| Neonazis | |||
| Neonazis feiern Wintersonnwend auf Roeders "Reichshof" |
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| ir | |
| 27.12.2003 | |
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Schwarzenborn. Während der Rechtsextremist Manfred Roeder seine Haftstrafe abbüßt, feierten Neonazis aus dem ganzen Bundesgebiet am 20. Dezember auf seinem Anwesen "Haus Richberg auf dem Knüll" im hessischen Schwarzenborn das neoheidnische Julfest zur Wintersonnenwende. Sein Anwesen nennt Roeder "Reichshof" und nutzt dieses seit Jahren schon als Treffpunkt und für Schulungen der neonazistischen Szene.
Gerhard Ittner von der Nürnberger Neonazigruppe "Bürgerinitiative Ausländerstopp" nahm schon zum wiederholten Male an einer solchen Veranstaltung teil. In einem Rundbrief dokumentiert er die verfassungsfeindlichen Ziele dieser Treffen klar und unmissverständlich. Thema des "Heimabends zur Wintersonnwende" sei "Das Deutsche Reich" gewesen. Die Grußbotschaft des in "Gesinnungshaft dieses verbrecherisch reichsverfassungsfeindlichen, illegalen 'BRD'-Regimes" einsitzenden Roeders wurde, so Ittner, von Sina Reichenbach als "Leiterin der Heimabende" verlesen. Danach habe Roeder Folgendes mitgeteilt: "Die Knechtschaft dauert nicht mehr lang - das Blatt wird sich wenden! Dann wird abgerechnet werden mit allen hochverräterischen, besatzerknechtischen 'BRD'-Regime-Verbrechern - nach Reichsrecht vor dem Reichsgericht!" Hauptvortragsredner des Heimabends war Ittner zufolge Uwe Bradler aus Magdeburg, selbsternannter "Ministerialdirektor" der "Kommissarischen Reichsregierung" (KRR) in Berlin. Bradlers Verein erfuhr mehrfach schon mit seinen selbst ausgestellten Dokumenten und Ausweisen, versehen mit einem Stempel der "Reichsregierung", die Aufmerksamkeit der Presse. Der obskure Verein dokumentiert auf seinen Webseiten mehrere Gerichtsverfahren, in denen sich Mitglieder mit Ausweispapieren des "Deutschen Reiches" auswiesen und eine Zuständigkeit der bundesdeutschen Gerichtsbarkeit zu verneinen versuchten. Als weitere Teilnehmer nennt Ittner Yvonne Mädel aus Meiningen und Hartmut Wostupatsch, Würzburg, ehemaliger Kader der verbotenen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationaler Aktivisten ANS/NA. Den musikalischen Teil habe Liedermacher Manuel Zieber aus Sachsen-Anhalt bestritten. "Mehr als einmal" durfte Zieber dabei sein "zünftiges Lied vom 'Holocaust' auf vielfachen Wunsch und unter schallendem Gelächter .. zum Besten geben", schreibt Ittner. Wostupatsch habe "Zitate aus dem Talmud" verlesen, welche "die ganze Abscheulichkeit jener Judenreligion" belegten. Der Talmud, so habe Wostupatsch behauptet, verherrliche "den Völkermord, den Betrug, den Schacher", preise "die Lüge" und stelle "selbst den sexuellen Missbrauch dreijähriger Kinder als gottgefällig" hin. Außerdem hätten "zwei Vertreter der Schriftleitung des Heimatschutz-Netzwerks" teilgenommen. Es handelt sich hier um eine Website, die Plattform der neonazistischen Anti-Antifa-Gruppe "Thüringer Heimatschutz" ist und daneben der Vernetzung der sogenannten "Freien Kameradschaften" mit neonazistischen Organisationen und Parteien dient. Ittner berichtet auch, dass Teilnehmer aus dem "Gau Thüringen" am stärksten vertreten waren. Bei den angeblichen Talmud-Zitaten handelt es sich um dilettantische Fälschungen, die mit dem Talmud und der jüdischen Ethik nichts zu tun haben und die dennoch in Europa seit Jahrhunderten schon kursieren. Diese Schriften erlebten während der NS-Zeit ihre Hochkonjunktur, denn sie wurden gezielt vom Nazi-Propagandaapparat zur Aufstachelung von Hass gegen Juden eingesetzt. Ungeachtet aller akribisch belegten wissenschaftlichen Widerlegungen und zahlreicher gerichtlicher Auseinandersetzungen werden diese Schriften von Antisemiten in aller Welt auch heute noch als "authentische Dokumente" gehandelt. Ursprünglich vor allem Instrument des christlichen Antijudaismus, geraten die Talmud-Fälschungen bei Neonazis zu Angriffen gegen das "artfremde" Christentum: "Hartmut Wostupatsch gab in gewohnt gekonnter, ebenso treffsicherer wie der ihm eigenen humorvollen Art und Weise einen Überblick über das Wesen und den Sinn des Julfestes; sowie über die Widerwärtigkeiten der unserer germanischen Artseele völlig fremden, abstoßenden vorderorientalischen Wüstenreligion des Mosaismus und ihrem Ableger für Nichtjuden, Hobbyjuden und Judenknechte: dem Christentum." |