start arrow report arrow Urteil gegen Neonazi-Band "Landser"
Neonazis
Urteil gegen Neonazi-Band "Landser" PDF Drucken E-Mail
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23.12.2003
Berlin. Das Berliner Kammergericht hat in einem Musterprozess die drei Musiker der Neonazi-Band "Landser" wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und Propagandadelikten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Bandleader Michael Regener (38) muss als Rädelsführer für drei Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Die beiden Mitangeklagten, der Bassist und der Schlagzeuger der Gruppe, erhielten je ein Jahr und neun Monate Haft, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Außerdem müssen alle drei eine Geldstrafe bezahlen und gemeinnützige Arbeit leisten.

Strafmildernd habe sich im Falle der beiden Mitangeklagten Andre Mörike (35) und Christian Wendorff (28) ausgewirkt, dass sie zur Aufklärung beigetragen, sich von ihrem kriminellen Tun gelöst und ihre Tat bereut hätten. Die Angeklagten hörten sich den Urteilsspruch mit verschränkten Armen an.

Das Gericht stellte in seiner Urteilsbegründung fest, dass die Musiker mit ihren in der Zeit von 1993 bis 2001 produzierten CDs Hass und Gewalt gegen Ausländer, Juden und anders Denkende geschürt habe. In den Texten wurde zur Vergiftung des Kreuzberger Trinkwassers sowie zum Sturm auf den Bundestag aufgerufen und Jesus als "Judenschwein" bezeichnet. Die gemeinnützige Arbeit sollen die Neonazis nach dem Willen des Gerichts in jüdischen und migrantischen Vereinen ableisten.

Das Berliner Gericht hat mit seiner Entscheidung erstmals eine Neonazi- Band als kriminelle Vereinigung eingestuft. Bundesanwalt Joachim Lampe nannte das Urteil richtungsweisend. Das gebe der Kriminalpolizei in Zukunft bessere Möglichkeiten des Zugriffs und der Aufklärung rechtsextremistischer Straftaten. Auch Richter Wolfgang Weißbrodt bezeichnete den Prozess als Novum.

Die Band ging aus der DDR-Neonazi-Gruppe "Die Vandalen - Ariogermanische Kampfgemeinschaft" hervor und agierte hochgradig konspirativ. Lediglich ein Live-Auftritt wurde bekannt. Dabei traten die Musiker mit Wollmasken vermummt auf. Der Vertrieb der im Ausland produzierten CDs erfolgte vor allem über das Internet. Innerhalb der rechtsextremen Skinhead-Szene genießt die Band mit ihren hasserfüllten und unverhohlen zu Gewalt aufrufenden Texten Kultstatus. Im August 1999 hatten sieben Neonazis zwei Vietnamesen fast totgetreten und dabei den Landser-Refrain "Fidschi, Fidschi, Gute Reise" skandiert. Die Bundesanwaltschaft hatte die Ermittlungen gegen die "Terroristen mit E-Gitarre", wie sich das "Landser"-Trio gerne selbst bezeichnete, aufgrund dieser Gewalttat vor fast vier Jahren eingeleitet.