| Braune Waren | |||
| Tanz' den Holocaust |
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| redok | |
| 20.05.2007 | |
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Dass Neonazi-Rockbands in ihren Songs den millionenfachen Judenmord verhöhnen oder gar feiern, ist nichts grundsätzlich Neues. Neu dagegen ist die Verwendung eines Holocaust-Mahnmales als Hintergrundkulisse für schrille Werbung. Berliner Modemacher drehten einen Werbeclip inmitten der Stelen des Berliner Denkmals für die ermordeten Juden Europas.
Wie die Welt online berichtet, haben das Modell Annabelle Mandeng und der Berliner Clubbesitzer Jesko Klatt am Holocaust-Mahnmal einen Werbefilm für ihr neues Modelabel "pureberlin" gedreht und ins Internet gestellt. Der Werbeclip, der - anders als im Bericht der Welt beschrieben - musikalisch umrahmt ist, zeigt u.a. die zwischen den Stelen des Mahnmals posierende Annabelle Mandeng. Die Mischung aus gewolltem Tabubruch zum Zwecke der Werbung und perfider Naivität belegt ein Zitat aus dem Welt-Artikel. Modell Mandeng und Clubbesitzer Jesko Klatt verstünden nämlich die ganze Aufregung nicht: "Wir finden, es ist eine positive Art, mit der Geschichte dieser Stadt umzugehen". Gewisse Arten des "legeren" Umganges mit dem Holocaust sind sonst eher von anderen "künstlerischen" Veröffentlichungen bekannt: Dass sich beispielsweise eine slowakische Band eben mal "Juden Mord" nennt und eine CD mit dem Titel "Arbeit macht frei" veröffentlicht - so lautete die Inschrift am Tor im KZ Dachau - überrascht den Kenner des neonationalsozialistischen Musiker-Verbandes "Blood & Honour" nicht weiter. Den Holocaust nicht nur zu leugnen oder zu relativieren, sondern gut zu heißen und "abzufeiern" ist eh nicht mehr das Neueste am Markt. Selbstredend werden solcherart "Musikerzeugnisse" in Deutschland strafrechtlich verfolgt. Nun aber inserieren verschiedene Musikversände eine Anfang des Jahres von der Bremer Neonazi-Band "Endlöser" herausgegebene CD mit dem Titel "Wir geben Gas!". Und um auch dem Dümmsten zu verdeutlichen, dass damit weniger an einen aktionistischen Werbe-Aufruf einer Automarke gedacht werden soll, ist auf dem Cover ein Krematorium abgebildet. Dass dieses sogar innerhalb der Szene kritisch bis negativ diskutiert wird, hat vor allem einen taktischen Hintergrund: Sieht man doch zum einen die Gefahr der Indizierung, desweiteren würden "solche Namen, Titel und Cover all das wieder kaputt [machen], was man sich Schritt für Schritt aufgebaut" habe, werde so "eine moderne neue deutsche Bewegung nicht möglich sein" - so die Szene in einem einschlägigen Internet-Forum. Was den von Ingo Knauf betriebenen V7-Records/Versand nicht daran hindert, die CD weiter zu bewerben: "Textlich geht es direkt an's "Eingemachte" und auch zwischen den Zeilen ist noch 'ne Menge drin. Der CD-Titel ist somit Programm!!!"
Die Bremer "Endlöser" greifen mit ihrem Titel auch die aus den 80ern bekannte Liedzeile "Ich geb Gas, ich will Spaß!" auf. Die Bremer meinen es mit ihrer Botschaft todernst. Aber auch die Berliner Modemacher scheinen keineswegs nur Spaß (machen) zu wollen. Auf die Frage, ob sie nach der scharfen Kritik der Jüdischen Gemeinde zu Berlin den Film aus dem Internet entfernen würden, antwortet Annabelle Mandeng in der Welt: "Nein. Wir haben unsere eigene Meinung dazu. Die würden wir ja sonst in Frage stellen". |