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NPD / Neonazis
NPD feiert Rathenau-Mörder PDF Drucken E-Mail
redok   
26.07.2007
Bad Kösen. Auf der Burg Saaleck trafen sich am vergangenen Samstag 120 NPD-Anhänger und partei-ungebundene Neonazis, um die Mörder von Walter Rathenau zu feiern. Die beiden Freikorps-Männer hatten 1922 den damaligen Reichsaußenminister in Berlin auf offener Straße erschossen.

Der 23-jährige Erwin Kern und der 26-jährige Hermann Fischer, beide Mitglieder der Freikorps-Truppe "Marinebrigade Erhardt", hatten am 24. Juni 1922 den Außenminister mit drei Kopfschüssen umgebracht. Vorher kursierte in deutschnationalen und rechtsextremen Kreisen ein Hetzlied, das in den Zeilen gipfelte: "Knallt ab den Walther Rathenau, die gottverdammte Judensau!“

Die beiden Mörder konnten sich auf die Burg Saaleck nahe Bad Kösen (Sachsen-Anhalt) flüchten, wo sie jedoch am 17. Juli von der Polizei aufgespürt wurden. Kern wurde bei einem Schusswechsel von einer Polizeikugel tödlich verletzt, Fischer brachte sich selbst um. Sie wurden auf dem Friedhof der damaligen Gemeinde Saaleck begraben, die heute zu Bad Kösen gehört.

Ab 1933 wurden die Mörder von den Nazis als "Vorkämpfer deutscher Freiheit" bejubelt, die "ein rassefremdes Element ausmerzten". Das Grab wurde mit einem kubikmeter-großen Stein versehen, einem Geschenk des "Führers" Hitler.

Nach 1990 reisten wieder Nazis an, um die Nähe der braunen Märtyrer-Stätte zu nutzen; das Grab der beiden Mörder wurde jedes Jahr mit Blumen und Kränzen geschmückt. Dann beschloss die Kirchengemeinde, den Stein vom Grab abräumen zu lassen. Im Januar 2000 entfernte eine Bundeswehr-Einheit als "Pionier-Ausbildungseinsatz" den Stein. Die neurechte "Junge Freiheit" schwadronierte nach der Stein-Entfernung über die Mörder, "deren Vorgehen zweifelsohne als feige, deren Tat als verbrecherisch, deren patriotische Motive aber als ehrenwert anerkannt werden können".

Dennoch ehrt die regionale Naziszene die Mörder des Außenministers weiterhin jeweils im Juli auf der Burg Saaleck - was von den Rechtsextremen aber bisher nicht in großem Rahmen öffentlich beworben wurde. Allenfalls die eine oder andere örtliche Neonazi-Kameradschaft dokumentierte ihre "Gedenkfeier".

In diesem Jahr dagegen hielten sich die Neonazis zumindest nach ihrem Treffen zur Mörder-Feier publizistisch nicht zurück. Angeblich waren die sächsischen "Kameraden", die als Boykotteure den Hamburger Christian Worch in Leipzig im Stich gelassen hatten, wegen eben jener Mörder-Feier verhindert. Das Treffen auf der Burg Saaleck sei als "Pflichtveranstaltung" eben wichtiger gewesen als der Worch-Kleinstaufmarsch, so behaupteten jedenfalls unter anderem Thomas Gerlach (Meuselwitz, Landkreis Altenburger Land) und "Michi" alias Maik (Mike) Scheffler, der in Delitzsch den "Front-Versand" betreibt.

Organisiert worden war das Treffen offenbar von Gliederungen der NPD Sachsen-Anhalt beziehungsweise ihrer Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN). Verantwortlich für die Durchführung der "Gedenkveranstaltung" soll die JN Halle gewesen sein.

Vor Ort kamen die Neonazis jedoch nicht recht zum Zug, denn bei starker Polizeipräsenz gelangten sie nicht in die Burgruine selbst. Die im Biergarten der naheliegenden Gaststätte abgehaltene "Gedenkfeier" für die Minister-Mörder wurde bald von der Gastwirtin untersagt; die Polizei erteilte Platzverweise für die Truppe.

Neonazis aus Hof (Oberfranken) zeigten sich wenig glücklich über den Verlauf der NPD-gesteuerten "Gedenkfeier": So soll dort "ein trostloser Laubkranz einfach in den Raum geworfen" worden sein, die Redner seien mit "Plastiktüte,VoKuHiLa-Frisuren und Sandalen" aufgetaucht.

Bei der NPD selbst las sich das ein wenig anders. In einer auf der Webseite des Landesverbandes Sachsen-Anhalt veröffentlichten Erklärung des NPD-Kreisverbandes Burgenland heißt es heute, an der Veranstaltung hätten "Kameraden der Ortsbereichsgruppen Weißenfels, Bad Kösen, Laucha-Finne und Zeitz sowie Kameraden aus Halle und Merseburg" teilgenommen. "Diszipliniert" hätten sie sich nach dem Platzverweis auf den Weg gemacht, doch vorher hatten sie bereits die Mörder gefeiert, die "mit dem Satz 'Wir sterben für unsere Ideale! Andere vollenden das Werk!' ihr junges Leben lassen mussten", so die NPD-Erklärung. Offenbar sieht sich die NPD Sachsen-Anhalt berufen, das Werk der Minister-Mörder zu vollenden.