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Neonazis / Rechte Gewalt
Überfall auf Anti-Nazi-Verein PDF Drucken E-Mail
redok   
07.07.2007
Wurzen. In der vergangenen Nacht ist ein Mitarbeiter des "Netzwerkes für demokratische Kutur e.V." (NDK) in Wurzen (Sachsen) von offenbar rechtsextremen Tätern in den Vereinsräumen überfallen worden. Die Täter stahlen einen Laptop und einen Aktenordner mit 1.300 Unterschriften von Bürgern, die sich nach einem Bombenanschlag auf das NDK mit dem Verein solidarisch erklärt hatten.

Gegen 0.30 Uhr betraten drei mutmaßlich der rechtsextremen Szene zugehörige Männer das Vereinshaus des externer LinkNDK am Wurzener Domplatz, teilte der Verein heute mit. Einer der Männer trug ein T-Shirt der Neonazi-Band "Skrewdriver". Zu diesem Zeitpunkt befand sich noch ein ehrenamtlicher NDK-Mitarbeiter in den Büroräumen.

Mehreren Aufforderungen, das Haus zu verlassen, widersetzten sich die Männer. Als der NDK-Mitarbeiter die Polizei rufen wollte, versuchte einer der Männer ihn zu würgen. Der Mitarbeiter konnte jedoch fliehen.

Von den drei Männern wurden ein Laptop, Kleingeld aus der Kaffeekasse sowie ein Aktenordner entwendet. Der Aktenordner enthielt die Unterschriften von rund 1.300 Wurzener Bürgerinnen und Bürgern, die sich nach dem Bombenanschlag auf das NDK im November 2004 mit dem Verein solidarisch erklärt hatten. Der Mitarbeiter erstattete Anzeige bei der Polizei.

Die Band Skrewdriver besitzt seit dem Tod ihres Sängers Ian Stuart Donaldson 1993 Kultstatus in rechtsextremen Kreisen. Donaldson war an der Gründung der rechtsextremen Netzwerke "Rock against Communism" und "Blood & Honour" beteiligt.

Das Wurzener NDK hat seit Jahren Erfahrungen in der Arbeit gegen Rechtsextremismus gesammelt und ist für seine Aktivitäten mehrfach ausgezeichnet worden. Dennoch wurde es von der zuständigen Kreisverwaltung des Muldentalkreises erst vor kurzem von der Beteiligung an einem "Lokalen Aktionsplan" im Rahmen des neu aufgelegten Bundesprogramms "Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie" und von der Vergabe von Fördermitteln ausgeschlossen. Eben jene Kreisverwaltung war erst im Mai spektakulär aufgefallen, als NPD-Funktionäre einen Förderantrag aus genau diesem Anti-Nazi-Topf beantragen wollten und vom Landrat Dr. Gerhard Gey zu einem Gespräch empfangen wurden.

Ein konkreter externer LinkFörderantrag wurde erst jüngst vom Landkreis abgelehnt. Der Grund: in einer beratenden Sitzung hatte ein NDK-Mitarbeiter es gewagt, die kritischen Einschätzungen vom Bundesministerium und anderen Experten zur Lage in Wurzen wiederzugeben. Die Folge der Ablehnung: Einem Mitarbeiter des NDK musste inzwischen gekündigt werden.