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NPD / Neonazis
"Organisierte Kriminalität" in der Hamburger NPD PDF Drucken E-Mail
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11.01.2007
Hamburg. An "organisierte Kriminalität" und "SA-Methoden" fühlt sich die geschäftsführende Landesvorsitzende der NPD Hamburg erinnert, wenn sie an ihre Parteifreunde um Thorsten de Vries denkt. In einem offenen Brief an Parteichef Udo Voigt beschrieb sie die Vorgänge in ihrem Landesverband als "einfach ungeheuerlich". In der öffentlich ausgetragenen Schlammschlacht werden antisemitische Töne sogar gegen den Parteivize Peter Marx laut.

In ihrem heute veröffentlichten Brief an Voigt, der wie mittlerweile gewohnt bei einem Neonazi-Internetportal veröffentlicht wurde, nahm Anja Zysk kein Blatt vor den Mund. Gegenüber der Parteizentrale beschwerte sie sich vor allem, dass die Bedrohungen durch die Truppe um de Vries dem Parteivorstand schon seit Wochen bekannt waren, aber von dort keinerlei Reaktion erfolgte.

In dem Schreiben lieferte sie weitere drastische Beispiele für Mentalität und Methoden ihrer innerparteilichen Widersacher. So tauchte de Vries am 9. Januar mit einer Truppe von etwa 20 Kameradschafts-Neonazis bei einer Veranstaltung des NPD-Kreisverbands Harburg auf und verlangte von Zysk, die Strafanzeige gegen ihn zurückzunehmen. "Ansonsten würde er künftig jede Veranstaltung, an der ich teilnehme 'sprengen' lassen", schrieb Zysk an ihren Parteichef. Dazu habe de Vries versucht, einen Veranstaltungsteilnehmer zu verprügeln. Der Referent der Veranstaltung sei am Vortage telefonisch bedroht worden.

"Einfach ungeheuerlich" nannte sie diese "Vorgänge, wie sie nunmehr seit 3 Monaten im Landesverband Hamburg ablaufen" und fühlte sich "mittlerweile mehr an organisierte Kriminalität als an eine politische Partei" erinnert. De Vries und sein Anhang hätten offensichtlich "mit ihren SA-Methoden alle politisch Verantwortlichen in Hamburg derart eingeschüchtert, daß diese sich nicht mehr trauen, sich hiergegen zur Wehr zu setzen".

Darüber hinaus forderte Zysk, die am 10. Februar in Bergedorf gegen den Bau einer Moschee demonstrieren wollte und dabei von ihren Gegnern abgeblockt wurde, ein klares Wort vom Parteivorstand zur politischen Linie gegenüber Moslems und Islamisten. "Sind auch Sie derselben Meinung wie Herr Rieger, daß die Islamisten in Deutschland unsere Freunde sind, mit denen wir es uns nicht verscherzen dürfen?", fragte sie Voigt, der immerhin zugesagt habe, auf der geplanten Demonstration als Redner aufzutreten. Rieger warf sie die Haltung vor, "daß die Moslems ruhig in Deutschland ihre Moscheen bauen sollen, da sie ja gegen die USA und Israel sind".

Als Motiv für die Attacken der Truppe um Wulff, de Vries und Rieger sieht Zysk auch "geschlechtliche Hintergründe"; möglicherweise hätten einige NPD-Männer ein Problem damit, einer Frau auf gleicher Augenhöhe gegenüberzutreten oder sogar unter ihr zu arbeiten. Jürgen Rieger habe ihr einmal gesagt, "Frauen sollten sich besser aus der Politik heraushalten und Kinder kriegen".

Die erst gestern verhalten signalisierte Sympathie der NPD-Frauenorganisation "Ring Nationaler Frauen" (RNF), die prompt von der NPD-Zentrale zensiert worden war, ist derweil schon wieder auf Parteilinie zurückgestutzt worden. Die von der RNF-Sprecherin und Parteivorstands-Mitglied Stella Palau unterzeichnete Erklärung ist heute ebenfalls wie bereits vorher die NPD-Fassung "gesäubert" worden: die Hamburger Landesvorsitzende wird nicht mehr erwähnt.

Die Schlammschlacht in der NPD wird aber nicht nur von Parteifunktionären betrieben. Mittlerweile haben Neonazis hunderte von Beiträgen in Internetforen verfasst, in denen nicht selten Gewaltphantasien, purer Hass und selbst rabiater Antisemitismus deutlich werden.

Selbst der Bundes-Parteivize Peter Marx bleibt da nicht verschont, der von einigen Neonazis sogar mit antisemitischen Anspielungen überzogen wird. Nachdem bereits Anja Zysk als "Mosaische Levantiner Hexe" beschimpft worden war, wird nun auch Marx seit einigen Tagen mit einem zusätzlichen Vornamen bedacht und als "Peter Jacob Marx" tituliert. Nach alttestamentarischem Verständnis gilt Jacob als dritter Stammvater Israels und hatte den Beinamen "Israel" erhalten. Eben diesen Vornamen zwangen die Nationalsozialisten im Dritten Reich allen männlichen Juden auf. Ein Kamerad "Beowulf" gab nun in einem Neonazi-Forum zum Besten: "Das ganze erinnert mich an den historischen Film Jud Süß . Voigt gibt den alten senilen König und sein Einflüsterer Peter Jacob Marx gibt ihm die Befehle."