start arrow report arrow Palastrevolte der "Kameraden" abgewehrt
NPD
Palastrevolte der "Kameraden" abgewehrt PDF Drucken E-Mail
redok   
16.04.2007
Herzberg. Beim Landesparteitag der niedersächsischen NPD wurde Ulrich Eigenfeld als Landesvorsitzender bestätigt. Sein Gegenkandidat Adolf Dammann verlor die Wahl und seinen bisherigen Stellvertreter-Posten.

Nachdem vor fünf Wochen der erste Versuch gescheitert war, den Landesparteitag im Raum Oldenburg abzuhalten, traf sich die Landes-NPD gestern mit etwa 100 Delegierten und geladenen Gästen in Herzberg am Harz im Dorfgemeinschaftshaus des Ortsteils Scharzfeld. Wichtigster Tagesordnungspunkt war die Neuwahl des Landesvorstandes und des Landesvorsitzenden.

Schon seit Monaten hatte sich eine innerparteiliche Opposition bemüht, den amtierenden Vorsitzenden Ulrich Eigenfeld abzulösen. Innerparteilich gilt er als Vertreter einer eher traditionellen Linie und ist insbesondere den radikalen Kräften ein Dorn im Auge, die eine stärkere Zusammenarbeit mit parteiungebundenen Neonazis anstreben.

Eigenfeld hatte sich unter anderem durch ein Redeverbot auf NPD-Veranstaltungen für derartige Neonazis wie etwa Dieter Riefling (Hildesheim) scharfer Kritik ausgesetzt. Im August 2006 musste Eigenfeld sogar zu einem Treffen mit Riefling erscheinen und klein beigeben.

Als Kandidat der radikaleren Neonazis trat Adolf Dammann (Buxtehude) gegen Eigenfeld an. Der Landespartei drohte eine Zerreißprobe. Zeitweise wurde Bundesvorstands-Mitglied Andreas Molau als Kompromisskandidat gehandelt, doch der zog zurück.

Doch die Palastrevolte scheiterte gestern. Nach einer "lebhaften und scharf geführten Diskussion über die bisherige Arbeitsweise des Vorstandes" ( so die offizielle NPD-Verlautbarung) tat Eigenfeld Abbitte, räumte in seinem Rechenschaftsbericht "Fehler" ein und versprach, mit einer Neustrukturierung des Vorstandes "für Abhilfe zu sorgen".

Offenbar hat er damit seinen Vorsitz retten können: laut Angaben in einem Neonazi-Forum erhielt Eigenfeld 55 und Dammann 40 Stimmen (fünf Stimmen ungültig). Der bisherige stellvertretende Landesvorsitzende Dammann verlor neben dieser Wahl auch sein bisheriges Amt als stellvertretender Landesvorsitzender; neben die wiedergewählten Stellvertreter Manfred Börm (Lüneburg) und Friedrich Preuß (Braunschweig) rückt nun Andreas Molau auf diesen Posten vor. Neu im Landesvorstand ist Patrick Kallweit (Goslar).

Mit der Wiederwahl Eigenfelds, der auch dem NPD-Bundesvorstand, hat sich vorerst die Parteizentrale durchgesetzt. Dammann hatte in der Vergangenheit nicht nur zu verschiedenen Gelegenheiten mit dem Hamburger Neonazi Christian Worch zusammengearbeitet, sondern zuletzt auch die ehemalige Hamburger NPD-Vorsitzende Anja Zysk unterstützt, die erst vor kurzem aus der Partei ausgetreten ist.

Nach der Vorstandswahl firmierte sich die Veranstaltung von einem Parteitag zu einer "Vertreterversammlung" um und bestimmte eine Kandidatenliste zur Landtagswahl in Niedersachsen am 27.01. 2008. Als Spitzenkandidat wird dabei Andreas Molau ins Rennen gehen. Ihm folgen ein Graf von der Schulenburg und Ulrich Eigenfeld. Auf den Plätzen vier und fünf treten Michael Hahn (Bad Lauterberg) und nun doch noch Adolf Dammann an. Insgesamt wurden 20 Kandidaten gewählt.

Trotz der Wiederwahl von Eigenfeld zeichnet sich als künftige treibende Kraft im Landesverband Andreas Molau ab, der bereits seit einiger Zeit neuen Wind in die bisher verschlafene Landes-NPD gebracht hat. Mit seinem taktisch geschickten Rückzug von der Chef-Kandidatur, einem angeschlagenen Vorsitzenden sowie einem zurechtgestutzten Gegenkandidaten läuft vieles auf Molau hinaus, der auch in der Bundespartei wichtige Funktionen innehat.