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Rechter Rand
"Pro Deutschland": Bundesweite Ausdehnung im Blick PDF Drucken E-Mail
Sina Weinreich   
24.11.2006
Bonn/Köln. Zu ihrer ersten ordentlichen Bundesversammlung kam am 18. November die extrem rechte "Bürgerbewegung pro Deutschland" in Bonn zusammen. Nach Angaben der Veranstalter setzten sich mehr als 200 Teilnehmer aus NRW, Niedersachsen, Bayern, Berlin und Brandenburg unter anderem mit der Frage auseinander, "wie über ein kommunalpolitisches Engagement Einfluß auf die politische Entwicklung in Deutschland" genommen werden kann.

Unter der Versammlungsleitung des Bonner Physikprofessors Dr. Tilmann Reichelt, Bundesschatzmeister der Vereinigung und im vergangenen Jahr Miteinlader zu einer Veranstaltung des rechten Zirkels "Akademiekreis", hörten die Teilnehmer zahlreiche Redebeiträge. Als Hauptredner trat Dr. Alfred Mechtersheimer von der nationalistischen "Deutschlandbewegung" auf, der über die "Strategie der Heuschrecken", der angeblichen Ruinierung der deutschen Wirtschaft durch "internationale Finanzinvestoren" referierte. Daneben sprachen unter anderem Meinhard Gutowski (Chef der "Pro Deutschland"-Stadtratsfraktion in Frankfurt/Oder), Lars Seidensticker aus Hambühren (Landkreis Celle, Niedersachsen), Markus Beisicht (Vorsitzender der "Bürgerbewegung pro Köln"), und der Vorsitzende von "Pro Deutschland", Manfred Rouhs, zugleich Stadtrat von "Pro Köln".

Rouhs, einst Funktionär des NPD-Jugendverbandes "Junge Nationaldemokraten", trat in seiner Schlussansprache dafür ein, "in möglichst vielen Städten und Landkreisen mit Petitionen zu Themen, die dem Bürger auf den Nägeln brennen, ins politische Geschehen einzugreifen" und entsprechende Flugblätter "in möglichst hoher Auflage an die Haushalte" zu verteilen, so "Pro Deutschland".

Unterdessen hat Markus Beisicht, Rechtsanwalt aus Leverkusen, die Hansestadt Hamburg verklagt. Diese hatte "Pro Deutschland" in ihrem Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2005 in einem Nebensatz unter der Bezeichnung "rechtsextremistische Zusammenschlüsse" erwähnt. "Pro Deutschland" sei keineswegs, wie von der Hamburger Behörde behauptet, eine rechte "Sammlungsbewegung", so Beisicht.

Ein Blick auf die politische Herkunft der Mitglieder des Gründungsvorstandes von "Pro Deutschland" wirkt da erhellend. Neben Manfred Rouhs, Herausgeber der extrem rechten Zeitschrift "Nation24.de" und "Pro Köln"-Stadtrat Bernd Schöppe, ehemals "Deutsche Liga für Volk und Heimat" und dem bereits genannten Tilmann Reichelt wurden 2005 in den Vorstand von "Pro Deutschland" noch Dr. Friedrich Löffler, Gerda Wittuhn und Gigi Romeiser gewählt.

Friedrich Löffler (Wesseling) referierte in der Vergangenheit unter anderem bei der rechtsextremen "Gesellschaft für freie Publizistik", die von ehemaligen NSDAP-Funktionären und SS-Offizieren gegründet worden war, und bei rechtsextremen Seminarzirkeln wie der "Deutschen Studien-Gemeinschaft" und dem "Arbeitskreis für deutsche Politik". 2001 sprach er beim "Pressefest" von Rouhs' damaligen Hausblatt "Signal", 2003 bei "Pro Köln". Im Jahr 2005 unterzeichnete er den Aufruf "Gegen das Vergessen" des um die Junge Freiheit angesiedelten "Institut für Staatspolitik". Im selben Jahr war er auch Miteinlader zu einer Veranstaltung des "Akademiekreis". Leserbriefe von Löffler findet man sowohl in dem rechtsextremen Monatsblatt Nation und Europa als auch in der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit.

Gerda Wittuhn aus Hamburg kommt aus dem Umfeld der "Schill-Partei". 2001 referierte die Kauffrau bei "Pro Köln" über das Geheimnis des Erfolgs der "Partei Rechtsstaatliche Offensive". In diesem Jahr war sie Mitunterzeichnerin des Junge Freiheit-Appells "für die Pressefreiheit". Gelegentlich taucht sie in der Jungen Freiheit und im Ostpreußenblatt mit Leserbriefen auf. Die 81-jährige Wittuhn, bei der Schill-Truppe im Partei-Arbeitskreis Marketing, teilte der Presse schon mal mit: "Wenn ich keine Frau wäre, wäre ich in einer schlagenden Verbindung."

Anwesend auf der Gründungsversammlung war auch die Chemotechnikerin Gigi Romeiser aus dem hessischen Maintal. Sie war Vizepräsidentin des hessischen "Elternvereins". Texte von ihr findet man z.B. in der Zeitschrift Stimme des Gewissens der Holocaustleugner um das "Collegium Humanum" in Vlotho. 2001 gab sie aus Protest ihr 1989 verliehenes Bundesverdienstkreuz an den damaligen Bundespräsidenten Rau zurück. Grund war die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Dr. Michel Friedman, dem damaligen Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland. "Herr Friedman überzieht unser Land mit seiner Abscheu, um nicht zu sagen mit seinem Haß und definiert Deutschland aus 12 Jahren Naziherrschaft", schrieb sie in ihrer Begründung. Friedman nehme "die heutigen Generationen" in "Sippenhaft". Er schaffe "damit Unfrieden und riskiert neu aufkeimenden Antisemitismus", so Romeiser in ihrem Text, der vollständig in Nation und Europa abgedruckt wurde.