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"Blood and Honour": Die NPD unter Freunden PDF Drucken E-Mail
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21.02.2007
Budapest / Dresden. Gleich bei zwei öffentlichen Veranstaltungen trafen sich in den letzten Tagen hochrangige Vertreter der NPD mit Kadern der Skinhead-Organisation "Blood and Honour" (B&H). NPD-Chef Udo Voigt durfte in Budapest eine Ansprache vor den versammelten Neonazi-Skinheads halten, in Dresden marschierten B&H-Führer beim "Trauermarsch" mit. Die Neonazi-Bruderschaft verfügt in mehreren europäischen Ländern über einen militant-terroristischen Arm "Combat 18" und ist seit September 2000 in Deutschland verboten.

Üblicherweise renommiert die NPD gerne mit ihren internationalen Kontakten, wenn sie etwa bei Freunden wie der spanischen Falange eingeladen ist, der Nachfolgerin der faschistischen Staatspartei unter dem Franco-Regime. Von dem Besuch der NPD-Delegation am 10. Februar in Budapest machte die Partei jedoch kein Aufhebens: offenbar war selbst der NPD nicht ganz wohl dabei, diese Kontakte in der deutschen Öffentlichkeit zu präsentieren.

Verschämt verschwiegener Besuch

Veranstalter des "Tag der Ehre" in Budapest war nämlich die ungarische Abteilung der internationalen Skinhead-Truppe B&H. Selbst dem deutschen Neonazi-Internetportal, das als einziges über den NPD-Besuch berichtete, war die unverblümte Nennung der Veranstalter zu heiß: verschämt wurde dort von einer "Sektion 28" gesprochen. Mit der Ziffernfolge 28 wird gemäß der Platzierung im Alphabet die Abkürzung "BH" für die Nazigruppe umschrieben. Schließlich ist die deutsche Blood and Honour-Abteilung mitsamt ihrer Jugendorganisation "White Youth" (Weiße Jugend) bereits seit dem September 2000 vom Bundesinnenminister verboten.

Mit dem "Tag der Ehre" feiern die ungarischen Neonazis seit einigen Jahren ihre historischen Vorbilder. Am 10. Februar 1945 hatten ungarische Truppen zusammen mit Einheiten der SS in aussichtsloser Lage einen Ausbruch aus dem von der sowjetischen Armee eingekreisten Buda unternommen; die meisten von ihnen kamen um oder gerieten in Gefangenschaft. 1999 traten einige Teilnehmer am "Tag der Ehre" in SS-ähnlicher Kleidung mit schwarzen Uniformen und Stiefeln auf; die Budapester Polizei sah sich zum Einschreiten genötigt. Die ungarische Blood and Honour-Abteilung ("Ver es Becsület") wurde - wie bereits vorher die deutsche - im Dezember 2004 verboten. Die diesjährige Veranstaltung wurde von einer Privatperson angemeldet.

Auf einschlägigen Internetseiten machten die Veranstalter jedoch keinen Hehl aus der wirklichen Verantwortung für den Aufmarsch: Neben B&H zählten dazu auch Gruppen wie "Blutiges Schwert" oder "Hungaria Skins"; B&H konnte am 10. Februar ungestört mit nicht zu übersehenden Transparenten aufmarschieren. Als internationaler Teilnehmer war unter anderem der englische B&H-Organisator Stephen "Swiny" Swinfen aus Northamptonshire angereist.

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Aufmarsch trotz Organisationsverbot: Blood and Honour Ungarn (Bild: agentur snapshot)

Wie Swinfen bekamen auch bekannte deutsche NPD-Funktionäre die Ehre, zu den etwa 1.000 versammelten Neonazis zu sprechen: Redner waren der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt, der Berliner Landesvorsitzende Eckart Bräuniger und Matthias Fischer, Kreisvorsitzender Fürth (Mittelfranken) und im bayerischen Landesvorstand der Partei "Abteilungsleiter Freie Kameradschaften".

Fischer, 1977 in Templin geboren, kennt sich mit militanten Nazi-Skinheadgruppen bestens aus. Ehemals war er externer Linkführender Kopf der "Fränkischen Aktionsfront" (FAF), bis diese im Januar 2004 vom bayerischen Innenminister verboten wurde. Daneben gehörte Fischer auch noch der Skinhead-Kameradschaft "Aryan Hope" (Arische Hoffnung) an; wie viele Mitglieder dieser Gruppe hat er diese Bezeichnung "Aryan Hope" über das linke Ohr tätowiert.

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Wandlungsfähiger Skinhead: Für die Wahlwerbung wurde die "arische" Tätowierung abgedeckt

Nach dem FAF-Verbot stieg Fischer bei der NPD ein und machte dort bald Karriere. Er übernahm den Kreisvorsitz im mittelfränkischen Fürth und stieg 2005 in den Landesvorstand auf. Im selben Jahr kandidierte er für die NPD im Wahlkreis Fürth; nun präsentierte er sich in der Öffentlichkeit eher als netter Schwiegersohn-Typ von nebenan.

Dem Anlass gemäss hatte Fischer jetzt in Budapest jedoch wieder sein Skinhead-Outfit reaktiviert. Der seitlich rasierte Schädel offenbarte das martialische Tattoo und verlieh damit offenbar Glaubwürdigkeit bei den ungarischen Hardlinern.

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Nun wieder mit Schädel-Tattoo: Matthias Fischer in Budapest mit dem ungarischen Blood and Honour-Chef Illés Zsolt (Bild: agentur snapshot)
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"Waffenbruder" Bordin in Budapest (Bild: agentur snapshot)

Ebenfalls zur rabiateren Sorte Neonazis zählt der Münchner Norman Bordin, der auf seinem Hemd die Aufschrift "Waffenbrüder Deutschland Hungary" durch die Budapester Straßen spazieren trug. Bordin war Gründer und Führungsfigur der "Kameradschaft Süd" und wurde mehrfach unter anderem wegen Körperverletzung verurteilt. Im Januar 2001 wurde er anlässlich des Überfalls von Neonazi-Skinheads auf einen Münchner Bürger griechischer Herkunft festgenommen, bei dem der Angegriffene fast zu Tode geprügelt worden war. In der Haftzelle attackierte Bordin einen anderen Gefangenen; wegen versuchter Körperverletzung im Zusammenhang mit dem Überfall und vollendeter Körperverletzung im Zusammenhang mit der Tätlichkeit gegen den Mitgefangenen sowie wegen Beleidigung wurde er im März 2002 zu einer Gefängnisstrafe von 15 Monaten verurteilt. Seit dem Frühjahr 2006 ist er Landesvorsitzender der NPD-Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN) und Mitglied des NPD-Landesvorstands.

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NPD-Funktionäre im "Geist der Truppen in Schwarz": Fischer, Bräuniger und Voigt in Budapest (Bild: agentur snapshot)

Im Vergleich zu diesen beiden bayerischen Grobianen wirkten die aus Berlin angereisten NPD-Kader Udo Voigt und Eckart Bräuniger sogar seriös. Die "Kameraden der europäischen Nationen" nahmen abends noch ein Nazikonzert in der ungarischen Hauptstadt mit und "ließen erneut den europäischen Geist der Truppen in Schwarz aufleben", wie ein "Kamerad Franz aus Mannheim" in einem Neonazi-Internetportal mitteilte.

B&H-Treffen beim "Trauermarsch"

Drei Tage später trafen sich an der Elbe die "europäischen Kameraden" wieder. Zum alljährlichen "Trauermarsch", mit dem die Neonazis die Opfer der alliierten Luftangriffe auf Dresden missbrauchen, hatten sich auch die B&H-Freunde eingefunden.

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B&H-Kader beim Neonazi-"Trauermarsch": Stephen "Swiny" Swinfen (2. Reihe links) und Illés Zsolt (vorne links am Transparent) in Dresden (Bild: agentur snapshot)

Vorneweg zog die NPD-Führung im Fackelschein gespenstisch durch die Dresdner Nacht. Hinter einem Transparent "Német-Magyar Barátság" (Deutsch-Ungarische Freundschaft) marschierten die B&H-Führer aus England und Ungarn.

Der "Geist der Truppen in Schwarz" wurde von den Märtyrer- und Trauerposen in Budapest und Dresden in typischer Weise beschworen. "Blood and Honour" und die NPD haben nicht nur die mehr oder weniger offene Verehrung des historischen Nationalsozialismus gemein, sondern auch die geradezu kultische Todes- und Opfermythologie. Sie kennen nur Tote als Helden.