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NPD / Immobilien / Europa
Ein Landgut für die NPD PDF Drucken E-Mail
redok   
28.07.2007
Rauen. Auf der Suche nach einer Immobilie für ein Schulungszentrum ist die Brandenburger NPD offenbar fündig geworden. Für ein Landgut mit 20 Hektar großem Grundstück in Rauen (Landkreis Oder-Spree) ist bereits ein Kaufvertrag unterzeichnet. Käufer ist offiziell die Ehefrau des führenden NPD-Funktionärs Andreas Molau, die als Bevollmächtigte einer schwedischen Organisation handeln soll. Molau selbst ist Vorstandsmitglied einer dubiosen Stiftung mit Sitz im schwedischen Jönköping, die von einem als Wirtschaftskriminellem aufgefallenen schwedischen Geschäftsmann geleitet wird.

Nach gleichlautenden Informationen der Märkischen Oderzeitung und des Tagesspiegel handelt es sich bei dem Objekt um den ehemals als Hotel genutzten und zur Zeit leer stehenden "Hof Johannesberg", der als "Landhaus Rauen" drei Einzelzimmer und sieben Doppelzimmer im Angebot hatte. Zwar hat die Anlage auch eine Sauna und ein Außenschwimmbecken, preislich war der Gastbetrieb aber eher in der unteren Kategorie angesiedelt. Auch eine ausgebaute Scheune gehört zu dem Anwesen, die bis vor wenigen Jahren als Discothek "Marmorscheune" genutzt wurde und nun als Tagungssaal geeignet wäre.

Der Ort in der Nähe von Fürstenwalde liegt günstig für Rechtsextreme sowohl aus Brandenburg wie auch aus Berlin: bis zum unweit der Autobahn 12 gelegenen Rauen sind es von Berlin gerade mal 70 Kilometer und 40 Kilometer von Frankfurt/Oder. Die von hohen Mauern und Hecken umschlossene und kaum einsehbare Anlage dürfte rechtsextremen Funktionären das Gefühl von Ungestörtheit vermitteln. Auch das politische Umfeld passt für die NPD: Seit 2003 sitzt die NPD mit zwei Abgeordneten im Kreistag.

Einer der beiden Kreisräte ist Klaus Beier, zugleich Partei-Landesvorsitzender und Bundes-Pressesprecher der NPD. Von der Märkischen Oderzeitung nach dem Kauf gefragt, wiegelte Beier noch ab: Zwar stehe ein Kauf für ein Schulungszentrum kurz vor dem Abschluss, doch das Rauener Landgut schloss er "definitiv" aus. Erst Ende August wolle die NPD sich offiziell äußern. Dagegen will der Tagesspiegel wissen, dass der Kaufvertrag bereits unterschrieben ist, allerdings ist demnach der Eigentümerwechsel noch nicht im Grundbuch eingetragen.

In den letzten Tagen hatte es erneut Ankündigungen über einen baldigen Immobilienkauf zugunsten der NPD gegeben. Im Raum Fürstenwalde kursierten bereits seit mindestens zwei Wochen Gerüchte über einen Ankauf der Anlage. Durchweg wurde jedoch ausgeschlossen, dass die NPD selbst als Käufer auftreten könne: weder verfüge sie über genügend Mittel noch könne sie davor sicher sein, dass ihr angesichts ihrer Verschuldung eine Immobilie weggepfändet würde.

Tatsächlich heißt es jetzt, dass eine Privatperson als Käufer in Erscheinung tritt: die Ehefrau des NPD-Funktionärs Andreas Molau hat demnach das "Gut Johannesberg" erworben. Nach Informationen der Märkischen Oderzeitung soll sie dabei "als Bevollmächtigte einer schwedischen Firma gehandelt" haben.

Da trifft es sich nicht zufällig, dass Molau nicht nur in Deutschland Bundesvorstandsmitglied der NPD und deren Spitzenkandidat bei den Landtagswahlen Niedersachsen (Januar 2008) ist, sondern auch Vorstandsmitglied einer dubiosen Stiftung "Kontinent Europa" mit Sitz im schwedischen Jönköping. In dieser Stiftung haben neben Molau auch einige andere bekannte deutsche Rechtsextremisten das Sagen, so etwa der Verleger Gert Sudholt, die revisionistischen Historiker Walter Post und Olaf Rose, der "Rudolf Heß"-Filmemacher Michael Vogt sowie Pierre Krebs vom "Thule-Seminar".

Über den Gründer der Stiftung, Patrik Brinkmann, wissen Kenner der skandinavischen Rechtsaußen-Szene zu berichten, dass er den schwedischen Behörden bereits als Wirtschaftskrimineller aufgefallen ist. Der Geschäftsmann Brinkmann wurde im Mai 2006 in erster Instanz vom Bezirksgericht in Uppsala wegen Steuerhinterziehung zu einer Gefängnisstrafe und Berufsverbot verurteilt; eine Berufungsverhandlung soll in diesem Jahr stattfinden.

Jedenfalls dürfte Brinkmann mit seiner Stiftung über genügend finanzielle Ressourcen verfügen, um ein Anwesen im Landkreis Oder-Spree zu finanzieren. Das rechtsextreme Geschäftsmodell einer Stiftung mit Sitz im Ausland, die Immobilien für deutsche Neonazis erwirbt, ist im übrigen durchaus bekannt: vorgemacht hat es der Hamburger Anwalt Jürgen Rieger, dessen "Wilhelm-Tietjen-Stiftung" vor drei Jahren den Heisenhof in Dörverden (Niedersachsen) und das Schützenhaus im thüringischen Pößneck kaufte.