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NPD / Rechte Gewalt
Strafanzeige gegen Hausfriedensbrecher PDF Drucken E-Mail
redok   
15.11.2006
Mainz. Gegen eine Gruppe von Neonazis hat der Allgemeine Studentenausschuss (AStA) der Uni Mainz Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch gestellt. Die etwa 15 Rechtsextremen hatten am 06.11. einen Vortrag des Publizisten Hannes Heer gestört. Zu den Randalierern zählen führende Neonazis der Rhein-Main-Region, so etwa der hessische NPD-Landesvorsitzende Marcel Wöll und der Mainzer Neonazi Mario Matthes.

Der Vortrag von Heer setzte sich unter dem Titel "Das Dritte Reich des Guido Knopp" kritisch mit dem "Geschichtsfernsehen" in öffentlich-rechtlichen ZDF auseinander. Über 200 Teilnehmer waren in einen Hörsaal der Universität gekommen, um den Vortrag des früheren Leiters der "Wehrmachtsausstellung" zu hören. Plötzlich hallten Rufe durch die Flure; die Neonazis versuchten, den vollen Hörsaal zu stürmen. Von innen wurden die Türklinken zugehalten, dennoch gelangten zwei Neonazis in den Raum, wurden aber wieder hinausgedrängt. Die Polizei traf erst nach einiger Zeit ein und konnte auf dem Uni-Gelände nur noch zwei der Störer aufgreifen.

Zu der Randalierer-Truppe gehörte auch regionale Neonazi-Prominenz, so etwa der hessische NPD-Landesvorsitzende Marcel Wöll (Jahrgang 1983), der seine Rechtsaußen-Karriere in der Kameradschafts-Szene begonnen hatte. Wöll hat sich in jüngerer Zeit vor allem als "Nachrichtensprecher" der rechtsextremen Video-Produktion "Die Woche" ins Bild gerückt, wo er in braunem Anzug und unter dem Symbol der "Schwarzen Sonne" Texte verliest. Die "Schwarze Sonne" - ein zwölfarmiges Hakenkreuz in Kreisform - ist von der SS entlehnt und bei Neonazis besonders beliebt, weil es im Gegensatz zu den geläufigen SS-Abzeichen nicht verboten ist.

Mit dabei bei der rechten Putztruppe war auch Mario Matthes (Jahrgang 1984) aus Otterstadt (bei Speyer), der ebenfalls der militanten Kameradschafts-Szene entstammt. Mittlerweile ist er ebenfalls bei der NPD eingestiegen und ist Kreisvorsitzender der NPD Mainz/Bingen. Matthes, der selbst an der Uni Mainz Pädagogik studiert, hatte im März 2006 zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz auf Platz 8 der NPD-Landesliste kandidiert.

Der AStA der Uni Mainz, Mitveranstalter des Vortrages, stellte heute Strafanzeige gegen die Störer. Ein AStA-Sprecher sagte, man dürfe sich nicht einschüchtern lassen und müsse weiter kritische Vortragsveranstaltungen anbieten.