| Neonazis | |||
| Nazi-Versand pleite, nun muss "neues Deutsches Reich" her |
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| 23.02.2007 | |
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Vlotho. Der "Z-Versand" des ostwestfälischen Neonazis Meinolf Schönborn ist zahlungsunfähig. Der Betreiber will sich an diesem Wochenende mit einer Schulung der "Befreiung Deutschlands" widmen.
Eigentlich hatte Meinolf Schönborn politischen Aktivitäten abgeschworen. Der frühere Anführer der 1992 bundesweit verbotenen Neonazi-Truppe "Nationalistische Front" (NF) war im August 2006 vom Landgericht Dortmund unter anderem wegen Volksverhetzung zu einer Haftstrafe von 18 Monaten verurteilt worden. Trotz einer Vorstrafe wegen Weiterführung der verbotenen NF erkannte das Gericht eine "positive Zukunftsprognose" und setzte die Haftstrafe zur Bewährung aus, entgegen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Dem Landgericht hatte Schönborn weismachen können, er wolle die freiheitlich demokratische Grundordnung achten und habe nie beabsichtigt, gegen Gesetze zu verstoßen. Seine politischen Aktivitäten wolle er einstellen, seinen Wohnsitz ins Ausland verlegen und sich künftig auf den Vertrieb von T-Shirts mit "Feuerwehr-Motiven" beschränken. Bei diesen treuherzigen Versprechungen blieb es jeoch nicht lange. Bereits wenige Wochen nach dem Urteil fiel er als Unterstützer einer "Bürgerinitiave Ostwestfalen-Lippe" auf, die über die "Abschaffung des deutschen Volkes" lamentierte - eine Tarnorganisation parteiunabhängiger Neonazis aus der Region. Und auch mit seinem "Z-Versand" verkaufte er keineswegs nur Feuerwehrmotive, sondern er bediente nach wie vor die rechtsextreme Kundschaft. Diese scheint jedoch nicht in ausreichendem Maße bei Schönborn geordert zu haben, denn sein Z-Versand ist zahlungsunfähig. Wie die Neue Westfälische erfuhr, hat das Amtsgericht Bielefeld einen Gütersloher Rechtsanwalt zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Ob es da noch viel zu verwalten gibt, ist fraglich, denn Schönborns Ein-Mann-Betrieb mit Adresse in der Dieselstraße in Herzebrock-Clarfeld soll bereits geschlossen und das Lager geräumt sein, wie die Zeitung erfahren haben will. Über die Internetseiten kann jedoch weiterhin das gesamte Sortiment bestellt werden. Bis 2005 hatte Schönborn im gleichen Ort einen weiteren Laden "Meniha" betrieben, in dem er vor allem Germanen- und Runen-Kitsch und esoterischen Krempel verkaufte. Nach Protesten kündigte ihm der Vermieter. Während die Geschäfte schlecht gehen, bemüht sich Schönborn wieder um politische Organiationsarbeit. Für dieses Wochenende hat er zu einem "Kameradschaftstreffen" zwecks Schulung in das"Collegium Humanum" in Vlotho eingeladen. Unter der frisch ausgedachten Organisationsbezeichnung "Aktivisten für die Befreiung Deutschlands" spricht Schönborn "nur diejenigen" an, "die wirklich etwas planmäßig und zielorientiert verändern wollen", sprich: die "das neue Deutsche Reich wirklich schaffen" wollen. Als Schulungsthemen verspricht er Antworten auf die Frage, wie "wir unsere Ziele verwirklichen" wollten, also "Organisation, Methodik, Propaganda, Aktionen, Organisation von Veranstaltungen" und anderes. Die "Befreiungs-Aktivisten" sind praktischerweise über Postfach-Adresse, Telefon-, Fax- und Handynummer von Schönborn beziehungsweise seines Z-Versandes erreichbar. Emailkontakt findet der "Aktivisten"-Interessent direkt über Schönborns persönliche Internetdomain. Seminarleiter Schönborn betrieb auch gleich noch Marketing, um offenbar Dauerkundschaft zu gewinnen. "Gesinnungspöbel" und "Vaterlandsverräter" seien dort draußen in der Welt unterwegs, deren "verkorkste Ideologie" immer wieder "entlarvt" gehöre - und dazu "müssen wir uns ständig weiterschulen", unter Seminar-Beitragszahlung an Schönborn, versteht sich. |