein Rückschritt". Diskussionen in einschlägigen Internetforen weisen darauf hin, dass die Münchner Neonazis mit der Auflösung einem Organisationsverbot des "FW Süd" zuvorkommen wollten.

Für die "Rudolf-Heß-Aktionswochen" hatte der "FW Süd" vor kurzem eine eigene Internetdomain eingerichtet, die jedoch vom Internetprovider gesperrt wurde. Bei der Stamm-Website des "FW Süd" wurde zwar die Eingangsseite entfernt, die darunterliegenden Seiten und die Internetdomain bestehen jedoch weiter. Auch die lokalen Gruppen wurden offenbar nicht aufgelöst.

Im Süden Brandenburgs haben sich in den vergangenen Tagen zwei Gruppen aufgelöst: die in Guben ansässige "Lausitzer Front" und der "Sturm Cottbus". Die "Verfolgung organisierter Widerstandsgruppen" würde "neue Widerstandsformen" nötig machen, heißt es in einer Erklärung der "Lausitzer Front". Der "Sturm Cottbus" teilte auf seiner Webseite mit, dass er ab sofort sämtliche Aktivitäten einstellen werde. Gründe wurden nicht genannt; "wer spekulieren will, soll dies machen", hieß es lapidar.

In Berlin waren bereits 2005 die "Kameradschaft Tor" (KS Tor) und die "Berliner-Alternative-Süd-Ost" (Baso) verboten worden. Der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) teilte am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses mit, es gebe Anzeichen, dass die KS Tor weiter betrieben werde. Gegen Mitglieder der verbotenen Kameradschaft werde strafrechtlich ermittelt.

Die Mitglieder der "Baso" seien teilweise in andere Organisationen wie die NPD gewechselt, so Körting. Die Partei habe in Berlin drei neue Kreisverbände aufgestellt und unterhalte zudem stärker als früher gute Kontakte zu "aktionsorientierten Neonazis".