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| 3.800 Neonazis marschieren in Wunsiedel - Morddrohungen gegen "Antifa" |
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| ir | |
| 21.08.2004 | |
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Wunsiedel. 3.800 Neonazis marschierten heute nach Angaben der Polizei durch Wunsiedel, um den "Führer-Stellvertreter" Rudolf Heß zu feiern. An einer Sitzblockade von Gegendemonstranten beteiligte sich auch der Bürgermeister der oberfränkischen Stadt Karl-Willi Beck (CSU). 400 Menschen protestierten gegen den Aufmarsch, der sich in den letzten Jahren zum Treffpunkt von Neonazis aus ganz Europa entwickelt hat.
Die Polizei hatte im Laufe des Tages 74 Neonazis vorläufig festgenommen, vor allem wegen Mitführens von Waffen, Vermummung sowie Tragens verbotener Nazi-Symbole wie Hakenkreuze. Als Aktionen gegen den Nazi-Aufmarsch gab es neben einem Protestmarsch und einer Kundgebung einen ökumenischen Gottesdienst und eine von der "Jugendinitiative gegen Rechtsextremismus" organisierte Ausstellung zu den Gräueltaten des NS-Regimes. Die Sitzblockade vor dem Landratsamt wurde laut einem Polizeisprecher nach rund 15 Minuten von den Beamten friedlich aufgelöst. Nach eigenen Angaben auf der Webseite der Heß-Marsch-Organisatoren störte eine Gruppe von Neonazis massiv den ökumenischen Gottesdienst; die Polizei nahm laut diesem Bericht eine Reihe der Störer fest. An dem Heß-Gedenkmarsch beteiligten sich wie in den Vorjahren vor allem sogenannte "freie Kameradschaften" und die NPD. Ebenfalls nach eigenen Angaben der Organisatoren nahmen an dem Neonazi-Marsch Delegationen aus den Niederlanden, Italien, der Slowakei, Dänemark, Schweiz, Flandern und Russland teil. Die Teilnehmerzahl wurde von den Organisatoren mit "über 7.000" angegeben. Damit zeigt sich trotz der niedrigeren Angaben der Polizei eine deutliche Steigerung gegenüber den Vorjahren (nach Presseberichten: 800 in 2001, 2.500 in 2002, 2.600 in 2003; nach Eigenangaben der Neonazis: knapp 1.000 in 2001, 2.600 in 2002, 4.000 in 2003). Der Hamburger rechtsextreme Anwalt Jürgen Rieger, der in den vergangen Jahren die Hess-Aufmärsche angemeldet hatte, hat derartige Demonstrationen bereits bis zum Jahr 2010 im voraus angemeldet. Nach einer Mitteilung im Internetportal indymedia sollen sogenannte "Autonome Antifaschisten" außerhalb von Wunsiedel einen Polizei-Kontrollpunkt vorgetäuscht und zahlreiche Autos von Neonazis zur Umkehr gezwungen haben. Sieben Insassen eines Kleinbusses sollen demnach von den sogenannten "Antifa" verprügelt und der Wagen in Brand gesteckt worden sein. Das Neonazi-Internetportal "Störtebeker" erklärte zu dieser angeblichen "Antifa"-Aktion: "Hier hilft nur Sonderbehandlung á la Potzlow."
Damit ist offensichtlich der Mord an dem 16jährigen Marinus S. vor zwei Jahren im brandenburgischen Potzlow gemeint. Das Opfer war von seinen Mördern nach dem Vorbild des Spielfilms "American History X" gezwungen worden, in die Kante eines Steintroges zu beißen; anschließend sprang der damals 17jährige Haupttäter dem Opfer mit seinen Springerstiefeln auf den Kopf und tötete ihn dadurch. Das Portal "Störtebeker" wird von dem Stralsunder Axel Möller betrieben, der Mitglied der Republikaner und der NPD war und sich als "freier Nationalist" bezeichnet. Der Server mit den "Störtebeker"-Webseiten wird in den USA von David Duke betrieben, dem früheren "Grand Wizard" des Ku-Klux-Klan. |