| Rechte Gewalt / Neonazis | |||
| Brutal-braunes Wochenende |
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| redok | |
| 28.10.2007 | |
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Magdeburg/Abstatt/Lübeck. Rassistische und fremdenfeindliche Angriffe wurden am Wochenende in Ost und West verübt. In Magdeburg und Lübeck prügelten Rechtsextreme auf Menschen afrikanischer Herkunft ein, im schwäbischen Abstatt warfen Neonazis einen Molotow-Cocktail auf Bürger türkischer Herkunft. In Bergen-Belsen und Gardelegen fielen Rechtsextreme mit Neonazi-Propaganda auf.
Am Samstag beleidigten in der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt zwei polizeibekannte 18 und 19 Jahre alte Magdeburger zunächst einen 31-jährige, Asylbewerber aus Sierra Leone und schlugen dann auf ihn ein. Ein 24-jähriger Autofahrer hielt an und versuchte zunächst, die Täter von dem Ofer wegzuziehen. Als er über sein Handy die Polizei alarmierte, flüchteten die alkoholisierten Schläger, die jedoch bald festgenommen werden konnten. Der 18-jährige wurde später auf freien Fuß gesetzt, sein Kumpan wegen Schwarzfahrens und Schulschwänzens in das Jugendgefängnis in Halle eingewiesen. In Abstatt (Landkreis Heilbronn, Baden-Württemberg) waren in der Nacht zum Sonntag drei bis vier Angehörige der rechten Szene zweimal vor das Haus einer türkischen Familie gezogen, weil sie dort angeblich mit einem der Bewohner sprechen wollten. Beim zweiten "Besuch" der Rechtsextremen kamen zwei Türken und ein Deutscher aus dem Haus. Ein 18-jähriger aus der rechten Gruppe warf einen Molotow-Cocktail in Richtung der drei Hausbewohner, der jedoch sein Ziel verfehlte. An einer Tankstelle in Lübeck steuerte am Samstag Abend eine Gruppe von sechs Männern und einer Frau auf einen 19-jährigen Lübecker afrikanischer Herkunft zu. Ein 28-Jähriger aus der Gruppe trat nach dem Kopf des jungen Mannes, der eine Gesichtsschwellung und einen abgebrochenen Zahn erlitt. Eine Zeugin rief die Polizei; die Gruppe im Alter von 25 bis 35 Jahren, von den die meisten aus Lübeck und einer aus Kiel stammte, flüchtete in die benachbarte Wohnung des Haupttäters. Die Polizei öffnete die Wohnung; dort ergab sich für die Beamten "nach Inaugenscheinnahme der Wohnung sowie dem äußeren Erscheinungsbild der Festgenommenen" der Verdacht auf einen rechtsradikalen Hintergrund.
In Velsdorf (Bördekreis, Sachsen-Anhalt) griffen drei Männer einen 44-jährigen Spätaussiedler an, der zuvor einen der Männer wegen Sachschäden an seinem Auto als Tatverdächtigen festgehalten hatte. Während die drei Männer auf den Spätaussiedler einschlugen, beleidigten sie ihn mit antisemitischen Sprüchen. Die drei Männer sollen festgenommen worden sein. In Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) traten fünf bis acht Rechtsextreme auf zwei Punker ein, verprügelten sie mit Schlagstöcken und verletzten sie schwer. Die Opfer erlitten erhebliche Verletzungen am Kopf und an der Schulter. Die Täter konnten flüchten. Am heutigen Sonntag wurde in Bergen-Belsen (Niedersachsen) ein neues Dokumentationszentrum an der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen bei Celle eingeweiht, in dem insgesamt etwa 50.000 KZ-Häftlinge und 20.000 Kriegsgefangene ums Leben kamen. Die Störung der Einweihungsfeier war offenbar das Ziel von drei Neonazis im Alter von 19 bis 29 Jahren, die von der Polizei der rechtsextremen Gewaltszene zugerechnet werden und die am Samstag Nachmittag auf dem Gelände der Gedenkstätte aufgegriffen wurden. Die Männer aus Männer aus Celle, Wathlingen und Ramlingen-Ehlershausen wurden durchsucht. Dabei fanden die Beamten sogenannte "Spuckies" (Aufkleber) mit Werbung für die "Nationalen Sozialisten Niedersachsen", dazu noch eine CD mit der Aufschrift "Kampfbund Freißler". Einer der drei Männer ist einschlägig vorbestraft: er hatte Rudolf-Heß-Plakate auf dem Jüdischen Friedhof und an der Synagoge in Celle geklebt, wie die Polizei mitteilte. Die Männer wurden auf richterlichen Beschluss bis zum heutigen Nachmittag in Gewahrsam genommen, um antisemitische Straftaten anlässlich der Gedenkveranstaltung in Bergen-Belsen zu verhindern. Mit einer Hakenkreuzfahne zogen zwei Männer in Gardelegen (Altmarkkreis Salzwedel, Sachsen-Anhalt) durch die Straßen. Als sich die Polizei näherte, flüchteten die beiden; ein 20-Jähriger konnte festgenommen werden. |