| Rechte Gewalt | |||
| Bombenanschlag auf "Netzwerk für Demokratische Kultur" |
|
|
|
| ir | |
| 08.11.2004 | |
|
Wurzen. Zwei Bomben explodierten in der Nacht zum Sonntag an dem Büro des "Netzwerkes für Demokratische Kultur" (NDK) in Wurzen (Sachsen). Die Sprengsätze waren an der Tür und einem Fenster angebracht. Bei den Explosionen wurde die Sicherheitsglasscheibe zerstört; Personen kamen nicht zu Schaden.
Nach Angaben des Netzwerkes war der Tat offenbar eine längere Planungsphase vorangegangen, in der die Materialien der Rohrbomben besorgt und die Sprengsätze gebaut worden waren. Das NDK sprach von einer neuen Qualität von Gewalt, die sich "gegen Andersdenkende richtet und eindeutig politisch motiviert war" und bezeichnete den Anschlag als "geplante Tat", die "keineswegs aus einer Laune heraus" entstanden sei. Mittlerweile hat das sächsische Landeskriminalamt (LKA) mit der "Soko Rex" (Sonderkommission Rechtsextremismus) und der örtlichen Polizei eine gemeinsame Ermittlungsgruppe gebildet. Konkrete Hinweise auf die Herkunft des Sprengstoffs oder die Täter gab es am heutigen Montag nach Angabe des LKA noch nicht. Der Verein ist nach eigenen Angaben bereits in der Vergangenheit mehrfach Ziel von rechtsextremen Angriffen gewesen, so seien beispielsweise Steine gegen die Büroscheiben geworfen worden. Der jüngste Anschlag zeige, dass die Rechtsextremen nach dem Wahlerfolg der NPD bei der Landtagswahl in Sachsen im September jetzt zum "offenen Angriff" auf linke Demonstranten und Andersdenkende übergingen, ohne das dies zu Protesten in der Bevölkerung führe. Das NDK organisiert unter anderem das Projekt "Amal - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt". Seit rund drei Jahren kümmern sich die Mitarbeiter um Opfer rechter Übergriffe, geben seelischen Beistand, vermitteln Psychologen und Rechtsanwälte. Das Netzwerk "tolerantes-sachsen.de", ein Zusammenschluss von verschiedenen Initiativen und Vereinen, wies darauf hin, dass der Anschlag sechs Tage vor der Jahresversammlung dieses Dachverbandes stattfand, der nur wenige Schritte vom Anschlagsort stattfinden wird. Auch dieses Netzwerk sah "keine andere Erklärung als die einer gezielten, politisch motivierten Tat". Neonazis hatten seit einigen Tagen auch Drohungen gegen ein Treffen "Antifaschistischer Ratschlag" im thüringischen Gotha ausgestoßen, das vor allem von gewerkschaftlichen Kreisen unterstützt und organisiert wurde und am vergangenen Samstag stattfand. Das neonazistische "Aktionsbüro Thüringen" wollte laut Ankündigung dem "antideutschen Mob auf die Pelle rücken" und den "Antifa-Ratschlag mit allen Mitteln bekämpfen", um die Veranstaltung zu verhindern. Nach Presseberichten blieb dieser Aufruf jedoch ohne jede Resonanz. |