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Neonazis / NPD / Immobilien
Rieger ohne Grund und Boden PDF Drucken E-Mail
redok   
19.03.2007
Pößneck. Der Hamburger Neonazi Jürgen Rieger hat vorerst zwei Immobilien in Thüringen und Niedersachsen verloren. Ein Anwalt aus Pößneck hat vom Amtsgericht Jena die Verfügungsgewalt über das Schützenhaus Pößneck und den Heisenhof in Dörverden bekommen - dank Riegers eigener Schlampigkeit und dem britischen Firmenregister.

Ausführlich berichtet heute die taz über die externer LinkErnennung des Pößnecker Anwalts Alf-Heinz Borchardt zum "Nachtragsliquidator" für die bisherigen Rieger-Immobilien. Hintergrund der Übernahme der Braun-Immobilien ist Riegers Versäumnis, dem britischen Firmenregister einen Geschäftsbericht der "Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation Ltd." für das Jahr 2004 einzureichen - und diese "Stiftung" war offiziell Eigentümerin der beiden Immobilien. Daraufhin wurde die Rieger'sche Tarnfirma am 29.08.2006 aus dem Register gestrichen. Zwar gründete Rieger im Oktober 2006 eine neue Stiftung, aber es blieb zunächst offen, wem denn nun Schützenhaus und Heisenhof eigentlich gehörten.

Dafür hat nun offenbar das Amtsgericht Jena eine Antwort gefunden. Im Pößnecker Grundbuch stand als Eigentümerin eine Firma, die es nicht mehr gab - das Schützenhaus war herrenlos, so die Auffassung der Stadtverwaltung. Die Stadt beantragte beim Gericht, die Verfügungsgewalt über das Gebäude zu bekommen. Am Freitag letzter Woche traf schließlich das gerichtliche Schreiben bei Alf-Heinz Borchardt ein, das den Anwalt und CDU-Stadtratsmitglied zum "Nachtragsliquidator" machte. Aber nicht nur für das Schützenhaus, sondern auch für den Dörverdener Heisenhof setzte das Amtsgericht Borchardt als Hausherrn ein. Der will dort gleich aufräumen: noch bestehende Mietverträge sollen gekündigt, die Anwesen sollen geräumt und verkauft werden.

Rieger kann den Beschluss des Amtsgerichts zwar anfechten, aber vorerst wird in den beiden Immobilien wohl kaum noch irgend eine Veranstaltung in seinem Sinne stattfinden.

Erworben hatte Rieger die beiden Immobilien in Dörverden und Pößneck bereits zwischen Ende 2003 und Mitte 2004. Die zunächst angegebene Absicht, im Heisenhof eine Art Germanen-Zuchtstation einzurichten, wurde nie auch nur annähernd angegangen. Stattdessen wurde der Hof zur zeitweiligen Unterkunft für regionale Jungnazis, die diesen Stützpunkt nicht selten als Basis für verschiedene Polit-Aktionen und zum Teil auch gewalttätige Übergriffe nutzten. Das Schützenhaus Pößneck stand im April 2005 im Mittelpunkt, als dort nach einem NPD-Landesparteitag ein illegales "Abschiedskonzert" des verurteilten Rechtsrockers Michael Regener stattfand.