| NPD | |||
| Landesvorsitzender ausgestiegen |
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| redok | |
| 05.12.2007 | |
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Haiger. Der hessische Landesvorsitzende der NPD-Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN) hat sich mit einem Interview in einer Fernsehsendung des Hessischen Rundfunks von der NPD verabschiedet. Die Partei war ihm zu sehr nach dem Vorbild der NSDAP geraten, sagte Simon Zimmermann (21) im Interview. Mit ihm sei fast der gesamte Landesvorstand der JN zurückgetreten. Die NPD reagierte giftig: gegen den "unfähigen" Ex-Funktionär will Landeschef Marcel Wöll juristisch vorgehen.
Er habe erkannt, dass vieles von dem, was er "versucht habe umzusetzen, nicht umsetzbar ist und auch moralisch nicht mehr vertretbar war", Zum Streit soll es wegen des Wahlprogramms der NPD zur Landtagswahl am 27.01.2008 gekommen sein. Viele Dinge seien "eins zu eins aus dem Parteiprogramm der NSDAP in das Wahlprogramm der NPD übernommen worden". Auch auf internen Schulungen werde "das Parteiprogramm der NSDAP offen diskutiert". Dem NPD-Landesvorsitzenden Marcel Wöll bescheinigte Zimmermann "exzessive Gewaltbereitschaft" und belegte das mit eigener Erfahrung: "Ich habe selbst erlebt, dass antifaschistische Gruppen vor seiner Tür demonstriert haben und Marcel Wöll daraufhin mit der Axt herausgestürmt ist, um diese zu vertreiben." Seinem Rückzug aus der Partei sei fast der gesamte Landesvorstand der JN gefolgt. Mit Zimmermanns Austritt verliert die hessische NPD innerhalb eines Jahres erneut ein Vorstandsmitglied, denn der JN-Vorsitzende gehört kraft Amtes auch dem Partei-Landesvorstand an. Bereits im Januar war der erst im Mai 2006 zum stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden gewählte Carsten von Waffenstein aus der Partei ausgetreten; als Grund hatte der 51-jährige Architekt eine größere Erbschaft genannt, mit der eine private und berufliche Neuorientierung verbunden sei. Waffenstein hatte nach seinem Parteiaustritt auch sein Mandat für die NPD im Kreistag Wetterau abgegeben; die eigentliche Nachrückerin hatte verzichtet, sodass Marcel Wöll als Nachrücker in den Kreistag zum Zuge kam. Dort war Wöll dann im März während einer Kreistagssitzung durch Äußerungen aufgefallen, die ihm eine Anklage wegen Volksverhetzung und eine Verurteilung zu vier Monaten Haft ohne Bewährung einbrachten. Simon Zimmermann hatte vor zwei Jahren die bis dahin in Hessen kaum existierenden JN reaktivieren können. Als "JN-Stützpunktleiter Lahn-Dill" trommelte er im Mai 2005 angeblich über 100 Jung-Rechte zu einem "Stützpunktkongress" in Haiger zusammen. Zwei Monate später wurde er - nun schon "designierter JN-Landesvorsitzender" - auf Platz sechs der hessischen NPD-Landesliste zur Bundestagswahl im September 2005 gewählt. Im Oktober 2005 wurde Zimmermann auf einem JN-Landeskongress einstimmig zum Landesvorsitzenden gewählt; der heutige NPD-Landeschef Marcel Wöll durfte als anonymisierter "Kamerad Marcel W. vom Aktionsbündnis Rhein-Main" eine Rede halten. Im Mai 2006 hatte "Kamerad Marcel W." einen bedeutenden Erfolg bei seinem schnellen Marsch durch die NPD-Instanzen zu verbuchen: der altbackene Hans Schmidt (Jahrgang 1941) musste den hessischen NPD-Chefsessel zugunsten von Wöll räumen, der sogleich die Landespartei aus dem "Dornröschenschlaf" erwecken wollte. Mit zur jungen Garde gehörte Zimmermann, der als JN-Vorsitzender ebenfalls dem Landesvorstand angehörte. Mit einem "4-Säulen-Konzept" wollte Zimmermann die JN Hessen auf Vordermann bringen. Dazu zählte er den "Kampf um die Dörfer", den "Kampf um die Schulen", die "Zusammenarbeit mit den Kameradschaften" und die "Intellektualisierung der Jugend". Ein halbes Dutzend JN-Stützpunkte waren mittlerweile aufgebaut worden. Doch im Dezember 2006 bekam Zimmermann offenbar innerparteilichen Ärger und musste öffentlich Buße tun. In einem Artikel über das angeblich "brutale Verhalten der Kasseler Polizei" hatte Zimmermann deren Vorgehen mit der SA verglichen - ein Sakrileg für die neonazistischen Verehrer des Dritten Reichs in den NPD-Reihen. Der JN-Landeschef musste zu (Haken)Kreuze kriechen und abschwören: "Ich als Landesvorsitzender möchte daher deutlich machen, dass das Verhalten der SA nicht zur Disposition steht." Die Kasseler Polizei spiegele "in keiner Weise das Verhalten der Sturmabteilung wieder", beteuerte Zimmermann, und es habe nicht in seinem Interesse gelegen, "die SA als Schlägertruppe dazu stellen". Offenbar war seitdem eine Entfremdung eingetreten. Mit seinem Interview löste Zimmermann freilich eine Gift spritzende Reaktion von NPD-Landeschef Wöll aus, der seinem Ex-JN-Vorsitzenden einen "politischen Sinneswandel" absprach und bahauptete: "Wahr ist vielmehr, daß er nach etlichen Monaten Beitragsrückstand und nachdem sich zeigte, daß er völlig unfähig ist, Ämter in NPD und JN zu bekleiden, unsererseits zum Verlassen von Partei und JN aufgefordert wurde." Dieser Aufforderung sei Zimmermann nachgekommen, niemand aus den Reihen der NPD und JN habe ihm eine Träne nachgeweint.
Offenbar hat Zimmermann mit seinen Vorwürfen aber einen empfindlichen Nerv getroffen, denn angesichts der "ungeheuerlichen Unterstellungen" will Wöll "auf jeden Fall juristisch gegen Zimmermann vorgehen". Die "Rechtsabteilung" werde zunächst eine Unterlassungsverfügung gegen ihn erwirken, "alles andere wird sich dann zeigen". Keine zwei Monate vor der Landtagswahl dürften diese Auseinandersetzungen jedenfalls nicht gerade förderlich für die Wahlaussichten der hessischen NPD sein. |