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NPD / Neonazis
Friedhelm Busse in die NPD aufgenommen PDF Drucken E-Mail
redok   
23.10.2006
München. Friedhelm Busse, einer der "dienstältesten" deutschen Nazi-Aktivisten und Ex-Chef der verbotenen FAP, ist in die NPD eingetreten. Bei einer Parteiveranstaltung in Niederbayern überreichte NPD-Chef Udo Voigt dem vielfach vorbestraften 77jährigen den Mitgliedsausweis.

200 Anhänger waren nach Angaben der NPD Niederbayern am vergangenen Freitag (20.10.) in das NPD-Stammlokal "Rettenbacher Stub´n" im Deggendorfer Ortsteil Rettenbach gekommen, um die angekündigten Redner Voigt und Busse zu sehen. Vor versammelter Truppe übergab Voigt den NPD-Mitgliedsausweis an Busse und schwor das Publikum auf das Ziel ein, die NPD im Jahre 2008 in den bayerischen Landtag zu bringen.

Busse ist zwar zur Zeit offiziell immer noch in Haft, die aber wegen seiner schweren Krebserkrankung unterbrochen ist. Diese Haftunterbrechung nutzt Busse seit Monaten, um bei NPD-Veranstaltungen als Redner aufzutreten. Bei der extremen Rechten inner- und außerhalb der NPD ist Busse eine durchweg geschätzte und respektierte Symbolfigur. Nach dem Eintritt von Jürgen Rieger hat sich die NPD jetzt mit Busse weiter auf dem offen neonazistischen Flügel verstärkt.

Zu dieser letzten - und noch nicht komplett abgesessenen - Haftstrafe von 28 Monaten wurde Busse wegen Volksverhetzung und Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole verurteilt. Busse hatte auf Kundgebungen in Essen und Karlsruhe im Jahre 2001 gesagt: "Wenn Deutschland judenfrei ist, brauchen wir kein Auschwitz mehr" und hatte die Wiedereinsetzung der NS-Diktatur gefordert. Seine erste Verurteilung bekam er bereits 1953 wegen Freiheitsberaubung; später kamen Strafen wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz, Volksverhetzung, Sprengstoffbesitz und Mitwisserschaft eines Banküberfalls sowie Weiterführung der verbotenen ANS/NA hinzu.

Busse war bereits früher seit 1969 schon einmal NPD-Mitglied und gehörte dem radikalen Flügel an, der gegen die damalige Parteispitze opponierte. 1971 wurde er ausgeschlossen und gründete die "Volkssozialistische Bewegung Deutschlands", die 1982 verboten wurde. Später trat er in die "Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei" (FAP) ein, deren Vorsitzender er 1988 wurde. Die FAP wurde im Februar 1995 verboten. Seitdem trat Busse vor allem als Kundgebungs- und Veranstaltungsredner bei NPD wie auch parteiunabhängigen Neonazis auf; daneben gab er Mitteilungsblättchen heraus und betrieb ein "Nationales Infotelefon Bayern".

Aus der Haft in der JVA Bernau hatte Busse, der schon von seiner Krankheit gezeichnet war, im Februar 2004 einen "Rundbrief an Kameradinnen und Kameraden des Nationalen Widerstandes in Bayern" gerichtet, in dem er den damaligen Kameradschafts-Führer Norman Bordin als eine Art "Kronprinz" empfahl. Busse hatte Bordin im Gefängnis kennen gelernt, wo Bordin eine 15monatige Haftstrafe absaß. Im Januar 2001 war Bordin anlässlich des Überfalls von Neonazi-Skinheads auf einen Münchner Bürger griechischer Herkunft festgenommen worden, bei dem der Angegriffene fast zu Tode geprügelt worden war. Daran anschließend attackierte Bordin in der Haftzelle einen anderen Gefangenen; wegen versuchter Körperverletzung im Zusammenhang mit dem Überfall und vollendeter Körperverletzung im Zusammenhang mit der Tätlichkeit gegen den Mitgefangenen sowie wegen Beleidigung wurde er im März 2002 zu einer Gefängnisstrafe von 15 Monaten verurteilt. Bordin besitze sein "vollstes Vertrauen", schrieb Busse, daher erging sein Auftrag, "meinen Platz in der Führung des Nationalen Widerstandes einzunehmen".

Aus der Gefängniszelle bekam Bordin dazu noch die Anweisung, "engen Kontakt mit der einzigen Nationalen außerparlamentarischen Opposition, der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD)" zu halten, die "als Phalanx des nationalen Befreiungskampfes eines Tages die Mitverantwortung für die Gestaltung unseres künftigen Staates tragen wird". Tatsächlich trat Bordin im Oktober 2004 in die NPD ein; mittlerweile ist er Mitglied des bayerischen NPD-Landesvorstandes und Landesvorsitzender der Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN).