| NPD / Immobilien / Europa | |||
| Schwedische Firma gehört NPD-Kader Molau |
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| redok | |
| 31.07.2007 | |
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Rauen. Die schwedische Firma, die im brandenburgischen Rauen ein Landgut gekauft hat, gehört dem niedersächsischen NPD-Funktionär Andreas Molau. Offenbar ist seine Ehefrau als "Bevollmächtigte" für den Kauf vorgeschickt worden, um die Angelegenheit ohne großes Aufsehen abwickeln zu können. Die NPD dementierte erneut, in Rauen ein Schulungszentrum einrichten zu wollen, doch die Hinweise auf einen einschlägig rechtsextremen Hintergrund des Kaufs verdichten sich.
Das knapp 20 Hektar große Grundstück inklusive Hof, der bis vor zwei Jahren als Landhotel genutzt wurde, und ehemaliger Diskothek "Marmorscheune" soll die Molaus etwa 200.000 Euro gekostet haben. Als "Bevollmächtigte einer schwedischen Firma" war Gonda Molau aufgetreten, Ehefrau des NPD-Präsidiumsmitglieds Andreas Molau. Diese Firma hat ihren Sitz zwar in erheblicher Entfernung vom niedersächsischen Heim der Molaus, gehört aber Andreas Molau, wie die Märkische Oderzeitung in ihrer heutigen Ausgabe berichtet. Demnach hat die schwedische Außenhandelskammer dem Blatt bestätigt, dass Molau Eigentümer der Firma "Hof Johannesberg, Landhaus Rauen" mit Sitz in Jönköping sei. Eine Vorgängerfirma sei unter dem Namen "Startplattan" (deutsch: Startplattform) mit Sitz im schwedischen Göteborg ansässig gewesen. Kaum aus Zufall ist Jönköping auch Sitz der "Kontinent Europa Stiftung", der Molau als Vorstandsmitglied angehört. Deren Gründer Patrik Brinkmann, der sich unter anderem auch im Immobiliengewerbe betätigt hatte, war im Mai 2006 von einem Gericht in Uppsala wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden und hatte nach dem Prozess seine geschäftlichen Aktivitäten an seine Ehefrau Svetlana und deren Kinder abgegeben. Ein NPD-Sprecher bestritt nach Angaben der Zeitung erneut, dass die Partei ein Schulungszentrum in Rauen einrichten wolle; für solche Zwecke bevorzuge man Objekte im Norden Brandenburgs. Jedoch soll der Berliner NPD-Vorsitzende Eckart Bräuniger bereits mehrfach auf dem Gelände gesehen worden sein, wie die Berliner Zeitung gestern berichtete. Die Zufahrt zu dem Anwesen ist seit wenigen Tagen abgesperrt; Verbotsschilder warnen vor dem Betreten des Grundstücks. Nach Augenzeugenberichten sollen scharfe Wachhunde auf dem Gelände im Einsatz sein. Dass die Familie Molau das Anwesen als privaten Wohnsitz nutzen könnte, ist kaum anzunehmen. Eine Firma im schwedischen Jönköping eigens zum Erwerb beziehungsweise Betrieb eines Landguts zu privaten Zwecken zu betreiben scheint unwahrscheinlich. Molau tritt zudem im Januar 2008 als Spitzenkandidat der NPD bei der Landtagswahl in Niedersachsen an. Politisch hat er sich insbesondere für seine nähere Heimatregion um Wolfenbüttel einiges vorgenommen; insbesondere die Belegschaft der Volkswagen-Werke in Wolfsburg hat es ihm als Zielgruppe für die NPD-Agitation angetan. Im NPD-Präsidium ist Molau, ehemals Lehrer an einer Waldorf-Schule, für Bildung zuständig; damit wäre er der geeignete Funktionär für die Einrichtung eines Schulungszentrums. Unfertiges Dauerprojekt "NBZ"Seit den 1970er Jahren hatte die NPD ein geerbtes Haus im norditalienischen Iseo am idyllischen Lago d'Iseo als Schulungszentrum genutzt. Das Haus in der Lombardei wurde einige Jahre von Udo Voigt geleitet. Der spätere Parteivorsitzende schwärmte noch vor wenigen Jahren von den Erfolgen seiner Schulungen bei den Teilnehmern: "Die meisten sitzen heute in führenden Positionen". Anstelle des Hauses im südlichen Ausland, das in den 1990er Jahren abgestoßen wurde, plante die NPD den Aufbau eines "Nationaldemokratischen Bildungszentrums" (NBZ) bei ihrer Parteizentrale, die seit Februar 2000 in Berlin-Köpenick ansässig ist. Doch damit ging es nicht recht voran, auch wenn Parteichef Udo Voigt der Berliner Zeitung schon im März 2001 verkündete, es sei "ein Bildungszentrum nahe Berlins errichtet worden". Im März 2003 wurde eine Baugenehmigung für den Umbau einer Remise auf dem Gelände der Parteizentrale an der Seelenbinderstraße erteilt. Auf dem Hinterhof sollte ein zweistöckiges Gebäude entstehen, das auf 300 Quadratmetern unter anderem einen Schulungsraum für 60 Personen und Unterkünfte für 20 und 25 Seminarteilnehmer bieten sollte; dazu eine Bibliothek für 5.000 Bücher ("nationale Zentralbibliothek"). Der Bau sollte damals 180.000 Euro kosten, doch im August 2003 fehlten noch 50.000 Euro. Das fehlende Geld sollte über Spenden aufgebracht werden, zu denen die Partei ihre Anhänger aufrief. Doch offenbar kam damit nicht genug zusammen, denn im Dezember 2003 fehlten nach Angaben des Parteisprechers Klaus Beier noch immer 25.000 Euro. Dann sollte das "NBZ" im Sommer 2004 fertig sein; dazu rief die Partei ihre Anhängerschaft sogar zu Arbeitseinsätzen auf. Aber im Oktober 2004 musste Udo Voigt auf dem Bundesparteitag der NPD die scharfe Forderung formulieren: "Das Bildungszentrum in Berlin ist unverzüglich fertigzustellen". Längere Zeit war vom "NBZ" nichts zu hören, doch dann hieß es schließlich im November 2006 nach dem Bundesparteitag in Berlin in einer Mitteilung des NPD-Parteivorstands: "Mit dem Amt Bildung verlagert Molau seinen Arbeitsschwerpunkt von der Deutschen Stimme in die Berliner Parteizentrale und das dortige neu errichtete Bildungszentrum." Außerdem sollte der frisch ins Partei-Präsidium gewählte Molau dem Ex-Schulungsleiter Voigt als "wissenschaftlicher Mitarbeiter" zur Seite stehen. Nun hat der Bildungs-Beauftragte der Bundes-NPD Andreas Molau ein Anwesen gekauft, das den Parteischülern ein wenig mehr Iseo-Idylle statt Hinterhof-Tristesse bieten könnte. Mag das Geld dafür auch aus Schweden kommen: eingesetzt werden wird es kaum für dort formulierte wolkig-europäische Zwecke, sondern eindeutig im Parteiinteresse der NPD. |