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NPD / JN
JN-Vorstand sammelt Vorstrafen PDF Drucken E-Mail
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22.03.2006
Duisburg. Der im November 2005 gewählte Bundesvorstand der Jungen Nationaldemokraten (JN) sammelt weitere Vorstrafen an. Mike Nwaiser, Bundesorganisationsleiter der JN und zugleich bayerischer Landesvorsitzender der NPD-Jugendorganisation, wurde am Dienstag (21.3.2006) vom Amtsgericht Duisburg zu einer Geldstrafe verurteilt.

Dem 22-Jährigen war versuchte Gefangenenbefreiung und Widerstand vorgeworfen worden. Während einer von Axel Reitz, dem führenden Kopf des "Aktionsbüro West", organisierten Demonstration im Juli 2005 sollte Nwaiser laut Anklage versucht haben, einen von der Polizei festgenommen Mitdemonstranten aus dem Griff der Beamten loszureißen. Der Neonazi stritt diesen Vorwurf ab; er gab zu Protokoll, er habe nur "einem der Polizisten von hinten leicht auf die Schulter geklopft". Zu seiner Entlastung hatte er einen ebenfalls einschlägig bekannten Zeugen mitgebracht: Philipp Hasselbach.

Der 18-Jährige hatte sich offenbar aber unzureichend mit Nwaiser besprochen, denn laut seiner Aussage hatte der Angeklagte überhaupt keinen Polizisten berührt, sondern nur den festgenommenen Gesinnungsgenossen. Das Gericht schenkte den Einlassungen des Angeklagten und seines Zeugen jedoch keinen Glauben und verurteilte den erwerbslosen Nwaiser zu 60 Tagessätzen zu je 10 Euro.

Der Auftritt als Zeuge kann auch Hasselbach noch Ärger bereiten. Der Staatsanwalt beantragte wegen des Verdachts auf Falschaussage ein Wortprotokoll von den Angaben des in Essen aufgewachsenen Neubayern.

Nwaiser war am 27./28.11.2005 in Chemnitz als Bundesorganisationsleiter in den Bundesvorstand der JN gewählt worden; am 4.2.2006 wurde er in Neu-Ulm zum Landesvorsitzenden der JN Bayern gewählt.

Hasselbach hat trotz seines jugendlichen Alters bereits eine abwechslungsreiche Rechtsaußen-Karriere hinter sich: in seiner Heimatstadt Essen war er bereits mit 15 Jahren Mitglied der "Kameradschaft Josef Terboven" (benannt nach dem NSDAP-Gauleiter und SA-Gruppenführer), ein Jahr später präsentierte er sich in SA-ähnlicher Uniform als Mitglied und Essener Chef des "Kampfbund Deutscher Sozialisten" (KDS). Nach seinem Umzug nach München schloss er sich zunächst der Gruppe um Norman Bordin an, wurde aber bald abtrünnig und organisierte zusammen mit Hayo Klettenhofer die dortigen "Autonomen Nationalisten". Seit Februar 2006 ist er - wie auch Nwaiser und Klettenhofer - Mitglied im bayerischen Vorstand der JN und dort als Geschäftsführer und Schatzmeister tätig. Die Wahl des Trios in den Landesvorstand wurde von Hasselbach selbst in einem Neonazi-Forum mit der Bemerkung verkündet: "Bei den Neuwahlen des Landesvorstandes wurden drei radikale nationale Sozialisten in entscheidene Positionen gewählt."

Ein weiteres vorbestraftes JN-Bundesvorstandsmitglied ist Alexander Neidlein, der in Südafrika wegen illegalen Waffenbesitzes zu drei Jahren auf Bewährung und in Deutschland  zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden war. Neidlein hatte im Dezember 1993 mit zwei Mittätern ein Postamt in Lübeck überfallen und 8.500 Mark erbeutet.