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Durchsuchungen bei NPD-Funktionären: Geschäft mit Mordhetze PDF Drucken E-Mail
redok   
30.10.2007
Bad Lauterberg/Fretterode. Rund 100 Polizeibeamte durchsuchten heute Wohn- und Geschäftsräume des Rechtsrock-Händlers Thorsten Heise in Fretterode (Thüringen) sowie der Neonazi-Liedermacher Michael und Annett Müller in Bad Lauterberg (Niedersachsen). Heise ist Mitglied des NPD-Bundesvorstands, die Eheleute Müller kandidieren für die NPD zur Landtagswahl in Niedersachsen im Januar 2008. Die Polizisten waren auf der Suche nach CDs mit extrem antisemitischem Inhalt.

Während die Polizisten bei den Müllers schon um die Mittagszeit mit beschlagnahmten Gegenständen das Wohnhaus verließen, dauerten die Durchsuchungen bei Heise und seinem WB-Versand noch bis in den Abend an. Die Durchsuchungen erfolgten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main und wurden von Beamten des Bundeskriminalamts mit Unterstützung der Bundespolizei und der Landeskriminalämter Thüringen und Niedersachsen durchgeführt.

Thorsten Heise wird verdächtigt, Urheber und Vertreiber mehrerer
Tonträger mit strafbaren rechtsextremistischen Inhalten zu sein, darunter der CD "Kommando Freisler - Geheime Reichssache". Er soll auch für die Herstellung und den Vertrieb der Sampler "Northeim Live Vol. I" und"Northeim Live Vol. II" sowie die Nachproduktionen der CDs "Sturm 18- Komm zu uns" und "Landser - White Covers" verantwortlich sein, für deren Erstproduktionen er sich aktuell bereits vor Gericht verantworten muss.

Insbesondere die "Kommando Freisler"-CD strotz vor Hassliedern gegen Juden. Zu populären Schlagermelodien hatten die "Musiker", die sich nach dem berüchtigten Präsidenten des Nazi-"Volksgerichtshofs" benannten, extrem antisemitische Texte gesungen, so etwa in den Liedern "Judenschwein", "Im Wagen vor mir", "Das Giftgas" oder "In Belsen". Beim Konzentrationslager Bergen-Belsen wurden erst am vergangenen Samstag drei Neonazis mit der "Kommando Freisler"-CD aufgegriffen, die offenbar die Einweihung des neuen Dokumentationszentrums an der Gedenkstätte stören wollten.

Nach dem gleichen Muster - Hetztexte zu bekannten Schlagermelodien - hatte auch der aus Amberg (Bayern) stammende Michael Müller bereits vor Jahren das Udo-Jürgens-Lied "Mit 66 Jahren" missbraucht. Müller kandidiert zu den niedersächsischen Landtagswahlen auf Platz 6 der NPD-Liste und als Direktkandidat im Wahlkreis Northeim, seine Frau Annett Müller auf Platz 20 und im Wahlkreis Duderstadt.

Heise ist wegen rechtsextremer Musik bereits mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Das Landgericht Mühlhausen (Thüringen) hatte ihn Anfang Juli 2007 in zweiter Instanz wegen Volksverhetzung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt; das Urteil ist wegen eines Revisionsantrags noch nicht rechtskräftig. Im März 2003 waren am Frankfurter Flughafen 5.000 CDs vor allem mit Hetze gegen Türken beschlagnahmt worden. Heise hatte die CDs in Thailand bestellt; über Schweden und Dänemark sollten sie nach Deutschland gebracht werden, befand das Gericht. Heise hatte angegeben, sie seien für den Verkauf in Schweden vorgesehen gewesen.

In einem weiteren Verfahren musste sich Heise in Niedersachsen wegen einer ähnlichen Straftat verantworten. Bereits im Herbst 2001 hatte der Zoll am Frankfurter Flughafen 6.000 CDs der Gruppe "Sturm 18" beschlagnahmt. Auch in diesem Fall beteuerte Heise, die Tonträger seien für Schweden bestimmt gewesen. Im Herbst 2003 begann die Verhandlung vor dem Amtsgericht Northeim, doch das Verfahren platzte zweimal wegen fehlender Zeugen. Erst mit dem dritten Versuch kam es im Februar 2006 zu einem Urteil: ein Jahr auf Bewährung wegen Volksverhetzung.

Heise ging in die Berufung; der Prozess beim Landgericht Göttingen begann erst 14 Monate später. Zweieinhalb Monate wurde verhandelt, dann war - zwei Wochen nach Heises Verurteilung in Mühlhausen - in Göttingen vorerst Schluss, das Verfahren wurde ausgesetzt. Die Verteidigung wollte unbedingt einen Zeugen aus Schweden zur Verhandlung laden: Richard Andersen aus Helsingborg, ein Produzent von Neonazi-Musik, sollte für Heise aussagen. Doch der Schwede lehnte ab, zu Gerichtsverhandlungen nach Deutschland zu kommen.

Das Landgericht Mühlhausen hatte diese Weigerung zur Kenntnis genommen und auf den nicht verfügbaren Zeugen verzichtet. Diese Kenntnis des Landgerichts Mühlhausen hätte dem Göttinger Gericht reichen können, um ebenso wie die Thüringer Justiz ohne den Zeugen weiter zu verhandeln. Doch der Göttinger Richter konnte seinen Kollegen in Mühlhausen nicht am Telefon erreichen - damit war das Verfahren erst einmal gelaufen. Der Fall musste komplett neu verhandelt werden, doch im November oder Dezember 2007 wird die Verjährungsfrist erreicht.

Der mehrfach unter anderem wegen schwerer Körperverletzung, Landfriedensbruch und Nötigung vorbestrafte Heise war niedersächsischer Landesvorsitzender der verbotenen neonazistischen "Freiheitlichen Arbeiterpartei" (FAP) gewesen und seit vielen Jahren eine Führungsfigur in der Kameradschaftsszene. Im September 2004 war er in die NPD eingetreten und bereits wenige Monate später in den Parteivorstand gewählt worden.

Dokumentation: Textauszüge

"Kommando Freisler": "Judenschwein"

Jude dich verkennt man nicht.
Du solltest besser fliehen
wenn die Braunen durch die Straßen ziehen.
Denn in Deutschland weiß ein jedes Kind,
dass Juden nur zum Heizen sind.

"Kommando Freisler": "Im Wagen vor mir"

Und gibt es auf der Welt dann keine Juden mehr,
wird unser Deutschland endlich wieder frei. (...)
Und die SS ist wieder mit dabei.
Es wird dann einen neuen Führer geben,
der macht das Leben wieder lebenswert.

"Kommando Freisler": "Das Giftgas"

Ja man muss zuerst das Giftgas in die Kammer füllen.
Und um das ganze einen schicken Schleier hüllen.
Mit ner Brause und nem Abfluss,
wie ne Dusche sieht das aus.
Und fertig ist der Hollocaust.

"Kommando Freisler": "In Belsen"

In Belsen, in Belsen, da hängen se an den Hälsen,
fidirallala, fidirallala, fidirallalalala.
In Buchenwald, in Buchenwald, da machen wir die Juden kalt.

"Kommando Freisler": "Bibi Blocksberg"

Doch irgendwann ist mit dem ganzen Unsinn Schluss.
Da bekommt ein jeder Jud von uns den goldenen Schuss.
Dann wird der Gashahn aufgedreht dass es nur so kracht.
Dann wird der Jud dahingestreckt und ganz Deutschland lacht.
[...]

Und wenn das Pack nicht sterben will und es werden immer mehr.
Dann gibts nur eine Lösung: Volk ans Gewehr.
Eine U-Bahn, eine U-Bahn, eine U-Bahn bauen wir.
Von Jerusalem bis nach Auschwitz, eine U-Bahn bauen wir.

Michael Müller: " Mit sechs Millionen Juden"

Mit sechs Millionen Juden, da fängt der Spaß erst an,
bis sechs Millionen Juden, da ist der Ofen an.
wir haben reichlich Zyklon B.
Bei sechs Millionen Juden ist noch lange nicht Schluss.

"Sturm 18":

Wir werden Terroristen sein ...
Für Spiegel, Friedman und Konsorten
tut‘s auch gerne Zyklon B.