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Neonazis / Immobilien
Schon wieder ein Rieger-Immobilienkauf? PDF Drucken E-Mail
redok   
11.01.2007
Plattenburg. Eine ehemalige LPG-Immobilie im brandenburgischen Dorf Kleinow soll auf dem Einkaufszettel von Jürgen Rieger stehen, berichtet der Tagesspiegel in seiner morgigen Ausgabe. Auf dem 14.000 Quadratmeter großen Gelände mit mehreren Gebäuden könnte ein braunes Schulungszentrum entstehen, wird in der Gemeinde befürchtet.

Das Grundstück ist im Besitz von Norbert R. aus Berlin, der mit seiner Familie vor einigen Jahren in die Prignitz (im Nordwesten des Landes Brandenburg) gezogen war. Seine Pläne, das frühere LPG-Bürogebäude zu einem Kinder-Ferienlager umzubauen, hatten sich zerschlagen; nun stehe er "finanziell mit dem Rücken zur Wand". Bis Ende Januar will er verkauft haben. In den Gebäuden sollen bis zu 70 Personern übernachten können.

Mitgeteilt hat der Besitzer seine Verkaufsabsicht erst vor kurzem der Bürgermeisterin der Gemeinde Plattenburg (Landkreis Prignitz, 4.000 Einwohner), zu der das Dorf Kleinow gehört. Der Bürgermeisterin Gudrun Hoffmann habe er gesagt, Rieger habe mehr geboten als andere Interessenten, so der Tagesspiegel. Eine Summe habe Norbert R. aber nicht genannt.

In einem zweiten Bericht des Tagesspiegel wird Norbert R. allerdings zitiert: "Ich muss verkaufen und außer dem Herrn Rieger hat sich leider kein Interessent bei mir gemeldet." Rieger selbst sagte dem Tagesspiegel, ihm lägen bundesweit etwa 200 Immobilienangebote vor. Zum angeblichen Ankauf des baufälligen LPG-Bürogebäudes sagte er dem Blatt: "Ich will nicht ausschließen, dass auch die Prignitz dabei ist". Er bestritt aber, schon den Kauf signalisiert und einen Betrag genannt zu haben.

Den bei angeblichen Neonazi-Immobilienkäufen mittlerweile nahe liegenden Verdacht eines vorgetäuschten Kaufinteresses wollte das Brandenburger Innenministerium laut Tagesspiegel nicht bestätigen; dort hieß es, "nach derzeitigen Erkenntnissen ist kein Scheinkauf geplant".

Die NPD soll laut dem Blatt 21 Angebote in Brandenburg unter die Lupe genommen haben. "Da war auch etwas aus der Prignitz dabei", wird NPD-Sprecher Klaus Beier zitiert. Angesichts der desolaten Finanzlage der NPD klingen Immobilien-Kaufpläne der Partei allerdings sehr gewagt. Eine Alternative wäre ein Ankauf durch den Privatmann Jürgen Rieger, der - seit kurzem Mitglied des NPD-Parteivorstandes - der Partei dann ein Gebäude zur Verfügung stellen könnte. Kurz vor Weihnachten 2006 war in Delmenhorst der bislang letzte Versuch Riegers gescheitert, eine größere Immobilie zu erwerben; auch im Fall Delmenhorst gingen die Ansichtern auseinander, ob Riegers Kaufinteresse echt oder vorgetäuscht gewesen war.

Laut Tagesspiegel haben bundesweit bereits zwölf Rechtsextremisten Immobilien erworben, die sie anschließend der NPD für Veranstaltungen zur Verfügung stellten. Aus Sicherheitskreisen hat das Blatt erfahren, dass darüber hinaus 17 Kaufabsichten von Rechtsextremisten bekannt seinen, die mit der NPD kooperieren.