start arrow report arrow Mobilmachung gegen den Nürnberger Prozess
Rechtsextremisten / Revisionismus
Mobilmachung gegen den Nürnberger Prozess PDF Drucken E-Mail
redok   
06.10.2006
Nürnberg/München. Die extreme Rechte macht in den kommenden Tagen zur Verteidigung der NS-Verbrecher mobil, die vor 60 Jahren im Nürnberger Prozess verurteilt worden waren. Anlässlich des Jahrestages des Urteils wollen Neonazis und NPD in Nürnberg demonstrieren, in München wollen Rechtsextreme in einem Innenstadthotel eine revisionistische Großveranstaltung durchführen.

Die Demonstration unter dem Motto "Recht statt Rache - Revision der Nürnberger Prozesse" am 14. Oktober in Nürnberg wird organisiert von Christian Malcoci, einem Neonazi aus Grevenbroich (Nordrhein-Westfalen); unterstützt wird sie von bayerischen NPD-Gliederungen. Malcoci war Kader der NSDAP/AO (NSDAP-Aufbauorganisation), der ANS/NA um Michael Kühnen und der verbotenen FAP (Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei). Malcoci ist auch Funktionär der niederländischen NVU (Nederlandse Volks-Unie, Niederländische Volksunion).

In der deutschen Szene gehört Malcoci zu den parteiunabhängigen Neonazis, praktiziert aber eine enge Zusammenarbeit mit der NPD. Bei der Landtagswahl 2005 in NRW hatte er auf Platz acht der NPD-Landesliste kandidiert.

Bereits am kommenden Sonntag (08.10.) soll im Münchner Hotel "Eden-Wolff" eine externer Linkrevisionistische Großveranstaltung stattfinden, die von einem sogenannten "kulturpolitischen Arbeitskreis München" (KuPo) organisiert wird. Hinter diesem Arbeitskreis steht der Münchner Carsten Beck, früherer "Stützpunktleiter München" der "Jungen Nationaldemokraten" (JN). Beck betreibt einen "Veritas-Versand" und ist treibende Kraft der rechtsextremen Sammlungsbewegung "Pro München e. V.", mit der er 2008 in München zu den Kommunalwahlen antreten will.

Auf dem Programm stehen ein Grußwort des rechtsextremen Verlegers Gert Sudholt (Inning am Ammersee) und der Film "Death by hanging - Tod durch den Strang" von Dr. Olaf Rose und Prof. Michael Vogt. Rose und Vogt arbeiten bereits seit längerem an geschichtsrevisionistischen Videoprojekten zusammen, so etwa bei dem Film "Geheimakte Heß". Rose ist seit dem heutigen Tag als "Parlamentarischer Berater" der NPD-Landtagsfraktion Sachsen tätig; Vogt gehört der extrem rechten Münchner Burschenschaft Danubia an und arbeitet als Honorarprofessor an der Uni Leipzig.

Zu der Münchner Veranstaltung hat Gerd Sudholt ein Sonderheft seiner Zeitschrift "Deutsche Geschichte" herausgegeben, in dem Rose über den Nürnberger Prozess schrieb, er sei von "blühender rechtsschöpfender Phantasie der 'Siegermächte'" getragen gewesen. Sudholt selbst schrieb von "Schauprozessen", mit denen das "deutsche Volk politisch am Boden gehalten", "wirtschaftlich erpreßt und ihm das geistige Rückgrat gebrochen" werde.

Ein Sprecher des Münchner A.I.D.A.-Archivs sagte, mit der Veranstaltung glorifiziere "die extreme Rechte in München erneut den Nationalsozialismus" und nannte es einen "Skandal, dass das Münchner 'Eden-Wolff'-Hotel am Hauptbahnhof seine Räume wieder für eine neonazistischeVeranstaltung zur Verfügung stellt". In dem Hotel hatte nach Angaben von A.I.D.A. bereits im Februar 2005 eine extrem rechte "Winterakademie" einer "Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung" mit dem Geschichtsrevisionisten Gerd Schultze-Rhonhof stattgefunden.


Korrektur vom 04.12.2006

In einer früheren Version dieses Artikels hatte es geheißen:

Vogt gehört der extrem rechten Münchner Burschenschaft Danubia an und arbeitet als Professor an der privaten Macromedia-Fachhochschule (München) sowie als Honorarprofessor an der Uni Leipzig.

Die Information über eine Beschäftigung von Michael Vogt als Professor an der Macromedia-Fachhochschule beruhte auf missverständlichen Quellen und Unterlagen. Freundlicherweise hat uns die Macromedia Fachhochschule der Medien detailliert über die Sachlage unterrichtet.

Michael Vogt war und ist nicht an der Macromedia Fachhochschule der Medien beschäftigt, die seit März 2006 als private Fachhochschule anerkannt ist und zum Wintersemester 2006/2007 den Lehrbetrieb aufgenommen hat. Vogt ist derzeit noch als freier Dozent im Rahmen eines Studienganges tätig, der in einer zum Ende des Sommersemesters 2007 auslaufenden Kooperation mit der Hochschule Mittweida (FH) teilweise an der Macromedia Akademie der Medien durchgeführt wird. Diese Macromedia Akademie der Medien besteht seit 1993 und ist nicht identisch mit der oben genannten Macromedia Fachhochschule der Medien. Nach Auskunft der Macromedia Akademie der Medien wird die Zusammenarbeit mit Michael Vogt derzeit überprüft. Die Macromedia Fachhochschule betont, dass sie "in keiner Weise rechtsextreme Veranstaltungen in welcher Form auch immer unterstützt und sich klar von geschichtsrevisionistischen Darstellungen des Dritten Reichs distanziert".