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Neonazi-Konzerte in Kirtorf (Hessen) bleiben verboten PDF Drucken E-Mail
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20.09.2004
Kirtorf. Ein überregional für den vergangenen Samstag angekündigtes Neonazi-Konzert in Kirtorf im Vogelsbergkreis ist an den Gerichten gescheitert. Anfang September hatte das Kreisbauamt ein Nutzungsverbot für den Veranstaltungsraum erlassen; das Verbot wurde vom Verwaltungsgericht Gießen und vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel bestätigt.

Auch eine als "spontan angekündigte Protestveranstaltung", bei der am Samstag die für das verbotene Konzert vorgesehenen Skinhead-Bands auftreten sollten, wurde umgehend vom Landratsamt verboten. Der Verbotsbeschluss des Verwaltungsgerichtshofs gilt auch für mögliche künftige Veranstaltungen dieser Art.

Veranstalter der bisherigen Konzerte war die Neonazi-Truppe "Kameradschaft Berserker Kirtorf", die am Samstag unter anderem die Rechtsrock-Band "Gegenschlag" auftreten lassen wollte. Bereits seit zwölf Jahren finden im umgebauten Schweinestall des Kirtorfer Landwirts Bertram Köhler (41) Skinhead-Konzerte und Versammlungen statt, zu denen sich bis zu 200 Personen einfanden. Die Gemeindevertreter sahen keine Möglichkeit, die neonazistischen Umtriebe zu unterbinden, da der rechtsradikale Grundstückseigentümer die Veranstaltungen stets als "Privatfeiern" deklariert hatte.

Erst durch die bundesweite Ausstrahlung eines externer LinkBeitrags des ARD-Magazins Kontraste am 26. August, der eine heimlich gefilmte Veranstaltung in dem Kirtorfer Anwesen im Juli dieses Jahres zeigte, sei die verbotswidrige Nutzung "allgemein augenfällig" geworden, erklärte Bauamtsleiterin Urte Kelm vom Vogelsberger Kreisbauamt gegenüber der Redaktion von Osthessen-News zu dem Nutzungsverbot durch ihre Behörde.

Die Rechtsradikalen - überwiegend junge Männer - ließen zur Musik einer rechtsextremen Band ihrem Hass auf Juden und die Demokratie freien Lauf. Sie sangen judenfeindliche Lieder und erhoben mit Bierflaschen in der Hand den rechten Arm zum Hitlergruß ("Wetzt die langen Messer auf dem Bürgersteig, lasst die Messer flutschen in den Judenleib. Blut muss fließen knüppelhageldick und wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik."). Der Verfassungsschutz beobachtet die Feiern nach eigenen Angaben seit einigen Jahren und hält die "Kameradschaft Berserker Kirtorf" für ein Zentrum der hessischen Skinhead-Szene.

Nach dem Fernsehbeitrag wurde auch die Polizei aktiv. Bei einer anschließenden Razzia auf dem Hof stellten die Beamten Hakenkreuzfahnen, Hitlerbüsten, Waffen und verbotene Daten- und Tonträger sicher. Gegen die braunen Umtriebe wehren sich nun die Kirtorfer. Unter dem Motto "Kirtorf ist bunt - Rechtsextremismus Nein Danke" ist im Mai dieses Jahres eine Bürgerinitiative gegründet worden. Bei einer von dieser BI initiierten Veranstaltung hatte der Leiter des hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz, Lutz Irrgang, die Kirtorfer Szene und die "Kameradschaft Berserker Kirtorf" als die aktivste in ganz Hessen bezeichnet.