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Heute aufgelesen: No-go-Area in Cottbus - gibt's nicht, meint
die Polizei; Ausländer fürchten dagegen um ihr Leben. Eine Spurensuche
nach Ursachen des Hasses in Ostdeutschland - gibt es etwa Go-Areas? Auf
Lesereise in Ost und West konnte Toralf Staud seine zentrale These
bestätigt sehen; er sieht aber auch Beispiele, dass nicht alles
schlimmer wird. Was wissen wir über den Holocaust - zwei Jahrzehnte
nach dem "Historikerstreit"?
In der Zeit schaut Florian Klenk nach, ob Cottbus eine No-go-Area ist.
Polizisten meinen, dass "Ausländer ganz normal durch die Straßen gehen
können". Die sehen das ganz anders: vom Uni-Campus wagt sich kaum noch
einer in die Stadt, wo sie nicht selten blutig geprügelt werden.
"Schlimme Einzelfälle, die von den Medien hochgepuscht werden", meint
die Vertreterin des Akademischen Auslandsamts. Aber nicht nur Ausländer
sind Opfer von "Einzelfall"-Prügelorgien: auch Künstler, Politiker,
Sportler, linksalternative Jugendliche und die jüdische Gemeinde wurden
in den vergangenen Wochen attackiert. Die Chefreporterin der Lausitzer
Rundschau: "Die Nazis bewegen sich kackfrech in unserer Stadt".
Ebenfalls in der Zeit wendet sich Evelyn Finger gegen den Begriff der No-go-Area
: als ob der große Rest des Landes außerhalb umgrenzbarer Bezirke eine
friedvolle Go-Area sei. Auf der Suche nach Ursachen der
fremdenfeindlichen Gewalt findet sie im Osten die Folgen einer
altsozialistischen Erblast, nämlich die "Gewissheit, im »schlechteren«
Teil Deutschlands zu leben, nachdem einem vor 1989 eingeredet wurde,
das »bessere« Deutschland zu sein".
Im gleichen Blatt berichtet der frühere Zeit-Redakteur Toralf Staud, Autor des Buches "Moderne Nazis", über seine Lesereisen in Ost und West
. Zentrale These seines Buches: "Gefahr von den »modernen Nazis« droht
nicht in den Parlamenten, sondern durch eine »Faschisierung der
ostdeutschen Provinz«. Neonazis - ob innner- oder außerhalb der NPD -
organisieren Drohungen und Gewaltaktionen gegen die Veranstaltungen;
rudelweise versuchen sie, in die Lesungen zu gelangen und sie zu
dominieren. "Wortergreifungsstrategie" heißt das bei der NPD. Aus
Wurzen bringt Staud eine gute Nachricht: Dort hat das "Netzwerk
Demokratische Kultur", die örtliche Bürgerinitiative gegen
Rechtsextremismus, ein eigenes Domizil bezogen und trotzt damit
Anfeindungen und Anschlägen. Immer noch sieht er Probleme des Umgangs
mit den Nazis bei Politik und Polizei, doch gebe es etwas von Wurzen zu
lernen: "Den Nazis trotzen".
Und schließlich nimmt Götz Aly in der Zeit den 80. Geburtstag von Raul Hilberg und zwanzig Jahre "Historikerstreit" zum Anlass zur Frage: " Was wissen wir heute wirklich vom Holocaust?
" Sein Credo: "Denn die Frage nach geschichtlichen Kontexten lässt sich
nicht mit philosophischen Mutmaßungen über irgendeinen historischen
Nexus beantworten, sondern nur mit Ansatzpunkten im Faktischen." Aly
wendet sich gegen die "geschichtsoptimistische Illusion", "die
widerwärtigen Seiten des 20. Jahrhunderts ließen sich auf die
totalitären Großdiktaturen reduzieren".
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