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Neonazis / Rechte Gewalt
Bewaffneter Überfall auf Gaststätte PDF Drucken E-Mail
redok   
17.11.2007
Dortmund. Mit Pflastersteinen, Schlagstöcken, Pfefferspray und einer Schusswaffe haben in der heutigen Nacht etwa 30 Personen eine Gaststätte an der Rheinischen Straße in Dortmund überfallen. Die Täter riefen fremdenfeindliche Parolen. Fünf von ihnen wurden gefasst; die Polizei ermittelt wegen Landfriedensbruchs.

Laut Polizeibericht war die Gruppe gegen 02.30 Uhr zunächst auf der anderen Straßenseite unterwegs Richtung Dorstfeld, dann liefen die Täter unvermittelt zur Gaststätte. Dort warfen sie die Schaufensterscheibe ein, griffen die beiden Türsteher des Clubs an und drängten sie in das Lokal, wo sie eine Person mit Pfefferspray verletzten und mit einer Schusswaffe bedrohten. Dabei riefen sie Parolen wie "Scheiß Türken - Scheiß Ausländer".

Beim Eintreffen der Polizei flüchteten die Täter. Fünf Personen zwischen 19 und 21 Jahren konnten gefasst werden, darunter auch der vermutliche Waffenträger. Die Staatsschutzabteilung ermittelt wegen Landfriedensbruchs.

Wenige Hunderte Meter weiter befand sich bis vor wenigen Monaten der örtliche Neonazi-Laden, der zunächst als "Buy or die" firmierte und nach dessen Schließung dann zwei Häuser weiter als "Donnerschlag" neu aufmachte. Eng mit der Nazi-Rockgruppe "Oidoxie" verbunden, stellte er einen wichtigen Stützpunkt der gewaltbereiten Dortmunder Neonazi-Szene dar. Im Januar 2007 war der "Donnerschlag"-Vermieter mit einer Räumungsklage erfolgreich, im April kam dadurch das endgültige Aus für den Laden.

Im Februar konnten die Neonazis zwar wiederum ein paar Meter weiter eine ehemalige Gaststätte für ein mittlerweile drittes Ladenlokal sowie einen früheren Imbiss für ein Tattoo- und Piercing-Studio anmieten, doch eine vom Stadtrat erlassene Veränderungssperre an der Rheinischen Straße verhinderte die beabsichtigte Nutzung. Im Stadtteil Dorstfeld bildeten führende Köpfe der Dortmunder Neonazi-Szene zudem eine Wohngemeinschaft, die ebenfalls als Stützpunkt für die nicht selten gewalttätigen Aktivisten dient.

Im April 2006 hatten etwa 25 vermummte Neonazis einen Überfall auf die linke Kneipe "Hirsch-Q" verübt, bei dem mehrere Gäste durch Reizgas und Schlagstöcke verletzt worden waren. Seitdem kam es immer wieder zu Neonazi-Attacken auf den Club in der Innenstadt. Zwar wurden nach dem Überfall 18 Verdächtige festgenommen, doch nur bei einem reichte es für eine Anklage.

Im Prozess sprach die Oberstaatsanwältin im März 2007 von "bürgerkriegsähnlichen Szenen", der Angeklagte kam jedoch mit 100 Sozialstunden plus einer Woche Dauerarrest davon. Der 20-Jährige, der schon 2002 wegen Volksverhetzung verurteilt worden war, hatte sich angeblich aus der rechten Szene gelöst - Prozessbeobachter hatten jedoch berichtet, dass er seit einem halben Jahr in der bekannten Nazi-WG wohnt.