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NPD / Neonazis / Revisionismus
Nazis blieben in Nürnberg stehen PDF Drucken E-Mail
redok   
14.10.2006
Nürnberg/Hamburg/Chemnitz. Der als "zentrale Demonstration freier Kräfte" angekündigte Aufmarsch in Nürnberg kam nicht von der Stelle. Die 200 Neonazis, die sich vor allem aus NPD-Kreisen rekrutierten, mussten nach einer Standkundgebung wegen des starken Protestes von mehr als 5.000 Gegendemonstranten unverrichteter Dinge wieder abziehen. In Hamburg und Chemnitz protestierten heute ebenfalls Tausende gegen Neonazis.

Die Nürnberger Demonstration gegen die Nürnberger Prozesse war von Christian Malcoci aus Grevenbroich (Nordrhein-Westfalen) organisiert worden; einen Lautsprecherwagen hatten die Neonazis aus Dortmund in die fränkische Stadt mitgebracht. Zunächst hatten nur lokale NPD-Verbände die Veranstaltung unterstützt; erst vor wenigen Tagen hatte NPD-Prominenz ihr Erscheinen angesagt.

Die Neonazis versammelten sich vor dem Nürnberger Justiz-Palast, in dessen externer LinkSaal 600 vor 60 Jahren das Urteil im externer LinkNürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher gesprochen wurde. Bei der Auftaktkundgebung, die mit einer Stunde Verspätung begann, sprachen zunächst Neonazis aus Nordrhein-Westfalen: Daniela Wegener (Bochum), die eine führende Rolle bei den "Freien Kameradschaften" in NRW spielt und bei der NRW-Landtagswahl im Mai 2005 auf der NPD-Landesliste kandidiert hatte; Sven Skoda ("Kameradschaft Düsseldorf") und der Veranstalter Christian Malcoci. Weitere Redner waren der bayerische Vorsitzende der "Jungen Nationaldemokraten" (JN) Norman Bordin, der hessische NPD-Landesvorsitzende Marcel Wöll, Bundes-NPD-Chef Udo Voigt und der erst kürzlich in die NPD eingetretene Hamburger Neonazi Jürgen Rieger.

Gegen die Nazi-Veranstaltung richteten sich am Vormittag eine linke Gegendemonstration in der Nähe des Justizpalastes und eine Kundgebung am Mittag in der Innenstadt, zu der Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, IHK und zahlreiche weitere gesellschaftliche Gruppen aufgerufen hatten.

Der zunächst angekündigte bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) hatte seine Teilnahme an dieser Kundgebung kurzfristig abgesagt. Der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) sagte: "Nürnberg darf nie wieder ein Synonym für Rassismus sein." Wer die Urteile der Nürnberger Prozesse anzweifle, der leugne letztlich die Taten der Nazis und verhöhne die Opfer. "Das werden wir nicht zulassen."

Unerwartet für die Kundgebungsteilnehmer und auch für die eingesetzten Polizeikräfte rief Maly dann dazu auf, mit U-Bahn-Sonderzügen zur Maximilianstraße nahe des Justizpalastes zu fahren, um an Ort und Stelle gegen die Rechtsextremen zu demonstrieren. Die Neonazis wurden von der plötzlichen Präsenz Tausender Gegendemonstranten überrascht. Die Polizei riegelte die beiden Gruppen voneinander ab; der Umzug der Neonazis fiel dadurch jedoch ins Wasser. Sie mussten den von Gegendemonstranten umlagerten Ort mit der U-Bahn verlassen.

Im Hamburger Stadtteil Wandsbek hatte die NPD unter dem Motto "Nationale Arbeitsplätze statt internationaler Profite" zu einer Demonstration aufgerufen. Mit Unterstützung sogenannter "freier Kräfte" marschierten dort etwa 180 Neonazis. Gegen den Aufzug protestierten 1.500 Gegendemonstranten.

Rund tausend Teilnehmer gingen in Chemnitz unter dem Motto "Schöner leben ohne Naziläden" auf die Straße. 200 bis 300 Neonazis kamen ebenfalls in die Stadt; es blieb jedoch nach Angaben der Polizei bei vereinzelten Störversuchen gegen die Anti-Nazi-Kundgebung.