| NPD / Immobilien | |||
| Bildungswerk im "Strombett des Volkes" |
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| ak | |
| 31.07.2007 | |
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Rauen. Nach Tagen der Dementis und vorgeblicher Unkenntnis der NPD hat nun der Parteifunktionär Andreas Molau zugegeben, dass er das "Gut Johannesberg" in Rauen gekauft hat. Eine NPD-Schulungszentrale soll dort aber laut Molau nicht eingerichtet werden, denn der frühere Lehrer an einer Waldorfschule will dort etwas für die Familienbildung tun, sagt er.
"Deutsch zu sein ist natürlich zunächst einmal Schicksal", verriet Molau vor einem Jahr dem fundamentalistischen "Muslim-Markt" im Interview, und legte mit einem angeblichen Zitat des Anthroposophen-Übervaters Rudolf Steiner nach: "Man wird in das Strombett seines Volkes hereingeboren und ist damit schicksalhaft mit diesem verbunden". Heute erinnerte sich Molau wieder an seine Waldorf-Zeit und präsentierte der erstaunten Öffentlichkeit seine Pläne für das Landgut, das seine Ehefrau Gonda vor kurzem gekauft hat. Nachdem allzu offensichtlich war, dass keine anonyme schwedische Firma der neue Besitzer des "Landhaus Rauen" ist, sondern niemand anders als der Firmenbesitzer Andreas Molau, blieb dem Funktionär nur noch die Flucht nach vorn. Eine Presseerklärung aus dem Hause Molau bestätigte heute Mittag den Erwerb des Anwesens. Die Mitteilung sollte Erleichterung verschaffen, doch für Ruhe an der Landgut-Front sorgte sie nicht. Keineswegs sollten dort NPD-Kader geschult werden, hieß es, sondern nun sei Molau "in der Lage, ein neues Waldorflandschulheim auf dem Gut 'Johannesberg' zu eröffnen", und er betitelte: "Rauen soll Waldorfschule erhalten". Mediennachfragen alarmierten den "Bund der Freien Waldorfschulen" in Stuttgart, dessen Geschäftsführer Christian Boettger solcherlei Vorhaben durchkreuzte: Der Verband habe "das Namensrecht schützen lassen, um Namensmissbrauch zu verhindern". Molau sei demnach keineswegs in der Lage, ein derart benanntes Landschulheim zu eröffnen. Dass schulische Einrichtungen in Deutschland beim zuständigen Landes-Bildungsministerium überdies beantragt und genehmigt werden müssen, war dem ehemaligen Lehrer Molau in der Eile wohl auch entgangen. Ein Pressegespräch folgte dem anderen, und Molau zeigte sich dabei in Bezug auf seine Pläne merkwürdig verwaschen. Gegenüber NDR Info sprach er von einem "Schulungs- und Ferienheim für 'national gesinnte' Familien 'im Stile einer Waldorfschule'", dann sprach er von einem "Bildungswerk für völkisch orientierte Familien", und dem Tagesspiegel erzählte er von einer "Bildungseinrichtung mit Projekten im nationalen Bereich".
Offenbar hatte Molau gemeint, solche Mitteilungen könnten beruhigend wirken angesichts von Befürchtungen einer NPD-Schulungszentrale. Doch die Molau-Interpretation des Waldorf-Gründers Rudolf Steiner lässt keinen Zweifel, welcher Art sein spezieller "Stil der Waldorfschulen" sein würde: "Rudolf Steiner hat viel nationaler gedacht, als dies die Waldörfler heute zugeben wollen", so Molau in der NPD-Wahlkampfzeitung für Niedersachsen. Die "Waldörfler" hätten "einfach Angst, in die braune Ecke gestellt zu werden". Dass in Rauen mehrfach der als Kroatien-Söldner erfahrene Berliner NPD-Chef Eckart Bräuniger gesichtet wurde, der gleich häufigere künftige Besuche angekündigt haben soll, will auch nicht recht zum weichgespülten Waldorf-Image passen, das Molau seinem neuen Besitz verpassen möchte. Bräuniger war vor drei Jahren schon mal zu einer Landpartie im Brandenburgischen unterwegs: ein Spezialeinsatzkommado der Polizei nahm ihn bei einer illegalen Wehrsportübung fest, wie die Märkische Allgemeine berichtet. Heute behauptete Molau, seinen Posten als stellvertretender Chefredakteur der NPD-Postille "Deutsche Stimme" habe er vor kurzem an den Nagel gehängt, um die unter einer schweren Finanzkrise darbende Partei zu entlasten. Deshalb müsse er sich nun um "eine berufliche Perspektive" kümmern. Tatsächlich aber war Molau bereits im November 2006 ausdrücklich mit der Maßgabe in das höchste Parteiorgan, das NPD-Präsidium, gewählt worden, "seinen Arbeitsschwerpunkt von der Deutschen Stimme in die Berliner Parteizentrale und das dortige neu errichtete Bildungszentrum" zu verlagern. Doch das im Hinterhof der Parteizentrale in Berlin-Köpenick angefangene "Nationaldemokratische Bildungszentrum" (NBZ) wird seit Jahren nicht richtig fertig, und so lässt sich der aktuelle Landgut-Kauf durchaus als Erfüllung des Partei-Beschlusses vom vergangenen November lesen. Dunkel blieb jedenfalls auch die Molau-Antwort auf die Frage des Tagesspiegel nach den Geldgebern für das Landgut, das immerhin rund 200.000 Euro gekostet hat und das noch mit einer Steuerschuld von 20.000 Euro belastet sein soll: "Investoren" seien da im Spiel. Doch selbst wenn das "Gut Johannesberg" nicht unter der NPD-Fahne geführt würde, wäre das "Bildungswerk für Familien" unter Molau-Führung kaum ein Anlass zum Aufatmen. Denn damit würden nicht nur bereits eingefleischte Neonazis für ihr weiteres Tun geschult, sondern auch Kinder würden ins "Strombett des Volkes" geworfen. In diesem "Strombett" tummeln sich allerlei zwielichtige Gestalten. Denn der sanftmütig blickende Molau, bekennender Fan des Klampfenbarden Reinhard Mey und ehemals bei der "Psychologischen Verteidigung" der Bundeswehr ausgebildet, hat auch durchaus andere Freundeskreise: Erst am vergangenen Samstag marschierte Molau in trauter Eintracht bei einer Demonstration im niedersächsischen Bad Nenndorf zusammen mit den bereits mehrfach unter anderem wegen Körperverletzung (in einem Fall mit Todesfolge) verurteilten Nazi-Schlägern Marcus Winter, Marco Siedbürger und Arwid Strelow. Über die "Nationale Offensive Schaumburg" (NOS) dieser drei Gewalttäter sagte Molau: "Die gehört mit zu den Kameradschaften, denen wir hier die Hand gereicht haben und die unsere Ziele mit vertreten." |