start arrow report arrow "Wurzel des Übels ist der Judaismus"
Holocaustleugner / AhmadineDschihad / NPD
"Wurzel des Übels ist der Judaismus" PDF Drucken E-Mail
redok   
13.12.2006
Teheran. Am zweiten Tag der sogenannten "Holocaust-Konferenz" in der iranischen Hauptstadt brachte eine Teilnehmerin gestern Ziel und Zweck der Veranstaltung auf den Punkt: "Wir reden immer nur über Holocaust und Zionismus und vergessen dabei die Wurzel des Übels: Den Judaismus", rief die Australierin Michèle Renouf aus.

Zum Ende der Veranstaltung kamen die derart eingestimmten Tagungsteilnehmer doch noch im Präsidialamt zum ersehnten Treffen mit dem iranischen Staatspräsidenten Ahmadinedschad. Der Präsident wurde den Erwartungen gerecht, als er vor allem über das Schicksal Israels sprach: "Mit Gottes Segen läuft der Countdown für den Zerfall Israels". Der Westen habe "dieses Regime" erschaffen, "jetzt muss er es wieder abschaffen", so der Liebling der Leugner-Konferenz.

Die zum Freundeskreis von David Irving zählende und in London lebende Renouf hatte 2003 in einem Interview das Judentum als "Glaubensbekenntnis der Vorherrschaft und der rassischen Überlegenheit" geschmäht. Im vergangenen Monat war sie sogar von einer Parteiveranstaltung der rechtsextremen "British National Party" ausgeladen worden, weil ihre Hass-Statements zu radikal für die Rechten waren.

Eine Schlüsselfigur der Tagung war offenbar Mohammad-Ali Ramin, der 17 Jahre in Deutschland gelebt hat und während dieser Zeit "engen Kontakt zu verschiedenen Neonazi-Zirkeln" gehalten hat, wie die Berliner Zeitung berichtet. Ramin hatte offenbar die Idee zu der jetzigen "Holocaust-Konferenz" entwickelt und ist seit einiger Zeit Berater des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. Nach Deutschland bekommt er schon seit Jahren keine Einreiserlaubnis mehr.

Der Kölner NPD-Funktionär Benedikt Frings bezeichnete Ramin in Teheran als "einen guten Freund", so die Berliner Zeitung. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete, dass die NPD-Parteiführung die Konferenz in Teheran begrüßt; das Thema Holocaust stehe aber bei der rechtsextremen Partei derzeit nicht auf der "Agenda", zitiert das Blatt den NPD-Sprecher Klaus Beier. Dennoch ist dem Kölner NPD-Mann Frings das Interesse seiner Parteioberen gewiss: "Ich werde mich aber mit Frings nach seiner Rückkehr über seine Erfahrungen unterhalten", so Beier.

Nicht gesehen wurde in Teheran der noch im ursprünglichen Tagungsprogramm von den Konferenz-Organisatoren angekündigte Norman Finkelstein (USA), der als Professor an der DePaul-Universität in Chicago arbeitet. Noch am ersten Tag der Konferenz, an dem Finkelstein reden sollte, hatte auch der australische Holocaustleugner Frederick Toben ihn auf seiner Webseite im Programm aufgeführt, einen Tag später war er an gleicher Stelle nicht mehr zu finden. Statt dessen trat Finkelstein am Dienstag in Chicago als Zeuge der Verteidigung ("expert witness") in einem Prozess gegen zwei Männer auf, die wegen Unterstützung der radikal-islamistischen Hamas angeklagt sind.