| Neonazis | |||
| Brauner Versand im "Goldenen Kreuz" |
|
|
|
| ir | |
| 12.04.2005 | |
|
Rosenberg. In einer kleinen schwäbischen Gemeinde will ein bekannter Rechtsextremist ein Versandbüro einrichten. Protestdemonstrationen und Widerstand der Gemeinde haben bislang nur einen Aufschub bewirken können.
Motor der Neonazi-Niederlassung in Rosenberg bei Ellwangen (2.650 Einwohner, gelegen im württembergischen Ostalbkreis) ist der österreichische Rechtsextremist Andreas Thierry. Der in Österreich vorbestrafte 34-jährige hatte bereits 2004 für 45.000 Euro den ehemaligen Gasthof "Goldenes Kreuz" im Ortsteil Hohenberg ersteigert, um dort angeblich Wohnungen einzurichten. Anfang dieses Jahres wurde jedoch bekannt, dass Thierry bei der Gemeinde einen Bauantrag gestellt hatte, um in dem Gebäude Lagerräume für Büros bauen zu lassen. Nach Erkenntnissen des Heilbronner Staatsschutzes könnte dort jedoch ein Schulungszentrum entstehen - mit entsprechender überregionaler Anziehungskraft für Neonazis. Ein Versammlungssaal steht in dem ehemaligen Gasthof zur Verfügung. Die braunen Pläne für das "Goldene Kreuz" stehen im Zusammenhang mit Lars Käppler, bis vor kurzem Haupt der rechtsextremen "Bewegung Deutsche Volksgemeinschaft" (BDVG). Käppler hatte im Januar den Vorsitz der BDVG niedergelegt und war angeblich aus der Gruppe ausgetreten, möglicherweise um ein Verbot der BDVG zu vermeiden. Der 29-jährige Käppler hatte im vergangenen Jahr in Heilbronn einen Verlag ins Handelsregister eintragen lassen; per Internet vertreibt er einschlägiges Material wie Bücher, Flaggen, Kleidung. Der Verlag "Volk in Bewegung - Verlag und Medien OHG" ist bislang noch unter einer Postfachadresse in Ellwangen zu erreichen; im Baugesuch existiert ein Querverweis, der den Verlag als Betreiber des Versands in Rosenberg identifiziert. Die Rosenberger Gemeindepolitiker waren entsetzt über die Neonazi-Pläne, sahen jedoch keine Handhabe, die Baugenehmigung zu verhindern. Im Februar sahen sie keine andere Wahl, als die Beratung des Bauantrages im Gemeinderat zu verweigern. Damit liegt der Bauantrag für zwei Monate auf Eis, danach erhält Thierry aber automatisch eine Baugenehmigung. Am vergangenen Samstag, den 9. April, zogen rund 1.000 Menschen in einer von antifaschistischen Gruppen organisierten Protestdemonstration vor das "Goldene Kreuz". Aus dem früheren Gasthof heraus filmten zwei vermummte Neonazis die Teilnehmer der Protestdemonstration. Zwei Tage vorher hatte bereits eine Protestkundgebung eines Bündnisses aus Einwohnern, Vereinen und Kirchen mit etwa 500 Teilnehmern auf dem Rathausplatz stattgefunden. Ebenfalls am Samstag fand in Schwäbisch Hall eine offenbar als Solidaritätsbezeugung für Thierry gedachte Demonstration von rund 200 Rechtsextremisten statt. |