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Neonazi-Führer Bordin in die NPD eingetreten PDF Drucken E-Mail
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25.10.2004
München. Mit Norman Bordin ist ein weiterer hochrangiger Neonazi in die NPD eingetreten, wie das ARD-Magazin Report Mainz in seiner heutigen Sendung berichtet. Bordin ist bereits seit dem 29. September 2004 Mitglied der NPD und ergänzt somit die von der NPD ausgerufene "Volksfront von Rechts".

Bayerns Innenminister Günther Beckstein, CSU, nennt Norman Bordin in der Sendung einen "gewaltbereiten Menschen, der auch Reden führt, die eindeutig andere Menschen dazu bringen können, Gewalt für berechtigt zu halten." In bezug auf die neue Strategie der NPD, Neonazis aus den sogenannten "Freien Kameradschaften" in die Partei aufzunehmen, warnt Beckstein vor einer Unterwanderung der NPD durch gewaltbereite Kräfte. Beckstein sagte weiter: "Wenn die NPD gewaltbereite Leute in ihre Organisation aufnimmt, dann sind die nach wie vor gefährlich, weil sie Aktionen planen könnten - unter dem Deckmantel der NPD."

Im Internet fordert Bordin laut der Pressemitteilung von Report Mainz weitere "revolutionäre Kräfte" auf, in die Partei einzutreten. Bordin wörtlich: "Es ist doch das, wovor dieses System Angst hat. Eine legale Struktur, welche praktisch 'unverbietbar' ist."

Norman Bordin zählte zum Umfeld des mutmaßlichen Rechtsterroristen Martin Wiese. Wiese war Nachfolger von Bordin als Führer des "Aktionsbüros Süd" oder auch "Kameradschaft Süd". Gegen Wiese hat der Generalbundesanwalt Anklage erhoben wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Wiese soll als Anführer einen Anschlag auf die Grundsteinlegung des jüdischen Gemeindezentrums in München geplant haben.

Bordin wurde mehrfach unter anderem wegen Körperverletzung verurteilt. Im Januar 2001 wurde er anlässlich des Überfalls von Neonazi-Skinheads auf einen Münchner Bürger griechischer Herkunft festgenommen, bei dem der Angegriffene fast zu Tode geprügelt worden war. In der Haftzelle attackierte Bordin einen anderen Gefangenen; wegen versuchter Körperverletzung im Zusammenhang mit dem Überfall und vollendeter Körperverletzung im Zusammenhang mit der Tätlichkeit gegen den Mitgefangenen sowie wegen Beleidigung wurde er im März 2002 zu einer Gefängnisstrafe von 15 Monaten verurteilt.

Die Orientierung von Bordin zur NPD zeichnete sich schon seit einiger Zeit ab. Noch vor einigen Monaten war Bordin als "Stützpunktleiter" des "Kampfbundes Deutscher Sozialisten" (KDS) in München aufgetreten. Dieser KDS-Stützpunkt München hatte seine Webseiten unter dem Dach des "Nationalen Widerstand Süddeutschland" in das Internet gestellt. Unter diesem Dach erscheinen weiterhin das "Aktionsbüro Süd" und das "Nationale Infotelefon (NIT) Süddeutschland"; die Präsentation des KDS ist jedoch bereits vor mehreren Wochen gelöscht worden. Die Internet-Domain ist auf den Namen Bordins angemeldet; bis vor wenigen Wochen hatte Bordin als Adresse noch die Anschrift der Justizvollzugsanstalt Bernau am Chiemsee angegeben, wo er seine Haftstrafe wegen der Körperverletzung abgesessen hatte. Statt der Propagierung des KDS hatte die Webseite des "Nationalen Widerstand Süddeutschland" zunehmend die NPD ins Spiel gebracht. Bereits am 23. August hatte das "Aktionsbüro Süd" mit einer NPD-Fahne vor der Münchner Feldherrenhalle demonstriert; am 27. September veröffentlichte die NPD auf ihrer Webseite einen Bericht von Norman Bordin über eine "Montagsdemonstration" der Neonazis in München.

Bereits am 11. September waren mit Thomas "Steiner" Wulff, Thorsten Heise und Ralph Tegethoff bekannte Figuren der "Freien Kameradschaften" in die NPD eingetreten; Mitte Oktober wurde der Parteieintritt von Michael Regener ("Lunikoff") bekannt, dem Sänger der als kriminelle Vereinigung verbotenen Rechtsrock-Gruppe "Landser". Der Eintritt von Bordin markiert einen weiteren Schritt der NPD bei der Öffnung für gewalttätige neonazistische Gruppen.