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Unheilige Allianzen | Rezension | |||
| Unheilige Allianzen |
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| Ralph Kummer | |||
| 10.04.2006 | |||
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Mit dem im November 2005 erschienenen Werk "Unheilige Allianzen" nehmen sich Dornbusch und Killguss ein angesagtes Subgenre des Heavy Metal - den so genannten Black Metal - vor und untersuchen rechtsextreme, neonazistische Tendenzen in dieser Musikrichtung. Gerade im Black Metal entstand im Unterschied zum "normalen" Heavy Metal und seinen weiteren Subgenres (Death, Thrash, Speed, Power etc.) in den vergangenen 10 bis 15 Jahren ein extrem rechter Flügel, der zum Teil sehr gut durchorganisiert und vernetzt ist.
"In einer Szene, in der die Verherrlichung von Mord und Krieg die
Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen lässt, das Heidentum
als ein ›natürlicher‹ Ausdruck des germanischen Volkes gilt und
misanthropische Schimären die Vorstellungen eines sozialen Miteinanders
verdrängen, müssen sich Rechte im Black Metal nicht verstecken. Ganz
offen werden Nationalsozialismus und Shoa glorifiziert[,] wird die
Vernichtung alles Schwachen propagiert und die Rasse zur Grundlage des
Denkens und Handelns erklärt. Über den engen Rand des "NS-Black-Metal"
hinaus gehören dabei Rassismus und Antisemitismus schon längst zum
guten Ton der Szene" (Klappentext). Die Autoren unterteilen das Buch in drei Hauptteile. Im ersten Teil wird die Entstehung und Entwicklung des Black Metal näher beleuchtet, seine Konjunkturphasen, die gewalttätigen Entwicklungen in Skandinavien ab Beginn der 1990er Jahre und schließlich speziell die Entwicklung der deutschen Black-Metal-Szene. Der zweite Abschnitt befasst sich mit der Szene an sich, dem Image und den musikalischen sowie vor allem textlichen Inhalten. Nach einem kurzen soziologischen Einstieg nehmen die Verfasser dieses 348 Seiten starken Bandes die schwarzmetallischen Themenfelder im Einzelnen unter die Lupe: Satanismus und Okkultis-mus, neogermanisches Heidentum, die Lobpreisung von Krieg (ein Black-Metal-"Leitspruch" lautet: "Black Metal ist Krieg!"), Gewalt, Zerstörung und Vernichtung sowie die Bezugnahme auf Suizid- bzw. Fantasy-Motive. Der letzte Hauptteil stellt en detail den rechtsextremen/neonazistischen Flügel des Black Metal bzw. die Genese des rechten Randes dar, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Ein Epilog, ein umfangreicher Anmerkungsapparat, ein Personen-, Band-, Sach- und Organisationsregister beschließen den gut aufgemachten, mit einigen Fotos aufgelockerten Band. Man merkt den beiden Autoren an, dass Kenner (und wohl auch Liebhaber) der Heavy-Metal-Szene dieses Buch verfassten. Nicht umsonst warnen sie, dass "in einem erschreckenden Ausmaß" extrem rechtes Gedankengut in der schwarzmetallischen Szene vordringt und schon lange nicht mehr nur Fans extremer Musik, sondern "die gesamte Metal-Szene" betrifft (S.11). Da die "normale" Metal-Szene zu einem bestimmten Teil bereits im musikalischen und damit im gesellschaftlichen Mainstream etabliert ist - man denke nur an die jüngsten Erfolge von Rammstein, Nightwish, Within Temptation, System Of A Down etc. -, besteht mit weiterem Vordringen rechter Tendenzen in der Metal-/Musik-Szene auch die Gefahr eines steigenden gesellschaftlichen Einflusses rechter Denk- und Verhaltensweisen. Gerade, weil einige (nicht rechte) Black Metal-Bands wie Dimmu Borgir oder Cradle Of Filth schon seit längerem den Weg dieser Musikrichtung in den Mainstream-Bereich bahnten. Allerdings sollte verstärkt darauf hingewiesen werden, dass der Großteil der Heavy-/Black-Metal-Szene nicht als rechtsextrem und zumeist noch nicht einmal als "offen" für diese politsche Gesinnung einzustufen ist. Trotzdem muss "die Diskussion und die Auseinandersetzung um die Inhalte geführt werden [...] Es liegt an den Metal-Fans, dieser Entwicklung in ihrer Szene Einhalt zu gebieten und den Rechten ihr Terrain streitig zu machen" (S.291). "Unheilige Allianzen" wird sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Standardwerk im Bereich "Rechtsextremismus und Musik" entwickeln. Es ist nicht nur unter wissenschaftlichen Aspekten, sondern ebenfalls als spannendes, detailverliebtes Lesebuch zu genießen. Einzig zahlreiche orthografische Fehler (z.B. "Delitantismus", S.52) und gelegentliche inhaltliche Ungenauigkeiten (das erste Album der Band Carcass hieß z.B. "Reek Of Putrefaction", S.24), die zumeist wohl nur Insidern auffallen, mindern das Lesevergnügen - diese sind aber in der hoffentlich erscheinenden zweiten Auflage bestimmt auszumerzen. Dieser Artikel erschien zunächst beim IDGR. Die Veröffentlichung bei redok erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors. |
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