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Rechtsextremisten
Rege rechte Publikationstätigkeit PDF Drucken E-Mail
redok   
22.05.2007
In Rheinland-Pfalz und im Saarland erscheinen neue rechte "Schülerzeitungen", kommunale NPD-Verbände verteilen Postwurfsendungen, die "Gesellschaft für freie Publizistik (GFP)" veröffentlicht gar eine Laudatio auf den Kriegsverbrecher Erich Priebke im MP3-Format. Die rechtsextreme Szene versucht so verstärkt, unter den Jüngeren Anhänger zu werben, aber auch außerhalb des Internets publizistisch präsent zu sein.

Mit einer Erstauflage von 10.000 Exemplaren will die rheinland-pfälzische NPD eine neue Schülerzeitung herausgebracht haben. Seit gestern soll ihre Schülerzeitung "Schinderhannes" im Umfeld von Schulen verteilt werden. Ziel sei es, "mit jugendnaher Aufmachung und Themenauswahl die nationalistische Politisierung der deutschen Jugend voranzutreiben und denkende Jugendliche an die NPD zu binden", kündigt Safet Babic, stellvertretender Landesvorsitzender und Pressesprecher der NPD Rheinland-Pfalz, in einer NPD-Pressemeldung an. Mit dem Titel der Publikation nimmt die NPD auch Bezug auf das von der NPD als "Schinderhannes-Zentrum" genutzte Gebäude in Morbach-Gonzerath, das erst im April diesen Jahres geschlossen wurde. Die Schülerzeitung werde vom NPD-Landesverband Rheinland-Pfalz, dem JN-Bundesvorstand, dem NPD-Verlag Deutsche Stimme (DS) und der "Gesellschaft für freie Publizistik (GFP)" unterstützt.

Die GFP veröffentlicht ihrerseits die Vorträge des diesjährigen "Deutschen Kongresses", der vom 11. bis 13. Mai im bayerischen Bad Kissingen unter dem Motto "Geschichte und Justiz im Würgegriff der Politik" stattgefunden hatte, online und im MP3-Format. Mit dem Anhören der Vorträge könne man "die Kongreßatmosphäre hautnah miterleben" - so die GFP. Auch die Laudatio auf den diesjährigen Preisträger des von der GFP ausgelobten "Hutten-Preises" - den in Italien zu lebenslanger Haft verurteilten früheren SS-Offizier Erich Priebke - kann sich der Interessierte und Umworbene anhören.

Die Vorträge wie auch die Laudatio auf den von der GFP als "Kriegsgefangenen" bezeichneten Priebke sind auf den Webseiten des "Parlamentarischen Beraters" der sächsischen NPD-Fraktion Olaf Rose abzurufen. Einem Bericht der Nachrichten aus Hassfurt zufolge hatte Priebke der Preisverleihung in Unterfranken per Liveschaltung aus Rom beigewohnt. Dieser sollte "im fernen Rom spüren, daß es noch immer eine große Zahl aufrechter Deutscher gibt, denen das Schicksal ihres Landes nicht gleichgültig ist", so der GfP-Vorsitzende Andreas Molau in seinem Editorial auf der GFP-Webseite.

Erneut kündigt auch der NPD-Landesverband Saarland eine Schülerzeitung an. Die Publikation mit dem Titel "Rechts vor Links" solle diese Woche in Saarbrücken, Völklingen, Lebach, Saarlouis und Neunkirchen verteilt werden. Der NPD-Landesvorsitzende und Initiator der Schülerzeitung Frank Franz hatte nach eigener Aussage "die Jugendarbeit [...] zur Chefsache erklärt". Die Jugend hielte "die Zukunft Deutschlands in der Hand. Sie entscheiden darüber, ob unsere Kultur von McDonalds, 'Deutschland sucht Superstars' und einer US-amerikanischen Kriegslust verdrängt" würde.

Im Vorfeld der Kommunalwahlen regt sich die extreme Rechte in Bayern vor allem in der Provinz. Eine rechtsextreme Schülerzeitung im oberpfälzischen Raum Weiden gibt es bereits, nun machte der NPD-Kreisverband Amberg-Neumarkt am vergangenen Wochenende zum zweiten Mal mit einer Postwurfsendung auf sich aufmerksam. Diese "Neumarkter Stimme", für die der NPD-Bezirksvorsitzende Heidrich Klenhart verantwortlich zeichnet und die man auch im Internet erhält, gibt sich Mittelstands-freundlich, globalisierungskritisch und ist gewohnt ausländerfeindlich.