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Rechter Rand
Falsche Behauptungen von Rechtsaußen PDF Drucken E-Mail
redok   
13.12.2007
Berlin. Gleich dreimal musste die neurechte Wochenzeitung Junge Freiheit in jüngster Zeit falsche Behauptungen über kritische Journalisten und Autoren zurücknehmen, die sich mit Rechtsextremismus befassen. Die Masche des Blattes, das sich gerne als intellektuelles Leitmedium auf der Rechten positionieren würde: die Angegriffenen seien für linksextreme Zeitschriften tätig gewesen. Damit wollte das Blatt eine "offene Flanke" der SPD für Extremisten nachweisen.

In der vorigen Woche druckte das Blatt eine Gegendarstellung von Margarete Jäger vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) ab. Ihr hatte die Junge Freiheit unterstellt, sie habe für die linksautonome Zeitschrift Interim geschrieben; in dieser Zeitschrift habe auch schon mal gestanden, man könne nicht ausschließen, "daß es bei Auseinandersetzungen mit Nazis“ eventuell auch schon mal "Schüsse auf Nazis" geben könne. Jäger wies die Behauptung zurück: bis zur Lektüre des JF-Artikels habe sie diese Zeitschrift Interim gar nicht gekannt, geschweige denn für sie geschrieben. Die JF-Redaktion setzte zu der Gegendarstellung hinzu: "Frau Dr. Jäger hat recht."

Am gestrigen Dienstag berichtete die taz über das Scheitern der gleichen Behauptung über einen ihrer Autoren. Die JF hatte über Andreas Speit ebenfalls geschrieben, er sei in der Vergangenheit "für das linksextreme Berliner Antifa-Infoblatt Interim" tätig gewesen. Die JF hat sich schriftlich verpflichtet, diese Behauptung nicht länger aufzustellen, berichtete die taz.

Am heutigen Mittwoch musste die JF schon wieder eine Unterlassungserklärung abgeben, diesmal auf Verlangen des "externer Linkblick nach rechts“ (bnr). Über den bnr-Autor Gernot Modery hatte die JF behauptet, er schreibe auch für linksextreme Publikationen wie Der Rechte Rand, konkret sowie für die Zeitung Neues Deutschland. Diese Behauptungen wird die JF nun laut ihrer Erklärung nicht mehr aufstellen.

Hintergrund für die damit fehlgeschlagenen Attacken der JF ist vor allem das Buch "Die Wochenzeitung 'Junge Freiheit'", das von den SPD-Politikern Stephan Braun und Ute Vogt herausgegeben wurde. Offenbar war das Buch den JF-Machern so sehr auf den Magen geschlagen, dass sie in der Auseinandersetzung den Weg über die Diskreditierung der Autoren wählten. In einer 61-seitigen Broschüre mit dem Titel "Die offene Flanke der SPD" schrieb JF-Autor Felix Krautkrämer von einem "Fall Stephan Braun", der den "sozialdemokratischen Biedermann" gebe, tatsächlich aber mit "verfassungsfeindlichen Linksextremisten" zusammenarbeite. "Linksextremantifaschistische Positionen" sollten somit in die "Mitte der Gesellschaft" getragen werden.

Laut Mitteilung des bnr wurden "weitere Unterlassungserklärungen" eingefordert. Zuvor hatte der bnr berichtet, dass das Magazin Focus in einem Artikel von Michael Klonovsky, Chef vom Dienst bei dem in München erscheinenden Magazin, "sich die JF-Version zu eigen" machte. Die JF hatte am Montag den Focus-Artikel wiederum als Bestätigung ihrer eigenen Behauptungen zitiert, die sie nun durch Gegendarstellung und Unterlassungserklärungen mittlerweile schon mehrfach zurücknehmen musste.