aufgelesen
Im Blätterwald vom 24.09.2007 | Spiegel | |||
| Im Blätterwald vom 24.09.2007 |
|
|
|
| ak | |
| 23.09.2007 | |
|
Heute aufgelesen: Ein Fotoalbum vom Auschwitz-Personal bei heiterer Freizeitgestaltung taucht auf und wird veröffentlicht. Beim "Deutschen Nachrichten-Magazin" DER SPIEGEL aus Hamburg wird daraus eine Attacke auf die Alliierten.
Karl Höcker war Adjutant des Lagerkommandanten in Auschwitz, und er fotografierte gern. SS-Männer und -Frauen hatte er bei der Erholung vom Massenmorden aufgenommen und 116 Bilder in einem Album gesammelt. Höcker wurde im August 1965 im Frankfurter Auschwitz-Prozess zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt und 1989 vom Landgericht Bielefeld wegen seiner Tätigkeit im Lager Majdanek zu weiteren vier Jahren Haft.
Jetzt ist dieses Album nach Jahrzehnten aufgetaucht und wird
Daraus kann man journalistisch vielerlei machen; die meisten Veröffentlichungen befassen sich mit Stichworten wie der "Banalität des Bösen" oder setzten es in Kontrast zum bereits seit längerer Zeit bekannten Einen anderen Akzent setzt der morgen erscheinende SPIEGEL (Untertitel: "Das Deutsche Nachrichten-Magazin"). Autor Klaus Wiegrefe nimmt sich des Themas an und fragt bereits im zweiten Satz: "Aber weshalb hat ein US-Geheimdienstler die Bilder jahrelang zurückgehalten?" Und dann ergibt sich für den Spiegel-Redakteur ein weiteres Verdachtsmoment: "Obwohl der Mann verstorben ist, gibt das Museum seine Identität nicht preis". Das kann ja nur Schlimmes bedeuten: "Sollte das zutreffen, stellt sich die Frage, warum er die Fotosammlung nicht den für Strafverfolgung zuständigen Behörden der U. S. Army übergab. Wollte das CIC, welches im aufkommenden Kalten Krieg immer wieder mit SS-Schergen kooperiert hat, bestimmte Täter schützen? Oder ist der Umgang mit dem Album nur ein weiteres Beispiel für das zunehmende Desinteresse, mit dem die Alliierten die Verfolgung von NS-Verbrechern betrieben?"
Und so wird die Sichtbarmachung der Nazi-Mörder zur Attacke gegen "die Alliierten" genutzt. Unerwähnt bleibt dagegen im SPIEGEL, dass eben jener Karl Höcker in seinem Heimatort im ostwestfälischen Engershausen nach 1946 ganz unauffällig und normal als Bankangestellter tätig war, ja sogar nach Verbüßung seiner ersten Haft aufgrund des Auschwitz-Urteils wieder bei seiner alten Bank eingestellt wurde. Über dieses "Die Mörder sind unter uns" wird beim SPIEGEL geschwiegen; um das zu erfahren, muss man dann beispielsweise die
In dem Artikel bezieht sich Wiegrefe ausgerechnet auf ein Bändchen der ansonsten als wissenschaftliche Fachautorin tätigen Sybille Steinbacher, das mit seinen 128 Seiten als doch eher populäre Darstellung gelten muss. Über das Buch schreibt der Aber das macht nichts, wenn ein SPIEGEL-Autor Auschwitz dazu benutzen kann, den Alliierten eins auszuwischen.
Denn damit hat Wiegrefe Erfahrung. Im SPIEGEL 27/2005 (04.07.2005) ließ er sich Diese "neuen Papiere" waren zwar nichts anderes als eine Fälschung, die von dem Briten Martin Allen unters Volk gebracht wurde ("Das Himmler-Komplott 1943-1945", erschienen im rechtsextremen Druffel-Verlag) und seitdem landauf-landab von den üblichen Verdächtigen aus den Kreisen der "National-Zeitung" ("sensationelle Neuerscheinung") oder der NPD als Neuschreibung der Zeitgeschichte gefeiert wird. Mit dem Machwerk fanden Allen und sein Verleger Gert Sudholt auch Aufnahme und Erwähnung im Jahresbericht 2005 des Bundesamtes für Verfassungsschutz.
Nur Pech für den SPIEGEL, dass zwei Tage vor dem Erscheinungsdatum des Heftes der britische Telegraph in einer Artikelserie die Nun also ein Auschwitz-Photoalbum, dessen Echtheit nicht in Frage steht. Man muss schon ziemlich erfahren in seinem Gewerbe sein, um auch selbst daraus noch so eine Geschichte gegen die Alliierten zu machen. |