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NPD / Neonazis
Einreiseverbot bei Eidgenossen PDF Drucken E-Mail
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28.11.2006
St. Gallen (Schweiz). Bei einem als Geburtstagsfeier getarnten Neonazi-Konzert in der Schweiz sollte am 25.11. unter anderem das Duo "Frei & Stolz" aus Wilhelmshaven (Niedersachsen) auftreten. Die Schweizer Behörden erließen ein Einreiseverbot für acht Tage; die beiden Norddeutschen missachteten das Verbot und wurden nach Deutschland abgeschoben.

Für das Konzert "im Schweizer Mittelland" war schon im Oktober geworben worden. Die Schweizer Behörden hatten im Vorfeld von der Veranstaltung erfahren; auch die Schweizer Medien berichteten über das geplante Neonazi-Konzert. Die Schweizer Polizei erließ dann jedoch kurz vor dem Konzerttermin ein Einreiseverbot von acht Tagen Dauer für die braunen Musikanten.

Die Veranstalter disponierten kurzfristig um und verlegten das Konzert nach Sax im St. Galler Rheintal. Die Polizei erfuhr erst am Abend des Konzertes, wo nun die Musik spielen sollte, konnte jedoch noch genügend Personal für umfangreiche Personenkontrollen mobilisieren. Von den 150 Rechtsextremen kamen je die Hälfte aus der Schweiz und aus dem nahen Ausland. Unter den angereisten Neonazis fielen der Schweizer Polizei die beiden Wilhelmshavener auf, die trotz des Einreiseverbots angetreten waren. Sie wurden umgehend nach Deutschland abgeschoben.

Björn Wilhelmsen und Peter Bartels, die als Duo "Frei & Stolz" firmieren, sind in der norddeutschen rechten Szene keine Unbekannten. Wilhelmsen (Jahrgang 1971) war in jungen Jahren Anhänger des "Deutschen Kameradschaftsbund Wilhelmshaven" (DKB), der 1992 vom niedersächsischen Innenminister verboten wurde. 2004 präsentierte sich Wilhelmsen dann als Sprecher des NPD-"Stützpunkt Wilhelmshaven/Friesland". Anfang 2005 wurde er Vorsitzender des neu gegründeten "Kreisbereich Wilhelmshaven" der Partei; zu der Versammlung spielte sein nachmaliger Sangesbruder Peter Bartels auf.

Im April 2005 wurde Wilhelmsen gar zum Vorsitzenden des NPD-Unterbezirks Oldenburg gewählt, doch die Parteikarriere bei der NPD währte nicht lange. Schon zur Weihnachtsfeier des gleichen Jahres amtierte der noch als sein Stellvertreter gewählte Michael Meyer (Oldenburg) als UB-Vorsitzender. Wilhelmsen hatte noch zur Bundestagswahl im September 2005 auf Platz 20 der NPD-Landeswahlliste Niedersachsen kandidiert; als Beruf gab er "Schädlingsbekämpfer" an. Als NPD-Mitglied erlebte er die Wahl jedoch nicht mehr, denn laut Anti-Rechts-Aktivisten aus der Region hatte Wilhelmsen schon Mitte August 2005 seinen Parteikameraden gestanden, dass er seit Jahren für den Verfassungsschutz tätig sei. Ende August trat er von allen Parteiämtern zurück.

Mitte 2006 wurde Wilhelmsen zusammen mit Bartels wieder aktiv. Die Nordlichter wurden im oberfränkischen Wunsiedel in der Nazi-Kneipe "Lokalbahn" erstmalig als Duo "Frei & Stolz" angekündigt. Gute Kontakte unterhielten die braunen Jungs von der Küste auch zu szenebekannten Neonazis in Oberbayern, wo sie beim "Sturmversand" in Murnau auftraten. Weitere Auftritte hatten die beiden unter anderem bei der NPD Düren (NRW), mit deren örtlichem Chef Ingo Haller sie offenbar freundschaftliche Kontakte pflegen. Die Spitzel-Affäre Wilhelmsens hat dort offenbar nicht gestört.

Gute Kontakte unterhalten die beiden zu Neonazis aus dem Umfeld der in Deutschland verbotenen Skinhead-Organisation "Blood & Honour". Zum zehnjährigen Bestehen des einschlägig berüchtigten "Club 88" spielten sie in Neumünster auf. Freunde haben Wilhelmsen und Bartels auch in England bei der "Wolf's Hook White Brotherhood" (WHWB, Weiße Brüderschaft Wolfsangel), die den Webseiten-Besucher mit der sentimentalen Kitschballade "Weiße Brüder" der Wilhelmshavener empfängt (Textauszug: "Der Schmerz ist groß, die Trauer so tief. ... Du lebst jetzt in Walhalla, mit den Ahnen vereint"). Die englische Nazi-Truppe unterhält angeblich auch einen Ableger in Deutschland und gibt Kontakt-Emailadressen für Nord-, Süd- und Ostdeutschland an.

Neben seinen braunen Musik-Aktivitäten pflegt Wilhelmsen jedoch noch ein unverdächtiges Kontrastprogramm: nach eigenen Angaben ist er auch im Wilhelmshavener "Shantychor Maritim" engagiert.