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Rechte Gewalt / NPD
Mordversuch nach der Nazi-Party PDF Drucken E-Mail
redok   
08.01.2007
Sangerhausen. Zwei Neonazis sind wegen eines Brandanschlages auf ein Asylbewerberheim am Samstag Morgen in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung in Haft genommen worden. Die Männer kamen von einer Party des JN-Funktionärs Enrico Marx. Insgesamt wird gegen vier Männer ermittelt.

Kurz nach 5 Uhr morgens flogen drei Brandsätze durch die Scheiben der Asylbewerberunterkunft in Sangerhausen. Ein Raum begann zu brennen; drei Bewohner des Gebäudes, die sich im Nebenraum aufhielten, konnten sich in Sicherheit flüchten.

Noch am gleichen Tag wurden zwei Männer aus Sangerhausen (25 und 26 Jahre alt) festgenommen; am Abend erließ ein Richter Haftbefehle. Laut Erkenntnis der Staatsanwaltschaft Halle waren die Männer auf einer Party des weithin bekannten Neonazis Enrico Marx gewesen. Auf dem Rückweg sollen sie den Plan gefasst haben, das Asylbewerberheim in Brand zu stecken. An einer Tankstelle kauften sie Getränke; aus den Flaschen bauten sie Molotow-Cocktails, so die Staatsanwaltschaft.

Die beiden Männer bestreiten bislang die Vorwürfe. Der Polizei sind sie bereits wegen rechtsextremistischer Delikte und Körperverletzung bekannt. Heute teilte die Staatsanwaltschaft mit, nach weiteren möglichen Mittätern werde gesucht, die zum Teil "namentlich bekannte" Rechtsradikale seien. Insgesamt wird zur Zeit gegen vier Männer ermittelt.

Der Party-Gastgeber Enrico Marx ist in der Region als Neonazi-Anführer bekannt. In Sotterhausen (Landkreis Sangerhausen) betreibt er seit 2003 gemeinsam mit seiner Frau Judith Rothe das Neonazi-Lokal "Zum Thingplatz", wo sie seitdem eine Vielzahl von Rechtsrock-Konzerten mit bis zu 300 Teilnehmern veranstalteten.

Seit mehreren Jahren ist Enrico Marx Chef der Kameradschaft "Ostara-Skinheads" und betreibt den Internet-Versand "Barbarossa Records", für den auch die NPD Sachsen-Anhalt auf ihrer Webseite Werbung betreibt. Seit März 2003 leitet er den "Sützpunkt Sangerhausen" der "Jungen Nationaldemokraten" (JN), der Jugendorganisation der NPD. Seine Frau Judith Rothe hatte zur Bundestagswahl 2005 im Wahlkreis Mansfelder Land und auf der Landesliste Sachsen-Anhalt für die NPD kandidiert; sie gehört dem Landesvorstand der NPD an und ist stellvertretende Bundesvorsitzende der NPD-Frauenorganisation "Ring Nationaler Frauen" (RNF).