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Rechte Gewalt
Feiertag für rassistische Schläger PDF Drucken E-Mail
redok   
26.05.2006
Berlin. Zu einer Serie von Angriffen auf Ausländer nutzten rassistische Gewalttäter den gestrigen Feiertag. Vor allem in Ostdeutschland und in Berlin wurden mehrere Personen schwer verletzt. Die Polizei nahm mindestens 23 Männer fest.

In Weimar (Thüringen) wurden zwei Mosambikaner und ein 45-jähriger Kubaner von einer Gruppe überfallen und zum Teil schwer verletzt. Ein 46 Jahre alter Mosambikaner musste mit Kopfverletzungen und einem Schädeltrauma in einem Krankenhaus bleiben, der Kubaner erlitt einen Nasenbeinbruch. Die Polizei nahm acht Tatverdächtige fest; alle sollen der "Braunen Aktionsfront Apolda" angehören. Die 19 bis 29 Jahre alten Männer hätten mit Pöbeleien eine private Feier der Opfer gestört und dann die Gewalttaten verübt.

In Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) wurde ein 36-jähriger indischer Händler Opfer eines rechtsradikalen Angriffs. Mehrere Männer griffen den Mann auf einem Flohmarkt an. Nach einer Zeugenaussage hätten sie ihn mit rechtsradikalen Rufen beschimpft und dann zusammengeschlagen; dazu sangen sie das Deutschlandlied. Der Inder musste ins Krankenhaus gebracht werden. Fünf Männer zwischen 20 und 24 Jahren wurden vorläufig festgenommen.

Vier Männer aus der Skinheadszene griffen am Donnerstag im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg eine Norwegerin an, die mit ihrem türkischen Freund und zwei weiteren Männern unterwegs war. Als der Mann seiner Freundin helfen wollte, kam es zu einer Prügelei, bei der der Türke verletzt wurde. Drei Angreifer wurden am Donnerstag, ein vierter am frühen Freitagmorgen festgenommen. Zwei von ihnen sind der Polizei bereits wegen Gewaltdelikten bekannt.

Bei zwei weiteren Vorfällen in den Berliner Bezirken Wedding und Kreuzberg wurden ein 31 Jahre alter Mann aus Guinea auf einem S-Bahnhof und ein Libanese beleidigt. Eine Gruppe von neun Männern wurde vorläufig festgenommen, die den Libanesen auf einem U-Bahnhof in Kreuzberg beleidigt hatten.

Im Berliner Bezirk Lichtenberg wurde vor dem S-Bahnhof Lichtenberg ein 14-Jähriger wegen des Zeigens des Hitlergrußes festgenommen. Bei ihm wurden ein Butterflymesser und ein Handy mit einem Hakenkreuz als Hintergrundbild gefunden; auf dem Handy waren dazu Gewaltdarstellungen gespeichert. Der 14-Jährige, der in einer Gruppe von etwa 15 Jugendlichen unterwegs war, hatte in Sichtweite einer Polizeistreife am Mittwochabend gegenüber einem vermutlich aus der Türkei stammenden Mann den Arm zum Nazi-Gruß hochgerissen.

In Lübeck (Schleswig-Holstein) hat am Donnerstag abend eine Gruppe von Skinheads mehrere Menschen angegriffen und erheblichen Sachschaden verursacht. Die betrunkenen Männer zwischen 18 und 50 Jahren seien bei einer Vatertagstour pöbelnd und randalierend durch Teile der Stadt gezogen, so die Polizei. In einer Gartenanlage hätten sie dann mehrere Menschen angegriffen und Zäune sowie Gartentüren beschädigt. 16 Männer wurden festgenommen; einige davon seien sicher der rechten Szene zuzuordnen und polizeibekannt. Sie wurden wegen Landfriedensbruchs angezeigt.

In Sömmerda (Thüringen) haben sich Rechtsradikale am Donnerstagabend eine Straßenschlacht mit der Polizei geliefert. Als die Beamten ein Fest der Gruppe auflösen wollten, bauten die Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren eine Barriere aus Sofas und Holzkisten und steckte sie in Brand. Die Polizei setzte daraufhin Reizgas ein und nahm elf Männer fest.

In Zinnowitz auf Usedom (Ostseeinsel, Mecklenburg-Vorpommern) ist ebenfalls am Donnerstagabend nach einem Fußballturnier eine Gastmannschaft aus dem niedersächsischen Wolfenbüttel von einer Gruppe Jugendlicher tätlich angegriffen worden. Unter den Opfern waren auch türkischstämmige Jugendliche; die Polizei vermutet einen ausländerfeindlichen Hintergrund des Übergriffs. Die Spieler aus Wolfenbüttel seien bereits vor Spielbeginn angepöbelt worden. Auf dem Weg zum Mannschaftsbus sei auf das Team dann eingeschlagen worden. Als sich ein Spieler zur Wehr gesetzt habe, sei die Situation eskaliert. Die Spieler seien bis ins Spielerlager Lütow-Neuendorf verfolgt worden. Als Tatverdächtige wurden unter anderen eine 17-Jährige aus Karlshagen und ein 19-Jähriger aus Peenemünde ermittelt. Die Abteilung Staatsschutz der Kriminalpolizeiinspektion Anklam hat die Ermittlungen wegen des Verdachts des politisch motivierten Landfriedensbruchs übernommen.

Bereits am Abend des vergangenen Freitag wurde im oberpfälzischen Cham (Bayern) ein 45-jähriger türkisch-stämmiger Deutscher von zwei Jugendlichen am Bahnhof der Kreisstadt angepöbelt und angegriffen. Die 15 und 16 Jahre alten Jugendlichen schlugen auf den Mann ein, der  Verletzungen am Kopf erlitt. Der 16-jährige war bereits vor sechs Wochen wegen einer ähnlichen Gewalttat festgenommen worden. Er hatte zusammen mit drei weiteren 15 bis 19 Jahre alten Rechtsextremisten einen irakischen Asylbewerber ebenfalls bei dem Bahnhof zusammengeschlagen und schwer verletzt.