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Neue Zürcher Zeitung
Im Blätterwald vom 01.12.2006 PDF Drucken E-Mail
redok   
01.12.2006
Heute aufgelesen: Ein Porträt von Großvater, Vater, Sohn: drei prominente Vertreter des polnischen Nationalismus, von denen Vater und Sohn heute wichtige Positionen in der Politik einnehmen. Gemeinsam ist den dreien der Katholizismus, der Antieuropäismus sowie Verschwörungstheorien.

Den Abriss einer politischen Familien-Biographie gibt Ulrich M. Schmid in der externer LinkNeuen Zürcher Zeitung. Der Großvater war Jedrzej Giertych (1903-1992), der Vater ist Maciej Giertych (geb. 1936), der Sohn ist Roman Giertych (geb. 1971). Jedrzej bereiste 1936 Hitlers Staat und empfand gemischte Gefühle: zwar könne der "Erbfeind Deutschland Polen in jedem Augenblick überfallen", andererseits habe Hitler seine Heimat "entjudet" und damit "die beiden Hauptfeinde Polens, die Deutschen und die Juden, getrennt". Maciej ist Abgeordneter für die "Liga der polnischen Familien" im Europaparlament und setzt sich vor allem gegen das angebliche deutsche Hegemonialstreben in Europa und für traditionelle Familienwerte ein. Ins Gespräch kam er jetzt durch seine Assistentin, die in einem Video als Teilnehmerin einer Nazi-Party zu sehen ist. Roman ist der amtierende polnische Bildungsminister; die von ihm geförderte Organisation "Allpolnische Jugend" unterhält Kontakte zur Neonazi-Szene des Landes. Alle drei Giertychs, meint Ulrich M. Schmid, haben eines gemeinsam: "Im Zentrum des politischen Denkens der Giertychs stehen der Katholizismus, der Antieuropäismus und Verschwörungstheorien." Beim Großvater waren diese Verschwörungstheorien offen antisemitisch, beim anti-europäischen Vater sind die Freimaurer die Bedrohung für Polen, beim Sohn drücken sich die Ängste in einer radikalen Homophobie aus.