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NPD / Neonazis
Neue Führung beim NPD-Nachwuchs PDF Drucken E-Mail
redok   
11.10.2007
Quedlinburg. Einen neuen Bundesvorstand haben die "Jungen Nationaldemokraten" (JN) gewählt. Zum neuen Führungspersonal des NPD-Jugendverbandes gehören ausgewiesene Neonazis wie der Münchner Norman Bordin, gegen den die Mutterpartei noch im März angeblich ein Schiedsgerichtsverfahren einleiten wollte.

Angeblich 130 Teilnehmer trafen sich am vergangenen Samstag nahe der sachsen-anhaltinischen Stadt im Harz zu einer laut Eigendarstellung "der wichtigsten Kongresse der Jugendorganisation der NPD seit Jahren". Der scheidende Bundesvorsitzende Stefan Rochow hatte den Verband nicht maßgeblich voranbringen können. Zwar fand er zum Abschied markige Worte in Richtung der Mutterpartei: die JN wollten keine "Jubelperser" und "Flugblattverteiler" für die NPD sein, die JN müsse "ihr Profil nun deutlich schärfen". In der NPD gebe es Leute, "die an einem Erstarken der JN keinerlei Interesse haben".

Nun soll es ein neuer Vorstand richten, der auch in seiner personellen Zusammensetzung deutlich macht, dass die JN vielfach von Neonazis aus der Kameradschafts-Szene "übernommen" worden ist.

Der neue Bundesvorsitzende Michael Schäfer (25), Politikstudent aus Wernigerode, gehörte zu den Führungsfiguren der gewalttätigen "Wernigeröder Aktionsfront", bevor die sich aufgrund massiver Strafermittlungen in die örtliche JN verwandelte. Er fungiere als "intellektueller Ideengeber für die gewaltbereite rechtsextreme Szene im Harz", so die Einschätzung des stellvertretenden Verfassungsschutz-Chefs Sachsen-Anhalt, Jürgen Schmökel. "25 Thesen zum Nationalismus" verfasste Schäfer im Mai 2006, in denen er von einer "verstärkten aktionistischen Ausrichtung der JN" und von "Befreiungsnationalismus" sprach.

Als einer der beiden Stellvertreter fungiert Philipp Valenta (26), ehemals JN-Landesvorsitzender und stellvertretender NPD-Landesvorsitzender in Rheinland-Pfalz, nun JN-Landesvorsitzender in Sachsen-Anhalt. Er wurde im April 2002 in Trier zu einem Arbeitseinsatz in einem Tierheim verurteilt, weil er in einem Kino eine Waffe getragen hatte. Im September 2002 verurteilte ihn das Amtsgericht Trier wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen; der damals 20-jährige Schüler Valenta hatte bei einer NPD-Party einen betrunkenen Gesinnungsgenossen geschlagen und getreten. Valenta wurde im November 2005 zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der JN gewählt.

Wohl der bekannteste im neuen Führungstrio ist der zweite Stellvertreter: Norman Bordin (31) hat eine langjährige Karriere in der Neonazi-Szene und in der NPD aufzuweisen. Bundesweit ist er als früherer Anführer des ehemaligen "Aktionsbüro Süd" beziehungsweise "Kameradschaft Süd" bekannt; zur Zeit ist er JN-Landesvorsitzender in Bayern.

Er wurde mehrfach unter anderem wegen Körperverletzung verurteilt. Im Januar 2001 wurde er anlässlich des Überfalls von Neonazi-Skinheads auf einen Münchner Bürger griechischer Herkunft festgenommen, bei dem der Angegriffene fast zu Tode geprügelt worden war. In der Haftzelle attackierte Bordin einen anderen Gefangenen; wegen versuchter Körperverletzung im Zusammenhang mit dem Überfall und vollendeter Körperverletzung im Zusammenhang mit der Tätlichkeit gegen den Mitgefangenen sowie wegen Beleidigung wurde er im März 2002 zu einer Gefängnisstrafe von 15 Monaten verurteilt. Seit kurzem ist Bordin in der NPD-gesteuerten "Bürgerinitiative Ausländerstopp" München aktiv.

Im Februar war Bordin in der ungarischen Hauptstadt Budapest bei einem internationalen Treffen des Neonazi-Netzwerks "Blood & Honour" gefilmt worden, als er bei einem wüsten "Konzert" der Truppe mehrfach den Hitlergruß zeigte. Die NPD-Bundesführung hatte sich eilig distanziert und ein partei-internes Schiedsgerichtsverfahren angekündigt. Diese Ankündigung wurde dann kurzfristig von den NPD-Internetseiten entfernt und zwei Tage später wieder veröffentlicht - jetzt ist sie dagegen wieder spurlos verschwunden.

Weitere sechs Beisitzer komplettieren den JN-Bundesvorstand. Dazu zählt auch der Landesgeschäftsführer der JN Sachsen-Anhalt, Matthias Gärtner (Magdeburg), der seit einigen Monaten innerhalb der JN eine Gruppierung "Nationaler Bildungskreis" (NBK) aufgebaut hat. Dieser NBK soll "auf akademischen Niveau den Kampf um die Köpfe unterstützen" und offenbar den seit längerer Zeit inaktiven NPD-Studentenverband "Nationaler Hochschulbund" (NHB) ersetzen. Angeblich konnte sich der NBK schon "an zahlreichen Hochschulstädten etablieren". Nun wurde beim JN-Bundesvorstand für Gärtner ein "Amt Nationaler Bildungskreis (NBK)/Schulung" geschaffen.

Bei einem "Antrittsbesuch" des neuen JN-Vorsitzenden in der NPD-Zentrale in Berlin kündigten Schäfer und der NPD-Chef Udo Voigt an, sie wollten "dieses liberalkapitalistische System dort treffen, wo es ihm am meisten wehtut, bei seiner Zukunft, bei seiner Jugend". Dazu wollen sie "verstärkt in Bereiche vordringen, die der Staat uns überläßt".