start arrow report arrow Scharfe Waffen und Scheinhinrichtungen
Neonazis / Rechte Gewalt
Scharfe Waffen und Scheinhinrichtungen PDF Drucken E-Mail
redok   
26.04.2007
Osnabrück. Zahlreiche Waffen und Munition hat die Polizei heute bei Hausdurchsuchungen gegen die rechtsextreme Szene in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt wegen Bildung einer bewaffneten Gruppe und Verstößen gegen das Waffengesetz. Zu den Verdächtigen gehören zwei Kreisvorstandsmitglieder der NPD.

Im Raum Osnabrück (Niedersachsen) und im benachbarten Nordrhein-Westfalen wurden 30 Wohnungen durchsucht. 22 Männer und vier Frauen im Alter von 16 bis 52 Jahren stehen unter Verdacht, darunter auch zwei Vorstandsmitglieder der NPD-Kreisverbände Osnabrück und Emsland. Laut dem Osnabrücker Polizeipräsidenten Rolf Sprinkmann handelt es sich um die Kreisvorsitzenden der beiden Verbände. Einige Betroffene seien bereits polizeibekannt, so die Staatsanwaltschaft.

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Sichergestellte Waffen
(Bild: Polizei Osnabrück)

Gefunden und sichergestellt wurden bei der heutigen Razzia neben Soft-Air-Waffen auch mehrere scharfe Schusswaffen, etwa ein Kleinkalibergewehr, Pistolen und Luftgewehre. Weiterhin fanden die Polizisten Fallbomben, eine Mörsergranate ohne Ladung, Schlagringe, Wurfsterne, Macheten, Totschläger und Munition. Es werde noch geprüft, ob diese auch eingesetzt worden seien, sagte der Osnabrücker Staatsanwalt Alexander Retemeyer. Einige Waffen seien nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz verboten.

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Beschilderung im SS-Runen-Stil
(Bild: Polizei Osnabrück)

Die Verdächtigen hatten im Juli 2006 an einem Sommercamp in Wilsum bei Nordhorn (Landkreis Grafschaft Bentheim, Emsland, Niedersachsen) teilgenommen, das von der NPD, sogenannten "Freien Nationalisten" und der "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) organisiert worden war. Während dieses Lagers entstanden Digitalfotos, auf denen Teilnehmer mit Waffen posierten, paramilitärische Übungen unternahmen und Hinrichtungen nachstellten.

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Neonazi-"Humor": Judenmord als Spaß im Sommercamp
(Bild: Polizei Osnabrück)

Unter anderem ist auf den Bilder zu sehen, wie jemand einem anderen mit der Machete den Kopf abschlagen will oder einem anderen eine Pistole in den Mund hält. "Die Bilder zeigen, dass es sich nicht um ein harmloses Pfadfinderlager gehandelt haben kann", sagte Staatsanwalt Retemeyer. Ein weiteres Bild zeigt eine Tonne mit der Beschriftung "Entlausungsmittel" - offenbar eine zynische Anspielung auf den nationalsozialistischen Judenmord, der in den Vernichtungslagern vielfach als "Entlausungsaktion" getarnt worden war.

Offenbar kursierten diese Bilder in der regionalen rechten Szene, denn im Herbst 2006 konnten Ermittler diese Aufnahmen bei Razzien in Vechta, Osnabrück (beide Niedersachsen) und Lengerich (Kreis Steinfurt, NRW) sicherstellen. Die heutigen Durchsuchungen fanden in 30 Objekten in den Landkreisen Vechta, Grafschaft Bentheim, Osnabrück und Stadt Osnabrück, in Northeim sowie im Kreis Steinfurt (Nordrhein-Westfalen) statt.

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Nachgestellte Hinrichtung im Nazi-Sommerlager
(Bild: Polizei Osnabrück)

Staatsanwalt Retemeyer sagte, es habe lange gedauert, die abgebildeten Personen ausfindig zu machen und alle Durchsuchungsbefehle zu bekommen. 200 Polizeibeamte waren an der Razzia beteiligt, darunter auch etwa 40 Diensthundeführer mit ihren Sprengstoffspürhunden. Beschlagnahmt wurden laut der Osnabrücker Polizei etwa 60 Waffen im technischen Sinn und eine Vielzahl von Datenträgern.

Die Verdächtigen blieben auf freiem Fuß. Ihnen drohen im Falle einer Verurteilung bis zu zwei Jahren Haft.