| NPD / Neonazis / Europa | |||
| Ausgefallener Kongress |
|
|
|
| redok | |||
| 22.04.2007 | |||
|
Lissabon. Ein Treffen rechtsextremer Parteien aus ganz Europa, an dem auch die NPD teilnehmen wollte, ist in der portugiesischen Hauptstadt am Samstag abgesagt worden. Am Mittwoch hatte die Polizei bei Durchsuchungen in mehreren portugiesischen Städten Waffen, Munition und rassistisches Propagandamaterial sichergestellt. Gegen Parteichef Mário Machado von der portugiesischen Nationalen Front (FN) wurde Haftbefehl erlassen.
Es sollte eine "nationalistische Megakonferenz" in Lissabon werden, die am 21. April unter dem Etikett "Tag der Nationalen Jugend" von der Partei der Nationalen Erneuerung (Partido Nacional Renovador, PNR) und der Nationalistischen Jugend (Juventude Nacionalista, JN) organisiert worden war. Eingeladen und angekündigt waren zu dem Kongress mit dem Thema "Aktivismusformen in Europa" unter anderem die NPD, der französische Front National (FN), die British National Party (BNP), die Forza Nuova (Italien), Vlaams Belang (Belgien), die Partei National Orientierter Schweizer (PNOS), die Nordische Allianz (Nordiska Förbundet) aus Schweden, die rumänische Gruppe Noua Dreaptă sowie mehrere spanische Neonazi-Gruppen. Aus Deutschland waren auch Teilnehmer des "Freien Widerstandes" angekündigt, womit offenbar Vertreter des "Kampfbund deutscher Sozialisten" (KDS) gemeint waren. Der KDS-Leitungskader Thomas Gerlach hatte bereits im Vorjahr an einer Neonazi-Konferenz in Portugal teilgenommen. Beobachter hatten vermutet, der Termin des jetzt geplanten Treffens solle eine Hitler-Geburtstagsfeier ermöglichen. Ursprünglich hatten die Veranstalter noch ein Rechtsrock-Konzert geplant. Dabei sollten Gruppen aus Spanien und Portugal wie etwa eine "Brigada Totenkopf" aufspielen, zu deren Liedgut ein Titel "Für Hitler und Europa" gehört. Das Konzert wurde jedoch "aus Sicherheitsgründen" abgesagt. Wenige Tage vor dem Treffen führte die portugiesische Polizei am Mittwoch Razzien bei PNR-Aktivisten in mehreren Städten durch, bei denen Waffen und Munition gefunden wurden. Funktionäre von PNR und JN lamentierten laut einem Bericht des blick nach rechts, mit der Aktion hätten die Behörden vom Besuch des Kongresses abschrecken wollen; die Waffen-Angelegenheit sei doch eine Privatsache der Beteiligten. Am Freitag Abend kam das Aus für die "Megakonferenz". Die Veranstalter konnten nach eigenen Angaben kein Veranstaltungslokal für das Treffen finden. Bei den Razzien wurden insgesamt 27 Personen vorläufig festgenommen. Gegen drei Verdächtige wurde Hausarrest festgesetzt, für Mário Machado wurde ein Haftbefehl erlassen. Machado war bereits 1997 wegen seiner Beteiligung an der Ermordung eines Afrikaners in Lissabon zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Gewalttäter als Trauer-Redner
Der bekennende Nationalsozialist Machado, der auf seinem Arm ein tätowiertes Hakenkreuz trägt, ist auch in Deutschland kein Unbekannter. Am 11. Februar 2006 hatte Machado als Anführer einer portugiesischen Delegation am sogenannten "Trauermarsch" in Dresden teilgenommen und durfte ein "Grußwort" verlesen. Im Juni 2006 sollte er beim rechten "Fest der Volker" in Jena auftreten, das jedoch verboten wurde. Machado hatte publikumswirksam Krawalle und Gewalttaten von portugiesischen Hooligans und Skinheads gegen angolanische Fans beim Fußball-WM-Spiel Portugal-Angola angekündigt. Internationales Rechts-Treffen in SachsenVertreter der portugiesischen JN waren auch im Februar diesen Jahres zu Besuch in Sachsen. Ursprünglich wollte die NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) an diesem Wochenende einen "Europakongress" in Bernsdorf (Oberlausitz, Sachsen) abhalten, der jedoch mangels eines Veranstaltungsraums scheiterte. Stattdessen trafen sich die bereits angereisten internationalen Gäste am 16./17. Februar 2007 in den Räumen des NPD-Verlages "Deutsche Stimme" in Riesa (Sachsen) und hielten dort das mittlerweile 7. Treffen der "Europäischen Nationalen Front" (ENF) ab. Die ENF war im Jahre 2004 unter maßgeblicher Beteiligung der NPD, der spanischen Falange, der italienischen Forza Nuova und der rumänischen Noua Dreaptă gegründet worden. An dem Treffen in Riesa nahmen laut Bericht auf der ENF-Webseite über den Kreis der ENF-Mitglieder hinaus auch Vertreter der österreichischen FPÖ und der British National Party (BNP) teil. Chef der ENF ist Roberto Fiore, der Vorsitzende der italienischen "Forza Nuova". Fiore stand im Verdacht, als Mitglied der "Nuclei Armati Rivoluzionari" (NAR, Bewaffnete Revolutionäre Zellen) an dem Bombenattentat auf den Bahnhof von Bologna beteiligt gewesen zu sein. In Abwesenheit wurde Fiore 1985 zu zehn Jahren Haftstrafe verurteilt. Der Haft hatte sich Fiore entzogen, indem er in Großbritannien abtauchte. |
|||