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Antisemitismus
Rüge für antisemitischen Leserbrief PDF Drucken E-Mail
redok   
26.12.2006
Bonn/Rosenheim. Eine Rüge erteilte der Deutsche Presserat Anfang Dezember dem Oberbayerischen Volksblatt (OVB) wegen des Abdrucks eines antisemitischen Leserbriefs. Das in Rosenheim erscheinende Regionalblatt hatte mit den als diskriminierend bewerteten Aussagen des Leserbriefs die Publizistischen Grundsätze des Presserats (Pressekodex) verletzt.

In dem fraglichen Leserbrief zum Israel-Libanon-Konflikt hatte der Verfasser, Peter Rohrmoser aus Stephanskirchen, davon geschrieben, dass "die jüdische Welteroberung" im Irak ins Stocken geraten sei. Weiter hatte er gemeint, die Juden bekämen die Zeit, "die sie brauchen, um den Libanon zu vernichten und dort einen Holocaust auszulösen".

Der externer LinkPresserat befand: "Diese Aussagen diskriminieren mit antisemitischen Stereotypen unter dem Vorwand der Kritik an der Politik Israels Juden" und rügte das Blatt nach Ziffer 12 des externer LinkPressekodex. Das Gremium wies darauf hin, dass auch bei der Veröffentlichung von Leserbriefen die "Publizistischen Grundsätze" beachtet werden müssen; Redaktionen müssen selbst die Leserbriefe anhand des Pressekodex prüfen.

In dem Leserbrief war darüber hinaus noch von den USA und England als "jüdischen Satelliten" die Rede, die "die Arbeit für die Welteroberer durchgeführt" hätten. Bei anderen Gelegenheiten zeigte sich der Leserbriefschreiber Rohrmoser deutlich sensibler. Zu den Mohammed-Karikaturen einer dänischen Tageszeitung schrieb er den Rosenheimer Nachrichten: "Alle Journalisten und Verleger kennen die Empfindlichkeiten und die Reaktionen der Muslime schon vorher. Warum also diese Provokationen?" und gab gleich die Antwort: " ... um das deutsche Volk für die Teilnahmen an den nächsten US-Überfällen einzuschwören und fit zu machen".

Der Chefredakteur des vom Presserat gerügten Oberbayerischen Volksblatts, Willi Börsch, hatte im Juni 2006 dem neurechten Blatt Junge Freiheit zum 20-jährigen Bestehen mit dem anerkennenden Satz gratuliert: "Ein nationalliberaler Stachel im Gesäß politischer Dampfplauderer."